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Jana68*spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"21.05.2014, 23:53 Uhr
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Einleitungen und 1. Teil
Die Hinführung zur eigentlichen Romangeschichte ist verhältnismäßig lang. Zunächst sitzt jemand in der Gegenwart (vermutlich die Autorin?) in einem kleinen Kaffee und erhält per Handy eine Passage aus dem Flüsterlied.
Das Flüsterlied scheint nicht nur den Roman einzurahmen, Strophen davon begegnen uns auch später in den Kapiteln an geeigneter Stelle.
Dann reisen wir ins Meran 1914 und begegnen IHM. Wer ER ist erfahren wir (noch?) nicht, nur dass ihm die Scheinheiligkeit der Welt zuwider ist. Er paßt sich an und nimmt sich nur hin und wieder eine kleine Auszeit, um sicher zu gehen, dass er noch ER ist. ER glaubt, Meran ist die Stadt seines Erfolges. was er tut, hat mit Öffentlichkeit und Publikum zu tun, genaueres erfahren wir nicht. ER trägt ein Amulett als Talisman.
Dann begegnet er einem Alten, der ihn in ein altes, verfallenes Haus führt. Die Stimmung wirkt jetzt dunkel, bedrohlich, beinah warnend. Kennen sie sich? ER fühlt sich mit dem Haus irgendwie verbunden, obwohl es ihm Angst einjagt. Aber der Alte hat recht, auch ER kann vor seiner Vergangenheit nicht fliehen. Die Spannung steigt und dann beginnt der Alte zu erzählen.

Wir springen in die Zeit des ausgehenden 15. Jh. und lernen die Zwillinge Mira und Karl kennen, als sie zum letzten Mal glücklich zusammen sind. Sie sind sehr unterschiedlich in Statur und Charakter, aber sie lieben einander wie nur Zwillinge das können.
Dann, nochmal 19 Jahre früher, lernen wir Walli kennen.
Der Schreibstil wird jetzt flüssiger und bildhafter, die Geschichte beginnt zu fesseln.
Walli ist eine sehr kluge, naturverbundene Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist. Sie glaubt an Gott, nicht an die Kirche, ist eine Außenseiterin, die sich auf das Heilen mittels Kräuter und Natur versteht. Sie lebt im Wald, fernab der "Zivilisation". Die Menschen mögen sie nicht, bedienen sich ihrer aber. Gleichzeitig halten sie Walli für eine Hexe.
Ich finde es toll, wie ohne Klischees das klassische Bild einer Natur- und Kräuterkundigen Frau gezeichnet wird, die vielen unheimlich ist und die von kaum einem verstanden wird.
Walli ist sonderbar und eigenwillig, aber dennoch sympathisch durch ihre Geradlinigkeit. Ihre Hilfe ist selbstlos. So hat sie auch die in sich gekehrte Ursula bei sich aufgenommen, als diese schwanger vor Wallis Höhle steht. Sie erwartet Zwillinge - Mira und Karl. Beide wachsen bei Walli auf, unbeschwert, fröhlich und naturverbunden. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr kennen sie nur den Wald und die Höhlenhütte. Sie sind unzertrennlich. Ursula ist ihnen keine Mutter, aber sie gehört dazu. Walli schlüpft stattdessen in deren Rolle.
Ich mag Walli schon jetzt. Sie trägt ein Amulett von ihrem Vater. Ob es das gleiche ist, dass ER im 20. Jahrhundert trägt?

Die energische und wissbegierige Mira reift schneller als Karl und tut, was ihr verboten ist. Sie schleicht Walli regelmäßig nach und entdeckt deren Riten und Tänze. Eines Tages wird sie dabei von Walli ertappt. Mira bittet darum, von Walli lernen zu dürfen. Walli weiß um die Gefahren, die solches Wissen in jener Zeit mit sich bringt und zögert. Sie will "ihre" Kinder vor Unheil bewahren. Dann aber ist sie doch bereit dazu und Mira saugt das Wissen in sich auf.
Karl ist nun der eifersüchtige Bruder, dem die Schwester fehlt, weil sie keine Zeit mehr für ihn hat. Erwachsen werden ist nicht leicht. Er beginnt zaghaft, sich in Kampftechnik zu üben.

Dann passiert es. Gerade hat Mira ganz alleine die Tochter des Henkers von Meran gesund gepflegt, als Walli mit der Nachricht heim kommt: Sie kommen um mich zu holen. Die Hexen tragen mal wieder die Schuld an Seuche, Missernte und Auseinandersetzungen. Mira begreift die Gefahr und reagiert sehr erwachsen, um alle anderen zu schützen. Sie übernimmt das Amulett. Walli wird mit Ursula in den Kerker nach Meran gebracht und die Kinder müssen ihr Heim verlassen.

Was wird nun geschehen?
Ich war mir mir beim Lesen der Hinführungen noch nicht sicher, aber der 1. Teil hat mir doch sehr gut gefallen. Ich freue mich aufs Weiterlesen.
Danke,
Jana

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

PatriziaTrafoierAW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"22.05.2014, 10:32 Uhr
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Liebe Jana,
vielen Dank für deinen ersten Kommentar und deine umfassende Umschreibung.
Du meintest, du warst dir beim Lesen der Hinführungen nicht sicher, doch hast du sie vollkommen erfasst.
In der Tat handelt es sich bei der Person im Kaffee um mich selbst; Ich bin der Bargast, der, wie üblich gehetzt und vom bevorstehenden Alltag völlig verplant, plötzlich an mich halte und das Flüsterlied zu lesen beginne, welches mir den Eintritt in die Vergangenheit gewährt. Es ist das Flüsterlied, dessen Strophen im gesamten Roman immer wieder auftauchen und zarte Parallelen, Verbindungen und Denkanstöße schaffen, über die Jahrhunderte hinweg. Und plötzlich wird bewusst, wie nah diese Personen, deren Sein, deren Denken von damals doch ist.
Eine eben solche Parallele finden wir bei IHM: Während ER durch die Erzählung des Alten in die Vergangenheit eintaucht, in der Hoffnung, die Verbindung zu sich selbst zu erkennen, wirft die Strophe des Flüsterliedes die Frage auf, in welcher Zeit wir uns tatsächlich befinden:
in der Zeit von heute oder in der Zeit von IHM, also im Jahr 1914.
An dieser Stelle zitiere ich nochmal bezügliche Strophe:
„…
Der noblen Städte Schein
verbirgt das wahre Sein
in uns’rer Zeit
der kleinen Welt,
geprägt von Technik, Schönheit, Geld.
…“ (S.16 aus dem Roman „Zerrissenes Zwillingsherz“ – Athesia Verlag)
„Die kleine Welt“ kann ohne Weiteres für das 21 Jhr. stehen und deren Globalisierung.
Dieser Denkanstoß wird von der darauf folgenden Zeile noch untermauert:
„geprägt von Technik, Schönheit, Geld.“
Aber kehren wir zu IHM zurück. Zu seinen Gedanken, welche ihn vereinnahmen, so seine Position in der Öffentlichkeit, die Scheinheiligkeit, von welcher du gesprochen hast, die Tatsache, dass ER sich „nur“ anpasst, versucht, im Strom mit zu schwimmen, den Anforderungen gerecht zu werden, zu funktionieren: Es sind dies SEINE Gefühle, die gleichsam hinterfragen lassen, inwieweit sich Denken, Wunsch und Ziele des Individuums von Damals vom Individuum von heute (oder von mir als Bargast, wenn du so willst) unterscheiden.
Zugegebenermaßen fordere ich den Leser am Anfang des Romans in vielleicht ungewohnter Weise, zumal die Handlung zu Beginn innerhalb weniger Seiten in drei verschiedenen Zeitepochen ansetzt.
In Folge bleibe ich jedoch in der Zeit der Haupthandlung (15./16.Jhr)
Ich wünsche dir ein unterhaltsames Weiterlesen und freue mich schon auf unseren nächsten Austausch.
Liebe Grüße

Patrizia Trafoier

Weg zum Buch

Jana68AW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"22.05.2014, 19:58 Uhr
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Aber kehren wir zu IHM zurück. Zu seinen Gedanken, welche ihn vereinnahmen, so seine Position in der Öffentlichkeit, die Scheinheiligkeit, von welcher du gesprochen hast, die Tatsache, dass ER sich „nur“ anpasst, versucht, im Strom mit zu schwimmen, den Anforderungen gerecht zu werden, zu funktionieren: Es sind dies SEINE Gefühle, die gleichsam hinterfragen lassen, inwieweit sich Denken, Wunsch und Ziele des Individuums von Damals vom Individuum von heute (oder von mir als Bargast, wenn du so willst) unterscheiden.


Es erscheint häufig als der Weg des geringsten Widerstandes, einfach mit zu schwimmen, sich anzupassen und häufig ist das der vermeintliche einzige Weg, Zugang zu bestimmten Dingen oder Gesellschaften zu bekommen. Frei nach dem Motto "ich bin dabei, ich habe es geschafft".
Aber auch Mitschwimmen verlangt viel Kraft und wie viel Selbsverwirklichung steckt da letztlich drin? Gibt man sich dabei nicht streckenweise selber auf? Damals wie heute? Blickt man am Ende seiner Tage zurück und stellt erschrocken fest, dass man für sich selbst gar nicht gelebt hat?
Dennoch mir scheint heute, da wir in einer Welt leben, in der beinah alles möglich ist und in der der normalsterbliche Einzelne in der Masse zumeist untergeht oder ungehört bleibt, hat man eher die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, denn es hängt nicht mehr unmittelbar das Überleben davon ab, ob man mitschwimmt oder seinen eigenen Weg geht, denn jeder kann selbst bestimmen, was Selbstverwirklichung für ihn bedeutet.
So, und jetzt lese ich weiter... *grinst*

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

Jana68AW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"22.05.2014, 22:13 Uhr
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2. Teil
War der 1. Teil vor allem Mira gewidmet, so gehört dieser Teil eindeutig Karl.
In Meran nimmt sich der Henker der Zwillinge an. Er ist der Vetter von Walli und hat diese nie aufgehört zu lieben und zu achten. Walli und Ursula sind zum Scheiterhaufen verurteilt.
Zum ersten Mal kommt es zwischen Mira und Karl zu einem Streit. Karl kann nicht verstehen, dass niemand versucht, Die beiden zu befreien. Er fühlt sich betrogen. In seiner jugendlichen Naivität empfindet er das Angebot eines Landsknechtes, als ebensolcher zu dienen wie einen Befreiungsschlag - endlich selbständig, endlich zu was nütze sein. Erst als er in den Krieg ziehen muss, erkennt er, dass Mira recht hatte: Er ist nicht zum Kämpfen geboren. Angst übermannt ihn und es ist wohl sein absoluter Wille, mit Mira wieder zusammen zu sein, der ihn in der Calvenschlacht überleben läßt. Weg, nur weg von diesem grausigen Ort.
Er findet Unterschlupf bei Magdalena. Als ihr Hof von den Bündnern überfallen wird, rettet er ihr und ihren Kinden das Leben. Ihre Flucht bringt sie zu einem leeren Bauernhof. Dort leben sie eine Zeit lang wie eine Familie und lernen sich lieben. Der Teil endet, als die kleine Familie vor den Toren Meran's stehen.

Karl ist nun endgültig zum Mann geworden. Ich denke, er hat begriffen, das es im Leben nicht nur schwarz und weiß gibt, das man kämpfen muss, wenn man überleben will und das es die Liebe ist, die das Leben lebenswert macht. Das einzige was er ehrlichen Herzens vermißt, ist Mira.

Auch dieser Teil hat mir sehr gefallen. Er hat sich sehr zügig lesen lassen, wir halten uns nicht lange beim Schlachtgetümmel oder bei strategischen Überlegungen auf. Das ist auch für die Handlung nicht wichtig. Es geht um Karls steinige Entwicklung vom Burschen zum Mann, der Verantwortung übernimmt und die die er liebt beschützt.
Ich bin gespannt auf das Wiedersehen mit Mira. Sie war ihm im 1. Teil in ihrer Reife deutlich überlegen. Jetzt hat sich das ausgeglichen.

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

PatriziaTrafoierAW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"23.05.2014, 08:28 Uhr
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Liebe Jana,

es freut mich, dass es mir, deiner Aussage zufolge, gelungen ist, das Schlachtgetümmel und die dazu gehörigen politischen Erklärungen nicht übertrieben auszuweiten. In der Tat wollte ich von der eigentlichen Handlung nicht ablenken, aber doch das Grauen und die Entwicklungen dieses Krieges geschildert wissen. Denn gerade das Zurückführen in die geschichtlichen Geschehnisse anhand eines Romans war mir Ansporn, solchen überhaupt zu schreiben.
Ich wünsche dir ein unterhaltsames Weiterlesen

Weg zum Buch

Jana68AW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"24.05.2014, 15:07 Uhr
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Der 3. Teil wird ebenso zügig erzählt, er gehört wieder ganz Mira und beschreibt ihre ereignisreiche Zeit in Bozen. Dorthin geht sie mit dem Bruder der Frau des Henkers. Er heißt Peter und ist Händler für Schreibwaren. Mira darf ihn für einige Zeit nach Bozen begleiten und ihm dort auf dem Markt helfen.
Ihre unerschrockene Neugier bringt sie in eine gefährliche Situation, denn sie wird Zeugin des Mordes an dem reichen Kaufmann Vecchetti, der wohl mit Schmuggelwaren gehandelt hat.
Der junge Maler Simon rettet Mira, als sie auf der Flucht ist.
Simon sieht in ihr Parallelen zur Hl. Dorothea, von der er ein Bild malen soll. Mira ist mit ihrem "Stolz, ihrer Stärke, Anmut und Schönheit" seine Muse und steht für ihn Modell. Dabei kommen sich die beiden näher, Mira entdeckt ganz zaghaft die Liebe.
Als Mira den Zwillingsbruder des Ermordeten sieht, schleicht sie sich erneut in das Kaufmannshaus und belauscht ein Gespräch, in dem ein Diener versucht, die Schuld am Mord einer ungeliebten Magd in die Schuhe zu schieben. Das berührt Mira's ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Das Unrecht, das Walli und Ursula widerfahren ist, will sie kein 2. Mal zu lassen. Wenn man bedenkt, dass Mira eigentlich ihr ganzes Leben im Wald verbracht hatte und vom städtischen Leben und den damit verbundenen Gefahren noch gar keine Ahnung hat, ist der Mut, sich erneut an den Ort des Verbrechens zu begeben nicht zu erwarten gewesen. Ich hab das zunächst als leichtsinnig empfunden und hatte eher mit Flucht und Verstecken gerechnet. Aber das macht Mira wohl gerade aus - mutig, unerschrocken und stark ist sie.

Simons Erzählungen von seiner Zeit in Südfrankreich und Italien wecken in Mira die Lust, diese Welt auch kennen zu lernen.
Sein Plädoyer auf das Leben gefällt mir sehr, sehr gut und ist äußerst fortschrittlich für diese Zeit. Mira nennt es "gefährlichen neuen Zeitgeist". Ich glaube, dass sie seine Auffassung teilt, doch das Geschehen um Walli und Ursula mahnt sie zur Vorsicht.
Wie Simon die Welt sieht und den Glauben lebt ist sehr ähnlich dem, wie Walli das Leben und ihren Glauben verinnerlicht hatte.

Mira ist als Zeugin des Mordes nicht unentdeckt geblieben, sie wird bereits gesucht und beschließt, in die Offensive zu gehen. Wieder geht sie in das Kaufmannshaus und berichtet dem Bruder des Ermordeten, was sie gesehen hat. Überraschend ist, dass der Bruder ihr nicht nur sofort glaubt, sondern ihr auch Respekt zollt. Ich denke es ist Mira's überzeugende Ausstrahlung. Sie erscheint unverdorben und engagiert sich für eine ihr Unbekannte, ohne Vorteil für sich selbst, aus purer Überzeugung. Das nenne ich Zivilcourage!
Manchmal empfinde ich allerdings Mira's Art zu denken und sich auszudrücken, als zu gebildet. Da ist keine Spur von Naivität, obwohl sie doch kaum mehr als den Wald und die Heilmethoden kennt. Aber das sieht sicher jeder anders und die Geschichte leidet nicht darunter.
Am Ende erbittet sie sich einen Geleitbrief von Vencchetti, denn sie hat beschlossen nach Venedig zu reisen. So begibt sie sich mit einem Handelszug auf ihre Reise.

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

Jana68AW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"24.05.2014, 18:33 Uhr
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Im 4. Teil reisen wir mit Mira und Simon nach Venedig. Von der Reise selbst wird nichts berichtet, von Venedig dafür um so mehr und in den schillerndsten Farben. Ich kenne Venedig nur von Postkarten, die Beschreibung der Stadt im Roman gibt mir ein klares Bild dieser einzigartigen Handelsmetropole, deren Kern sich wahrscheinlich seither kaum verändert hat.
Auch Mira ist begeistert und fasziniert. Es ist ein Ort der Freiheit und der Lebensfreude für sie. Tatsächlich wirkt die bunte, weltoffen und freie Stadt wie ein Befreiungsschlag auf Mira. Ich mußte dabei an ein Zitat von Goethe denken "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".
Auch Mira's Begegnungen mit den Künstlern der Stadt eröffnen ihr eine neue Welt. Sie trifft Dürer und hört von Da Vinci und Michelangelo, aber auch vom berüchtigten Inquisitor Savonarola, der den Freigeist, dem die Künstler ein Bild geben, erbittert bekämpft.
Einziger Wermutstropfen ist der Sklavenhandel, den sie beobachtet. Dabei fällt ihr besonders eine schwarze Sklavin auf, die sich ihrem Schicksal nicht so einfach ergeben will. Der Ausdruck ihrer Augen und der Stolz, der darin zu lesen ist, erinnert Mira an Walli, als diese auf dem Scheiterhaufen stand.
Aber auch Heimweh tritt bei Mira zu Tage und zum ersten Mal seit langer Zeit kommt Karl ihr deutlich in den Sinn.
Zwischen Mira und Simon entwickelt sich eine Liebesbeziehung, Mira hat ebenso lange darauf gewartet, wie sie ihr auch aus dem Weg gegangen ist.
Sie begegnet der Sklavin, die inzwischen ihren Herren in Selbstverteidigung ermordet hat und gesucht wird. Kurzentschlossen nimmt sich Mira ihrer an.
Simon ist auf der Suche nach einem Kunstlehrer und will nach Florenz weiter ziehen. Wieder selbstlos verwendet Mira ihr Geleitschreiben von Vencchetti und erwirkt bei dessen Geschäftspartner, dass Simon in Florenz eine Künstlerschule besuchen kann. Eigentlich will sie ihn begleiten, dann aber erfährt sie von dem grausamen Krieg in der Heimat und ihre Sorge um Karl treibt sie zurück nach Hause. Das Amulett von Walli gibt sie als Glücksbringer an Simon weiter.
Die Sklavin, die sie Rea nennt, versteckt sie in einer großen Stofftruhe und begibt sich mit dem heimkehrenden Handelszug zurück nach Bozen.
Ob Simon und Mira sich Wiedersehen?

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PatriziaTrafoierAW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"25.05.2014, 10:24 Uhr
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Liebe Jana,
du beschreibst das Geschehen so detailliert, dass mir eigentlich nichts bleibt, was ich hinzufügen könnte.
Wie du wunderbar in eigenen Worten wiedergegeben hast, wird Mira dank Simon mit den Gedanken des in Italien aufkommenden Humanismus vertraut gemacht.
Während dem Schreiben des Romans war es eben dieser Zusammenprall zweier völlig verschiedener Gedankenwelten, der mich Wiederzugeben fasziniert hat. Denn, bis zu diesem Zeitpunkt, glaubte sich Mira mit dem Denken, wie Walli es sie gelehrt hatte, alleine. Schließlich kannte sie neben ihrem eigenen "freigeistigen" Denken nur die bäuerlichen Denkweisen der damaligen Zeit. Dabei muss diese "gedankliche Kluft" gerade in den Alpen enorm gewesen sein; Dort, wo die Menschen, eingepfercht in ihrem kleinen dörflichen Alltag, ein mühsames, biederes und abergläubisches Leben fristeten und nur selten in Kontakt mit weit gereisten Händlern kamen, muss dieser Hauch neuen Denkens, den die Händler sicherlich mit sich brachten und in den Handelsstädten vor Ort verströmten, bedrohend, fremd und unheilvoll gewirkt haben.

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Jana68AW: *spoil* P. Trafoier "Zerissenes Zwillingsherz"25.05.2014, 17:12 Uhr
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Unglaublich - Karl und Mira verpassen sich!
Als Karl endlich in Meran ankommt erfährt er von Mira's Weggang nach Venedig. Für ihn ist das Verrat, er glaubt, sie hat ihn verlassen. Das zerreißt ihm schier das Herz. Schließlich verläßt auch er Meran in Richtung Süden und läßt Magdalena bei der Familie des Henkers.
Kurze Zeit später trifft Mira mit Rea in Meran ein. Es tut ihr gut, zu hören, dass Karl am Leben ist. Mira ist schwanger und bleibt bei der Henkerfamilie. Sie bringt Rea an den Ort ihrer eigenen Kindheit, da sollte Rea sicher sein vor Anfeindungen und Mistrauen.
An Simon schreibt sie, dass Karl bald in Venedig sein wird und bittet ihn, ihm auszurichten, wo sie ist. Warum sagt sie ihm nicht, dass sie schwanger ist? Traut sie ihm nicht?
Mira bringt ein Mädchen zur Welt, die sie Waltraud nennt im Gedenken an Walli. Es beginnen schöne und friedliche Jahre, aber die Briefe von Simon werden seltener und Karl kehrt auch nicht zurück. Ich frage mich wo er ist. Sein Leben scheint ziemlich ereignislos zu verlaufen, denn von ihm lesen wir nichts.
Dann steht nach Jahren plötzlich Simon vor Mira, um sie nach Insbruck zu holen wo er endlich Arbeit hat. Offengestanden reagiert er ziemlich eigenartig auf die Tatsache, dass er eine Tochter hat. Aber dann akzeptiert er es. Es gelingt ihm, Mira zu überreden, mit ihm zu kommen. Sie nimmt wieder das Amulett an sich.
Nur Rea reagiert eigenartig. Eine Vision zeigt ihr, dass Lena in Gefahr geraten wird, wenn sie mit Simon geht. Bei dem Versuch sie aufzuhalten, läuft Rea in die Arme von aggressiven Weggelagerern, die sie grausam ermorden. Sie kann Mira nicht mehr warnen.

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Eine Vision zeigt ihr, dass Lena in Gefahr geraten wird

...Mira natürlich...

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