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Rixa Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 13:17 Uhr
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Dieser Thread ist ein Baby, das aus dem Thread "Wo und wie kauft ihr eure Buecher" geboren wurde.

Prinzipiell habe ich nichts gegen die eine oder andere "starke Frau" im historischen Roman. Ich finde aber, dass die "Ueberfrauen" in den letzten Jahren deutlich zu gehaeuft auftreten und in nicht allzu ferner Zukunft Gefahr gelaufen wird, dass der historische Roman daran seinen Ruf ruiniert. Ich persoenlich muss mich mittlerweile schon ueberwinden, Buecher mit Titeln wie "Die Hebamme" oder "Die Wanderhure" oder "Die Salzsiederin" ueberhaupt aufzuheben und mir naeher anzuschauen. Bin mir durchaus bewusst, dass das nach hinten losgehen kann und man den einen oder anderen wirklich guten Roman verpasst - aber ich denke, die Verlage sollten da irgendwann auch mal aufwachen und die Betitelungen in "ansprechendere" Bahnen lenken.
"Die Markgraefin" zum Beispiel ist so ein Fall - der Titel an sich haette mich nicht gereizt, ich habe es auf Empfehlung einer Verkaeuferin gekauft und es hat mir sehr gut gefallen - weil die Titeldame eben nicht das Superweib war.

Was spricht mehr an - die Superfrauen oder doch der herkoemmliche maennliche Held? Man darf dabei ja nicht vergessen, dass Superweiber im Mittelalter nun echt nicht gehaeuft vorkamen und es heutzutage mehr davon in Buecherregalen gibt als es jemals in Wirklichkeit gegeben hat!

"Cela resamble bien un romang et en le racontemps, bien de jans ne vous croirong pas."

adhara AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 13:24 Uhr
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@Rixa
Super Idee mit dem Thread!

Mir kommt es eben vor, dass in der Literatur sehr lange nur Männer eine wirklich wichtige Rolle spielten. Alle Klassiker, die ich bis jetzt gelesen habe - im weiteren Sinne selbst Anna Karenina - sehen die Frau nur als hübsches Beigemüse und der Protagonist ist ein wahrer Super-Mann... Nun schlägt das Pendel total in die andere Richtung. Am liebsten wäre mir schon, es gäbe hier ein Gleichgewicht. Ich findes es wunderbar, auch von Heldinnen zu lesen (bei Wolfgang und Heike Holbein habe ich den Spass am Lesen verloren, weil es immer ein kleiner Junge war, der die Welt rettete) - aber eben alles mit Mass.

Du hast schon recht - die Titel sind oft "abtörnend". Allerdings nehme ich, seit ich gemerkt habe, dass sich selbst hinter einem dümmlichen Cover mit Liebesszenen ein witziges Buch verstecken kann und ein Titel manchmal so weit hergeholt ist, dass ich mich frage, ob ein falsches Buch ins Cover geraten ist, selbst solche Werke zur Hand und lese mich mal ein
Larna AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 13:46 Uhr
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Ich habe mich in letzter Zeit auch schon oft gefragt, warum es immer Frauen sein müssen, die die Hauptrolle in historischen Romanen spielen oder in vielen zumindest. Und warum dann immer Frauen, die so toll sind, die alles können usw.
Natürlich ist es mal nett, so etwas zu lesen, aber Rixa hat schon recht: Ob es so viele tolle Frauen im Mittelalter wirklich gab? Ich denke, es gab einige, die im Verborgenen viel lenken konnten, z.B. im Geschäft ihres Mannes, nur halt nicht so offensichtlich, in der Öffentlichkeit.
Momentan habe ich von solchen Frauen eher die Nase voll (besonders nach meinen Erfahrungen mit Iny Lorentz), daher ist es mir auch lieber, wenn es ausgewogen ist oder eine Familie an sich die Hauptrolle spielt. Das fand ich unter anderem so toll an der "Waringham-Trilogie", denn da ging es mehr um Männer bzw. die Familie an sich.

Naja, wir werden sehen, was das Lesejahr 2008 so bringt. *zwinkert*

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

arthez AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 15:33 Uhr
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Also zu den "wandernden Salzsieder-Hebammen" kann ich mangels Leseerfahrung nix sagen, aber zumindest eine sehr starke Frauenfigur fällt mir auf Anhieb ein:

Eliza, Gräfin de la Zeur aus "Stephensons" Quicksilver-Trilogie

Intelligent, schön (zumindest bis ihr ein damals weitverbreitetes Schicksal nicht erspart bleibt), ein extrem starker Wille gepaart mit hohem manipulativem Geschick gelingt ihr der Aufstieg vom Sklavenmädchen bis in die höchsten Geld- und Adelskreise. Ob das auch in der Realität am Ende des 17. Jahrhunderts so möglich gewesen wäre mag dahingestellt sein, ist mir auch endlich egal, aber wie die Geschichte im Roman geschrieben ist gibt es nichts zum aussetzen.

Der Lebensweg von Eliza ist nur ein Handlungsstrang (von vielen) im Buch, es würde mir aber nichts ausmachen wenn sie die Zentralfigur wäre.

Hoppla, da fällt mir noch eine Figur ein: Cloridia, in den Romanen von Monaldi & Sorti – dringend notwendig für die Geschichte der Intrigenspinnenden Männergesellschaft – zumindest den Helden bringt sie immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück (vielleicht eine Nebenfigur, für mich aber eine sehr wichtige, soll bedeuten: Männer & Frauen ergänzen sich doch manchmal...).

@adhara – zum Thema Klassiker & Frauen kommt ein mail (hat hier nix verloren da es hier um historische Romane im engeren Sinn geht).

Grüße
Fred

"Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche? Weil ich den Menschen spüre, den ich suche." – Erich Mühsam

Rixa AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 16:35 Uhr
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Ja und dann gab es wirklich tolle Frauen, ueber die in der Literatur kein Wort verloren wird. Frau Erxleben kam nicht ueber ein mehr fuer Kinder geschriebenes Buch in den 1930er Jahren hinaus, Kaiserin Theophanu und Kaiserin Adelheid werden wenn dann immer nur in mittelpraechtigen und kaum beachteten Romanen verewigt, Koenigin Mathilde hat gar nix abgekriegt...
(Man verzeihe mir die Auflistung grosser Damen im Quedlinburg-Bezug, da kenne ich mich nun mal am besten aus *zwinker*)
Die Thephanu-Enkelin Pfalzgraefin Richenza von Lothringen, spaetere Koenigin von Polen, war mein Ziel, bevor ich mich dafuer entschied, doch erstmal den Fachwerkbau zu beschreiben. Ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Entscheidung gegen Koenigin Rixa war eben die (unnatuerliche) Haeufung der Frauenfiguren in der Historien-Belletristik unserer Tage. Dann lieber ein "Maennerthema" *grins*.
Was fuer mich eben auch so schwer nachvollziehbar ist, ist die Tatsache, dass das immer "Frauen aus dem Volk" sind, die da so grosse Leistungen vollbringen. Wenn's sich wenigstens um Adelige handeln wuerde, dann koennte man das geschichtlich noch anerkennen. Aber im "Fussvolk" wurden die Frauen damals doch unter "ferner liefen" behandelt - dass das nicht fair war, ist schon klar, nur war es eben auch Tatsache, dass aus eben diesem Grund eine derartige Haeufung der Superweiber aus dem Volk klar gegen die Geschichtsschreibung spricht...

"Cela resamble bien un romang et en le racontemps, bien de jans ne vous croirong pas."

Frank AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 16:51 Uhr
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Nur mal als Einwurf. Aus meiner Verkaufserfahrung heraus, sind es halt überwiegend Frauen die historische Bücher kaufen. Und da spielt die Namensgebung der Bücher für die Verlage natürlich eine für sie entscheidende Rolle. Das interessante daran ist, daß ich auch -hauptsächlich- Titel wie "Hebamme","Wanderhure" etc verkauft habe. Also fahren die Verlage natürlich weiter auf ihrer "Erfolgsschiene". Daß es natürlich einen anderen Teil der eigentlich interessierten Leser und Leserinnen abschreckt, fällt erst dann entscheidend auf, wenn diese in der Mehrheit sind.
Soll alles nicht wertend sein, einfach meine persönliche Erfahrung.

Dude: Mir pinkeln die auf den bekackten Teppich ! Walter: Der Teppich hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht, hab ich recht ?

tassieteufel AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 18:41 Uhr
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Im Prinzip ist es mir egal, ob eine Hauptfigur männlich oder weiblich ist, wenn es gut geschrieben ist.
Das der Trend in Richtung weibliche Hauptfigur geht habe ich auch schon bemerkt, selbst in den Histo-Krimis, die ich hauptsächlich lese, hat fast jeder Ermittler ein „schnüffelndes“ weibliches Pedant gegenüberstehen.
Ich habe gerade „Wespensommer“ von H. Glaesener ausgelesen, bei amzon gibt es da einige Bewertungen, die dem Buch vorwerfen, nicht genug mittelalterliches Flair rüberzubringen. Mhm, das Buch spielt im 18. Jh, da sucht man mittelalterliches Flair ja eh vergeblich. Tippfehler oder eher kein Interesse sich mal mit der Zeit auseinander zu setzen, in der eine Geschichte spielt? Die Frage werde ich wohl nicht beantwortet kriegen, aber da es mehrere Bewertungen waren, gehe ich mal nicht von einem Tippfehler aus. Da kommt wieder mal die Frage nach dem „historisch korrekt“ auf, ich glaube die breite Masse (will da keinem auf die Füße treten) ist ehr auf gute Unterhaltung aus, als auf historische Korrektheit und wenn der Anspruch beim Leser nicht so hoch ist, wird er halt auch nur so bedient.

Diese Unmenge von klugen, selbstständigen Frauen vom Mittelalter aufwärts finde ich auch aus den von Rixa genannten Gründen unrealistisch, ist mal ganz nette Unterhaltung, aber mehr auch nicht.
Ein großer Teil der Leserschaft scheint so was aber zu mögen. Warum das so ist, keine Ahnung! Ich habe mir mal die Mühe gemacht, bei einigen der Goldhandelnden-salzsiedenden-Hebammen die Bewertungen bei amazon durchzustöbern und tatsächlich scheint eine recht große Leserschaft das zu mögen, auch in Masse.

@adhara,
meinst Du mit Klassikern Bücher von Dumas, Blazac, etc.? Ich nehme mal an, daß die Schriftsteller in ihren Romanen den damaligen Zeitgeist widerspiegeln, und damals erwartete man von einer Frau eben, nettes Beiwerk zu sein und den Schnabel zu halten. Das zeigt sich doch schon daran, das es bei den Klassikern fast nur männliche Autoren gab.

Denkt mal an die 50ger und 60ger Jahre und die Pseudo historischen Filme mit schluchzenden Jungfrauen, die sich kreischend an eine Ritterbrust stürzten, sowas würde heute der Flop des Jahres, kein Mensch würde sich das noch anschauen wollen, damals mochte man das aber und so wird es wohl auch mit den „Superfrauen“ aus dem Mittelalter sein, die breite Masse mag es und daher werden wir damit überflutet. Solange es sich gut verkauft, kommt es eben auf den Markt, schade aber da ist wohl auch der Leser gefragt.








Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

CharlieLyne AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 21:08 Uhr
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Bin jetzt grauslig in Eile, da auf Recherchereise, und habe ja auch schon im anderen Thread etwas dazu gesagt, aber ich finde das Thema extrem interessant, danke Rixa fuer die Einrichtung des Threads und moechte unbedingt noch einsteigen, wenn ich wieder zu Hause bin.

Mich interessiert vor allem:
Ist es wirklich so, dass Frauen Frauen als Identifikationsfiguren brauchen?
War das immer so?
Und: Wie muessen solche Identifikationsfiguren - so sie noetig sind - beschaffen sein.

Alles Liebe von Charlie

Codename "Max" 28. Januar 2012

Cysiay AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 22:03 Uhr
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298

Also ich mag Bücher wo fraun die hauptrolle spielen.. weil ich mich gerne und gut in die personen im buch hineinversetzen mag
tassieteufel AW: Historische Romane ueber Frauen oder Maenner? 11.01.2008, 22:51 Uhr
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4096

nö, ich brauch nicht unbedingt eine Frau um mich mit der Person zu identifizieren, die Person muß mir hauptsächlich sympathisch sein, in sich schlüssig und auch wenn ich bestimmte Handlungen selbst anders machen würde, müssen sie immerhin nachvollziehbar sein. Es gab auch schon ein paar Bücher, wo ich den Bösewicht mochte! *lacht laut*
Ehrlich gesagt finde ich schon den Begriff "Frauenroman" oder "Frauenkrimi" albern, bei den anderen Büchern steht ja auch nicht "Männerkrimi" oder "Männerroman" drauf.


lg tassie

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