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tassieteufel Sex in Büchern.... 23.06.2011, 09:42 Uhr
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Angeregt durch einen anderen Thread habe ich mir mal die Frage gestellt, was ist das eigentlich für eine Sache mit dem Sex in Büchern?
Oft liest man ein Buch, das einen richtig begeistert, dann kommt eine oder mehrere Sexszenen und man denkt „och nöö, wie platt, kitsichig, klischeehaft oder einfach nur doof ist das denn jetzt?“
Wieso ist das soooooo schwer, „gut“ über Sex zu schreiben, bzw. ihn zu beschreiben? Bei allen anderen Belangen des Lebens geht es doch auch! Alle möglichen Emotionen, Liebe, Hass, Schmerz, Leid etc. können von AutorInnen teilweise so toll beschrieben werden, das man als Leser mitfiebert, lacht, weint, sich gruselt oder vor Spannung an den Seiten klebt. Mal abgesehen vom eigenen Geschmack und Befindlichkeiten, wieso funktioniert das beim Sex eben nicht? Was ist an der Sache, die „ fast jeder macht“ so kompliziert, das man sie nur schwer gut beschreiben kann?
Oder ist es vielleicht auch ein klitzkleines bissel so wie mit der Bildzeitung – keiner gibt’s zu und jeder liest sie gern? *rollt mit den Augen* Oder spricht man letztendlich nur nicht gern drüber, weil Sex eben immer noch ein Thema ist, über das man nicht sooo offen redet?
Wie ist das für Euch? Lieber gar keine solchen Szenen in den Büchern als platt beschriebene, stört es Euch gar nicht oder lest Ihr drüber hinweg?
Liebe Grüße tassie

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

Stefanie80 AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 10:23 Uhr
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Für mich gehört Sex genauso zum Leben, wie alles andere, das du ja schon geschrieben hast. Ich mag es nur nicht, wenn ich das Gefühl habe, die Sexszenen wurden nur geschrieben, weil es vielleicht vom Verlag, Leser gewünscht wird, der Geschichte aber nicht wirklich dienlich ist.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass es Leserinnen gibt, die Sexszenen generell ablehnen, mögen sie auch noch so gut geschrieben sein. Und vor allem für die Geschichte wirklich wichtig sein.
Ein Beispiel ist für mich "Der Pfaffenkönig" von Iris Kammerer. Da gab es in einer Leserunde,eine Riesen-Aufregung wegen einer ausführlichen Sexszene von Heinrich Raspe mit einer Prostituierten. Für mich war diese Szene ganz wichtig für die Geschichte. Ich wollte jetzt eigentlich schreiben, warum ich diese Szene für großartig gehalten habe, doch damit würde ich womöglich spoilern. Jedenfalls fand ein Teil der Leserundenteilnehmer, die Szene so schlimm, grauslig und was weiß ich noch alles, dass eine riesige Diskussion entstand.
Ich will damit eigentlich nur sagen, ein gewisser Teil der Leserschaft will einfach keinen Sex in Büchern, egal ob gut geschrieben und wichtig für die Geschichte. Das muss ich natürlich respektieren. Nachvollziehen kann ich es nicht.
tassieteufel AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 10:48 Uhr
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@Stefanie,

ja das stimmt, bei manchen Büchern hat man das Gefühl, das Sexszenen nur als Füllmaterial eingefügt wurden ohne das es der HAndlung dienlich ist.
Es wäre mal interessant zu wissen, ob AutorInnen tatsächlich vom Verlag aufgefordert wurden, solche Szenen in ihre Bücher einzufügen.

Sicher ist das Empfinden des Einzelnen natürlich immer eine realative Sache und da gibt es doch eine große Spannweite, was einer noch schön findet, stößt den anderen schon ab. Im Thread "Unanständige Bücher" schrieb eine Userin zu einem Buch von Ken Follett, das sie es voller Scham und Ekel gelesen hätte. Gut ich kenne das Buch nicht, kann mir da also kein Urteil erlauben, aber eigentlich ist es mir noch nie passiert, das ich mich bei Sexszenen geschämt hätte. In einem Thriller fand ich die dort beschriebenen Praktiken so absonderlich, das ich das zuerst nicht für bare Münze genommen hab. Erst nach Recherche im Internet fand ich heraus, das es sowas tatsächlich gibt und fand das auch ein wenig eklig, aber gut, ich hab das eher unter dem Aspekt gesehen, was sehr skuriles gelesen zu haben.
Was ich eigentlich schlimmer finde als ausgewalzte Sexszenen, sind die immer ausführlicher beschriebenen Vergewaltigungen in historischen Romanen. Natürlich sind die tausendfach passiert und bei der Beschreibung historischer Schlachten etc. gehören sie wohl auch dazu, aber reicht es nicht, sowas anzudeuten, muß solche Gewalt immer detailierter beschrieben werden? Solche breit beschriebenen Szenen stoßen mich persönlich ab, da lese ich lieber noch eine platte Sexszene als sowas.

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

adhara AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:06 Uhr
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Ich kann damit leben, dass Sexszenen in Büchern vorkommen - wenn sie denn für die Geschichte wirklich eine Bedeutung haben. Allerdings - wie Tassie schon geschrieben hat - ist das ja eher selten der Fall. In der Regel finde ich die Sexszenen eine abgeschmackte Verlängerung des Buches, die mich weder mit einem prickelnden Gefühl erfüllt, noch Spannung erzeugt oder gar neue Erkenntnisse bringt.

Sex gehört zum Leben: Unbestritten. Aber genauso wenig, wie es mich interessiert, wie sich meine Nachbarn vergnügen (ja selbst bei meinen Freunden will ich das in der Regel nicht im Detail wissen), genauso unnötig finde ich es, dabei zu sein, wenn sich die Protagonisten eines Buches näher kommen. Es reicht ja, mit ein paar kurzen Sequenzen einzusteigen und der Rest der Phantasie des Lesers zu überlassen. Denn hier sehe ich den grössten Knackpunkt: Was für den einen ungeheuer erotischen Reiz hat, ist für den anderen nichts als eine langweilige oder - in manchen Fällen - abstossende Sache. Und so wird es kaum Sex-Szenen geben, die eine Mehrheit der Leserschaft zu erreichen mag.

Kurz und gut: Wenn die Szene für das Buch nicht ausschlaggebend ist (weil etwa durch die Praktiken ein ganz anderer Mensch zutage tritt, weil es die Gefühlslage eines Protagonisten enorm verändert und z.B. Ernüchterung eintritt, wo vorher Leidenschaft war...) dann haben Sex-Szenen keine andere Bedeutung als Füllstoff. Und ich will Inhalt, nicht Füllstoff!
olympia AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:07 Uhr
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Also was Ken Folletts Sexszenen in "Die Tore der Welt" angeht, das ist auch für mich alles andere als "einfach nur Sex". Es ist - und das hat jetzt nicht wirklich etwas mit der Beschreibunge des Sex zu tun - einfach ekelhaft was das Gedankengut einer Frau bei einer Vergewaltigung angeht. Also das ist für mich wirklich das Allerletzte! Sicher, man kann jetzt sagen, nun ja, das gibt´s bestimmt wirklich, dass eine Frau bei einer Vergewaltigung "von ihrem Körper verraten" wird und sie Lust empfindet, aber das bitte, sind extrem heikle psychologische Dinge die absolut nichts in einem Roman verloren haben. Ich bin keine Emanze und auch nicht prüde, aber was Follett sich da geleistet hat, ist schon ziemlich dreist und unterste Schiene.

Wenn eine Sexszene (wie ich auch schon mal in dem Thread "unanständige Bücher" erwähnte) zur Geschichte passt, wie eben eine Szene in Charlies "Zwölfter Nacht" so ist das absolut ok.

und die Frage von dir, Tassie

Wieso ist das soooooo schwer, „gut“ über Sex zu schreiben, bzw. ihn zu beschreiben? Bei allen anderen Belangen des Lebens geht es doch auch!



würde ich mit einer Gegenfrage beantworten: Warum ist es denn überhaupt notwendig, Sexszenen bis ins kleineste Detail zu beschreiben?? Ich will jetzt keine Namen nenn, aber bei manchen Autoren findest du alle paar Seiten ausführlichst beschrieben, wie es die Protagonisten (ich sag das jetzt mal wirklich ordinär) "treiben". Was bedeutet das für die Geschichte??? Kann man nur auf billige Art Gefühle darstellen? Gibt es nicht viel feinere und subtilere Weisen dies zu verdeutlichen?
Nochmal, ich hab nichts gegen Sex, aber wenn ich wirklich über Sex lesen will, dann besorg ich mir einschlägige Literatur.
Zurzeit rezensiere ich ein Buch, dessen erster Teil wirklich ausgesprochen gut war und der Sex (ich glaube vielleicht ein oder zwei Sezenen) sehr passend in die Geschichte eingegliedert war. Und jetzt der zweite Band???? Also da hat´s mir die Haare aufgestellt ob der billigen Art und Weise und extrem enttäuschte mich das massive niveauliche Abrutschen des Autors.
Aber anscheinend verkauft sich Sex besser als die etwas feiner und zurückhaltender geschriebenen Bücher...


Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder meint, dass er genug davon hat. R. Descartes

arno AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:17 Uhr
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Ich frage mich, warum hat "Die Wanderhure" solch einen Erfolg, wenn alle was gegen Sex im Büchern haben?
Ich finde das ist fast wie in Ami Land, wo eine freie Brustwarze etwas unmögliches ist und alle daheim sonstwas sehen. Für mich lieber Sex in Büchern und Filmen als Krieg und andere Schächtereien. Arno *schaut cool*

Gäbe küssen Flecken, wären alle Mädchen Schecken ;-)

adhara AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:32 Uhr
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@Arno
Ich fand die Wanderhure ein sehr stimmiges Buch - und dabei spielen die Sex-Szenen tatsächlich eine untergeordnete Rolle, auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt. Mir hat dieses Buch gefallen, weil dargestellt wurde, dass einer geächteten Frau nicht viele Wege offen standen, wenn sie über die Runden kommen wollte. Und es zeigt die Bigotterie der Gesellschaft.

Persönlich kann ich Schlachtszenen in Büchern absolut nicht ausstehenen. Aber ich weiss, dass es Leute gibt, die ihnen einen ganz anderen Wert geben. Für mich heisst es aber: "Finger weg", wenn ich lese, dass in diesem Buch von gewaltigen Schlachten die Rede ist. Leider wird kaum jemals angekündigt, dass viele Sexszenen zu erwarten sind. Denn auch da hiesse es für mich: "Finger weg"
tassieteufel AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:44 Uhr
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@olympia,

ich meinte damit nicht, das es notwendig ist Sexszenen bis ins kleinste Detail zu beschreiben, sowas ist ja gar nicht nötig, aber selbst dezent angedeutete Szenen rutschen oft ins platte ab .
Mich hätte mal von Autorenseite interessiert, was es so schwierig macht Sex gut zu beschreiben, weil ich mir das extrem schwierig vorstelle!
Das eigene Empfinden ist nat. immer eine ganz andere Sache, was der eine spannend findet, erzeugt beim nächsten gähnende Langeweile und so ist es wohl auch mit den Sexszenen.

Vermutlich ist es aber so, das man bei Sex doch eine Art Hemmschwelle hat.
Wenn einem schöne, traurige, lustige oder schlimme Sachen passieren, erzählt man die Freunden oder Bekannten, aber ich käme nie auf die Idee, frühs auf Arbeit zu verkünden, was ich letzte Nacht für tollen Sex hatte *pfeift*

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

tassieteufel AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 11:59 Uhr
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@arno,

das hast falsch verstanden, es hat doch keiner was gegen Sex in Büchern, die Frage war vielmehr, warum es so schwer ist darüber "gut" zu schreiben.
Bei vielen Büchern hat man eben das Gefühl, das die Story mit Sex "aufgepeppt" wird, ohne das es eigentlich zur Handlung paßt.

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

Eremita AW: Sex in Büchern.... 23.06.2011, 12:16 Uhr
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140

Sex gehört gehört nun einmal zum Leben dazu, aber ich finde man so oder so darüber schreiben. Man kann derb und gar anstößig formulieren und eine solche Szene bis zum geht nicht mehr auswalzen oder Sexualität so beschreiben, das man es gut lesen kann und mag. Die Schwierigkeit ist wohl, die eine Leser schon ekelhaft findet, was für den anderen noch okay ist. Siehe z. B. die Diskussion um Iny Lorentz.

"Wenn Gott den Menschen misst, legt er das Maßband nicht um die Taille, sonderm um das Herz." Sr. Gaudentia Bröcker, Ordensschwester/Clemensschwester

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