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OrangeLydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 07:16 Uhr
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Da wir es irgendwie versäumt haben, zu diesen Buch eine Leserunde durchzuführen, hier nun ein Thread dazu.
Fragen an die Autorin (die diese sicher gern beantwortet) Lob, Kritik, Anmerkungen bitte hier.

SPOILERWARNUNG!
Hier wird offen über den Inhalt des Buches geredet. Wer es also noch unvoreingenommen geniessen will, bitte hier NICHT weiter lesen!

Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero, röm. Philosoph)Mir fehlt nur eins - genug Zeit um mich um beides ausreichend zu kümmern.

OrangeAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 07:24 Uhr
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Ich hab gleich selbst mal 2 Fragen an Charlie.

Als Klara zum Schluss bei Sevan im Krankenhaus war, war ich einigermaßen überrascht, dass das der Schluss war. Ich hatte tief durchgeatmet, mich für das letzte Kapitel gewappnet und dann kam nix mehr. Nach ein paar Tagen kann ich jetzt damit leben, aber an den Tag war ich schon erstaunt. Nicht mal unbedingt über das offene Ende der Geschichte, aber was ich wirklich vermisst habe, war ein Nachwort.

Wie hast du Smyrna gefunden? Du hast ja sicher nicht gesagt, "so, jetzt schreib ich mal einen Roman über Izmir".

Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero, röm. Philosoph)Mir fehlt nur eins - genug Zeit um mich um beides ausreichend zu kümmern.

CharlieLyneAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 09:37 Uhr
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Nachwörter schreibe ich ja nicht, wenn ich's vermeiden kann. Das ist mein fester Entschluss: Spricht der Roman nicht für sich, vertraut mir der Leser nicht, dass ich die Historie mit Respekt und Sorgfalt behandle, dann reisst so ein Nachwort nichts raus. Ich möchte gern Geschichten erzählen, die allein stehen, ohne Erklärung, ohne Rechtfertigung. Wenn ich das nicht schaffe, ist das Buch nicht so, wie ich es wollte.

Das Ende habe ich so geplant, weil ich es den historischen Gegebenheiten entsprechend und angemessen fand. Und natürlich dramaturgisch richtig. Ich möchte immer gern, dass das Ende meiner Figuren in Teilen das historische "Ende" spiegelt. Für Smyrna gab es kein Happy End - aber Menschen, die davongekommen sind, die irgendwo ein neues Leben angefangen haben. Ehrlich gesagt mag ich das Ende. Und den letzten Satz besonders.

Smyrna hatte ich im Hinterkopf, weil der islamischen Welt ja in meiner zweiten Lebenshälfte meine ganz grosse Liebe gilt. Richtig "gefunden" habe ich sie, weil ich fast zwei Jahre lang vergeblich versucht habe (mit Hilfe meines Agenten natürlich), einen Verlag zu überreden, mich einen Roman über Baghdad schreiben zu lassen. Jetzt, wo diese grossen, einzigartigen Vielvölkerstaedte des ehemaligen osmanischen Reiches endgültig vernichtet werden,hatte ich das Gefühl, ich müsste das aus mir herausschreien. Das wollte aber niemand haben. Ich habe alternativ Damaskus angeboten, wollte auch keiner. Und dann habe ich entdeckt: Wow, da war ja eine viel näher an uns dran, in jeder Hinsicht. Vielleicht schaff ich's mit der. Das war mein Glück, denn nicht nur das hat geklappt, sondern unsere Reisen nach Izmir waren auch unglaublich schön. Und ich hatte die Chance, endlich mein Gallipoli einzubringen, was ich seit sonst wann gern wollte. Und: Der Verlag hat meinen Baghdad-Roman gleich mitgekauft.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."Ararat - "Und sie werden nicht vergessen sein" - Knaur, 1. März 2016www.charlotte-lyne.com

CharlieLyneAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 09:38 Uhr
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Vergessen:
Vielen Dank fuer Dein Interesse, Deine Fragen!
Ich spreche über das Buch so gern und hatte dazu kaum Gelegenheit.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."Ararat - "Und sie werden nicht vergessen sein" - Knaur, 1. März 2016www.charlotte-lyne.com

OrangeAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 11:38 Uhr
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Ich verstehe deine Einstellung zum Thema Nachwort durchaus.
Aber ich wusste zum Beispiel über den Balkankrieg nicht viel bis gar nichts. Das die Griechen und die Türken nicht wirklich miteinander können, war mir bekannt. Dass vor den 1. WK viele Türken nach Griechenland geflohen sind und es deshalb grad in der Nähe von Saloniki und der Chalkidiki viele Orte gibt die Nea .... heissen auch. Aber das die Türken gar keine Türken sondern griechisch-stämmig waren sind, das wusste ich nicht. Und das der Balkankrieg sozusagen der "Wegbereiter" für den 1. WK war, war mir überhaupt nicht bewusst. Für mich ist diese Geschichte fast komplett Neuland und deshalb hätte ich eben gern mehr dazu erfahren.
Das du deine Geschichten sehr genau recherchierst, weiß ich ja und da verlasse mich auch auf "historische Korrektheit".

Das der Verlag die Geschichte gebracht hat und sich mit der Gestaltung der Buches (welche ich sehr, sehr schön finde) so viel Mühe gegeben hat, freut mich wirklich sehr.
Musste deshalb ein neues Pseudonym her? War das dein Wunsch oder des Verlages? Thematisch hätte es ja auch zu Carmen Lobato gepasst.
Und wenn du schreibst, der Verlag hat deinen Bagdad-Roman gleich mitgekauft, heisst das, du schreibst an einen neuen Buch?

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CharlieLyneAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 12:04 Uhr
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Das ist ja ein neuer Verlag. Und der andere - der meine Pseudonyme ja weiter bewirbt - wollte verständlicherweise nicht, dass ich eines davon mitnehme. Also mussten wir ein neues ins Leben rufen. Ich finde das schon schade, denn natürlich haette ich gern, dass meine Roth-Lobato-Conradi-Buecher voneinander profitieren. Für mich gehören sie alle zusammen, sie drehen sich alle um mein Thema. Aber dass das aus Verlagssicht so einfach nicht ist, kann ich auch verstehen, also richte ich mich danach.

Die Gestaltung des Buches finde ich auch wundervoll - ich freue mich darüber so sehr.

Wenn ein Leser mein Buch liest und danach mehr über das Thema erfahren möchte, ist das das schönste, was mir passieren kann. Genau das wünsche ich mir ja, das möchte ich mit einem Roman am liebsten erreichen. Nur steht dafür dann eben Sach- und Fachliteratur zur Verfügung. Ich weiss, man könnte über dieses Thema endlos diskutieren und muss sich am Ende doch auf "agree to disagree" einigen, aber ich bin ein Vertreter der Ansicht, dass historische Romane nicht dazu da sind, etwas über geschichtliche Ereignisse zu lernen, sondern nur, die Anregung dazu zu bieten, den Wunsch zu wecken. Wo immer das funktioniert, freue ich mich ganz unbeschreiblich.

Ja, ich arbeite an einem Roman, der in Baghdad (und dort in der Nähe) spielt. Eine Vor-Ort-Recherche, die ich im Sommer gern noch dazu gemacht haette, habe ich aus Sicherheitsgründen nach Jordanien verlegen müssen, was nun manches nicht so möglich macht, wie ich es gerne haette. Deshalb habe ich mein Konzept ein bisschen umgestellt. Aber die Zeit in Jordanien und die Begegnungen und Gespräche dort waren außergewöhnlich, sodass ich mich jetzt trotzdem gut vorbereitet fühle.

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arthezAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 19:56 Uhr
Zitat:

"... ich bin ein Vertreter der Ansicht, dass historische Romane nicht dazu da sind, etwas über geschichtliche Ereignisse zu lernen, sondern nur, die Anregung dazu zu bieten, den Wunsch zu wecken."

absolute Zustimmung - besser kann man es nicht ausdrücken

Grüße


Jana68AW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 21:02 Uhr
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Hallo Charlie, ich würd gern auch meinen Senf dazugeben, wenn ich darf.

Zunächst mal Danke für die Klarstellung zum Pseudonym. Ich war mir offengestanden gar nicht so sicher, ob Autoren eigentlich wünschen, dass die Welt weiß, wer sich dahinter „verbirgt“ und hatte deshalb Zweifel, ob ich das in meiner - leider immer noch ausstehenden Rezi - eigentlich erwähnen sollte, denn mir war völlig unklar, warum dieser Roman einen neuen Autorennamen brauchen sollte. Jetzt verstehe ich das natürlich und kann es auch nachvollziehen. Ganz ehrlich - hätte ich nicht gewusst, dass es Dein Buch ist, hätte ich ganz bestimmt gemeckert, dass sich jemand den Schreibstil, die Art und Weise der Figurenentwicklung und den Stil der Dialogführung bei meiner Lieblingsautorin abgeguckt hat. Ich hab in jeder Zeile ein Buch von DIR gelesen.
Ob es Dir gefällt oder nicht, Klara hat mich in ihrem Wesen und ihrer Entwicklung hin und wieder an Nathalie erinnert. Die beiden hätten Freundinnen sein können. Bei Sevan habe ich ein- zweimal an Arman gedacht.
Ich habe es überhaupt nicht als negativ empfunden, ganz im Gegenteil. Sowohl die beiden Mädels als auch beide Jungs haben mich sehr berührt und ich bin ihnen sehr nah gekommen.

Ich kannte doch einige der historischen Ereignisse, weil ich mich nach einem Besuch am Checkpoint Charlie in Nikosia vor 15 Jahren mal eingehender damit befasst habe. Deine Geschichte war nun Anlass, noch mal genauer nachzulesen und neue Zusammenhänge zu entdecken.

Der, wenn man so will, eher ruhige und fast bis zur Hälfte andauernde Beginn hat mich zunächst etwas irritiert, erst am Ende des Buches habe ich festgestellt, dass ich dadurch nicht nur die Figuren gut kennenlernen, sondern die multikulturelle Atmoshäre in Smyrna wirklich spüren sollte. Das ist gelungen, bei mir kam es an. Die zweite Hälfte war dann so ereignisreich und schmerzerfüllt, dass ich manchmal kaum Luft holen konnte.
Am Ende habe ich auch etwas gebraucht, um selbiges einzuordnen. Ich habe diese Szene vor mir gesehen und dann auch weitergesponnen...ohne Sevan, aber mit Klara, die die Chronik zu Ende bringt und irgendwann ihren Frieden macht. „Erzähl der Welt von Smyrna!“ ...das ist so wichtig, leider auch deshalb, weil so viel von Smyrna und dem Geist der Stadt verloren ging.


Ich habe eigentlich nur eine minikleine Frage, eine ganz harmlose, doofe Frage, vermutlich wirst Du schmunzeln: Hilft Kaffee mit Bergamotte (es war doch Bergamotte...?) eigentlich wirklich gegen Migräne? Hast Du das mal ausprobiert oder hat es Dir jemand erzählt? Meine Tochter leidet auch an Migräne, vielleicht sollte sie das mal ausprobieren...?

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

Jana68AW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel09.11.2017, 21:37 Uhr
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Doch noch eine Frage: gibt es für die Figur Sevan eigentlich ein konkretes „Vorbild“, einen armenischen Arzt, den Du im Hinterkopf hattest?
Hast Du das Tagebuch „Smyrna 1922“ gelesen? Bestimmt. Das wollte ich mir schon längst zugelegt haben.

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

OrangeAW: Lydia Conradi - Das Haus der Granatäpfel10.11.2017, 07:25 Uhr
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Jana, was du über die Figuren Klara und Nathalie schreibst, habe ich auch so empfunden. Die beiden machen eine enorme Entwicklung durch. Am Anfang will man sie schütteln und anschreien "Mädel, was machst du da eigentlich?", und am Ende zollt man ihnen Respekt.
Aber Arman und Sevan? Nee, die hab ich nicht miteinander verglichen. Auch wenn sie natürlich Gemeinsamkeiten vom Charakter und vom Schicksal her haben, für mich waren das zwei komplett unterschiedliche Typen.

Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero, röm. Philosoph)Mir fehlt nur eins - genug Zeit um mich um beides ausreichend zu kümmern.

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