Romane » AW: Im Disput: "Die Kathedrale des Meeres" (Seite 2)

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Geli AW: Im Disput: "Die Kathedrale des Meeres" 18.02.2008, 15:43 Uhr
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Darf man auch was sagen, wenn man ein Buch aufgegeben und verschenkt oder verkauft hat, also: warum man aufgegeben hat?

Schriftsteller verzeihen ihren Kollegen alles, nur nicht den Erfolg. (Marcel Reich Ranicki)

Larna AW: Im Disput: "Die Kathedrale des Meeres" 18.02.2008, 15:48 Uhr
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@Geli

Klar, darfst du auch. Ich denke, du kannst es vermutlich recht gut begründen, warum, also nur her mit deiner Meinung. *grinst*

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

Geli AW: Im Disput: "Die Kathedrale des Meeres" 21.02.2008, 12:23 Uhr
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Keine Ahnung ob das eine "gute Begründung" ist. Mir gings mit der "Kathedrale des Meeres" noch schlimmer wie mit "Säulen der Erde" beim zweiten Lesen (schrieb ich grade im Thread zu "World without end"/"Tore der Welt"). Der Autor hat eine Menge hard facts gesammel und dann mit sehr schlichten Figuren eine komplexe geschichte gebaut.
Aber es fängt schon falsch an, wenn Arnaus Vater (ich glaub die hatte ich vorher schon mal miteinander verwechselt ... :-[) bei der Reise nach Barcelona über "Freiheit" räsonniert, als wäre er ein Mensch von heute!!! *schaut traurig*
Und wie einfach der in die Stadt kommt. Ein Arztbesuch ist echt kein Argument, und ich bezweifle das der Mann den Torzins hätte mal ebenso zahlen können! Der hätte sich durch ein Pförtchen reinschmuggeln lassen müssen mit Hilfe seiner Schwester oder so was!!!!

Ganz aus wars, als Falcones mit den "jus primae noctis" daherkam! Über diesen mist kann ich mich echt aufregen! Da schreiben fleißige kluge Leute Bücher, die genauestens belegen, dass das eine bösartige Erfindung und reine Propaganda ist, aber jeder Autor ignoriert diese Bücher, weil es ja viele geiler ist, wenn "die Adligen" bösartige machtgierige geile Böcke sind. *schaut traurig*

Im Mittelalter gab es einen Hochzeitszins oder Brautzins, den ein Leibeigener bei der Hochzeit an den Lehnsherrn bezahlte. Das war so eine Art Gebühr, die meistens auch nicht unverhältnismäßig hoch war. Auf jeden Fall wurde sie in Geld oder Naturalien entrichtet und nicht damit, dass der Lehnsherr die Braut vögeln durfte!
Im Mittelalter war die eheliche Treue und die Reinheit der Frau sehr sehr wichtig, schon um die Erbfolge zu sichern. Außerdem hatten Adelsbankerte Anrechte auf Fürsorge ihres leiblichen Vaters (und welcher Mann bestreitet eine Vaterschaft, wenn Zeugungsgewalt so wichtig ist, dass sogar der Lehnsherr sie vor dem Bräutigem hätt ausüben dürfen???? Das wäre ja peinlich geworden! *grinst breit*).

In der Schweiz gibt es eine winzige Gemeinde, in der kurz vor der Reformation tatsächlich eine Hochzeitsregelung bestand, dass der Bräutigam dem Gemeindevorsteher erlauben müsse, mit der Braut zu schlafen -- oder ihm soundsoviel Münzen zu geben. Es ging ums Geld, sonst nix. Was hätt denn die mit eingeladene Gemahlin des Gemeindemenschen gesagt, wenn der Kerl jedes junge Gemüse antatscht. Oder glaubt ihr echt, das sei nur wieder so ein Beleg, wie schlecht es den Frauen früher mit den bösen bösen Mänmnern gegangen sei. *zwinkert*

Wären die einfachen Leute während des gesamten Mittelalter immer so ausgebeutet worden, wie Falcones erzählt (oder auch Follett &c) dann hätten die bösen Adligen bald keinen mehr gehabt, der den Acker bestellt. Natürlich ging es den Bauern verglichen mit heute gar nicht gut, aber auch die Adligen hatten weder Zentralheizung noch gefederte Autos! *schaut traurig*

Als die Reformation in Deutschland umging und gleichzeitig der Druck mit beweglichen Lettern aufkam, wurden zunächst mal nicht viele kluge Bücher gedruckt und allen zugänglich gemacht, sondern die Druckereien wurden von allerlei echten oder vorgeblichen Reformatoren für ihre Pamphlete missbraucht. Aus solchen Hetzschriften stammen die meisten unserer Vorurteile übers Mittelalter!!!! Dabei sollten diese Briefchen, die von der Kanzel verlesen wurden, vor allem den politischen Gegner zur Sau machen. Und womit kann man jemanden schlimmer fertig machen, als wenn man ihn sexuell diffamiert! Das war schon immer so.
Vor dem Buchdruck gab es handgeschriebene und gemalte Schmähbriefe, die sind auch nicht ohne! :))
ich sag ja nicht, dass die Adligen alle Unschuldslämmer waren, aber man kann das ganze mal damit vergleichen, dass man unsere Zeit später ausschließlich (!!!!) danach beurteilen könnte, was in Pornoheften, in der Kampfpresse und in Illustrierten wie "Sun" oder "Bild" steht oder was alles so im privat TV kommt.......

Alles in allem war ich ganz schnell so genervt, dass ich das Buch weggelegt habe. Zumal ich den Stil auch nicht berückend fand, aber bei dem Inhalt kan man das auch nicht erwarten. *schaut traurig*

Ich bin sehr, sehr enttäuscht, wie oft bei Romanen die Kompetenz eines Autors herausgestrichen wird, die im Buch dann absolut nicht zu finden ist. Wers liest, vertraut dem Autor ja, und ich schätze auch mir werdet ihr weniger glauben als dem "ausgewiesenen Experten für mittelalterliches Recht" Falcones. *schaut traurig*

Schriftsteller verzeihen ihren Kollegen alles, nur nicht den Erfolg. (Marcel Reich Ranicki)

Larna AW: Im Disput: "Die Kathedrale des Meeres" 21.02.2008, 12:46 Uhr
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Der Wikipediaartikel, den ich gerade gefunden habe, gibt dir Recht, Geli. *grinst*

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

» Jus primae noctis

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