Autorinnen und Autoren » AW: Iny Lorentz (Seite 17)
| Tigo | AW: Iny Lorentz | 08.09.2010, 22:05 Uhr |
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Hah, Ulf, wir haben den gleichen Bericht gesehen! @ adhara, auch auf die Gefahr hin, mich jetzt in Impertinenz zu outen: Ich finde die Szenen an sich nicht verwerflich, offensichtlich gehören sie leider dazu. Aber so ausgiebig und detailliert ist es mir (!) noch in keinem anderen Buch aufgefallen. Ich bin eigentlich hart im Nehmen beim Lesen, mich wirklich zu dem Gefühl des völligen Widerwillens zu bringen, inklusive des irrationalen Wunsches, mir die Hände zu waschen, schaffen echt nur sehr sehr wenige. Und das ist nun ausnahmsweise mal nicht wirklich als Kompliment gemeint. Ohne dass ich da jetzt einen Zusammenhang herstellen will: Robert Merle hätte "Der Tod ist mein Beruf" nicht als kindergerechtes Buch verfassen können, weil die Perversität und die Grausamkeit zu seiner "Figur" nun einmal leider dazu gehört, sie macht die traurige Geschichte aus. Ich habe an einigen Stellen wirklich gedacht, ich müsse mich gleich übergeben. Bei dem Buch wusste ich aber im Vorfeld, was ich inhaltlich zu erwarten habe. Nichts für einen netten Sommertag, nichts für nebenbei, nichts zum Ablenken. Du verstehst, worauf ich hinaus will? Ich kann's gerade nicht besser auf den Punkt bringen. ... |
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| adhara | AW: Iny Lorentz | 08.09.2010, 22:18 Uhr |
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@Tigo Ich weiss was Du meinst, ja! Und ich würde jetzt gerne einen Strauss von Szenen herbeiziehen, die denjenigen bei IL zumindest ähnlich sind. Alleine: ich müsste jetzt alle gelesenen Bücher durchforsten. Schon mal anführen kann ich das Buch "Das flandrische Siegel" von Marie Cristen und ein Buch, das ich eben erst gelesen habe,: "Die Gauklerin von Kaltenberg". Beide haben entsprechende Szenen, die mindestens den Charakter der IL-Szenen haben, aufzuweisen. Ich werde aber meine Argumentation noch mit weiteren Beispielen stützen, sobald ich bei neuer Literatur darauf stosse (woran ich nicht im Geringsten zweifle) - ganz einfach weil mir gerade die Zeit und Energie fehlt, in den "Gelesenen" nachzuschlagen. Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen müssen, ich würde Theorien aufstellen, die sich nicht belegen liessen. Also habt bitte etwas Geduld! |
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| Tigo | AW: Iny Lorentz | 08.09.2010, 22:49 Uhr |
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@adhara - Du musst Dir jetzt nicht die Mühe machen, hier Gegenbeispiele anzuführen! Jeder hat ein eigenes Empfinden. Was der eine unter "üblich" ablegt, mag den anderen verstören. Das ist normal und gehört für mich zum individuellen Leseverhalten. Wir alle nehmen das unterschiedlich auf - und das ist ja auch gut so! ... |
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| DieterBeckmann | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 00:05 Uhr |
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@Charlie Nur um es noch einmal deutlich zu sagen: Es liegt mir absolut fern irgendeinen Roman zu verbieten. Und ich habe auch Eleonore nicht so verstanden. Gruß Dieter |
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| CharlieLyne | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 08:45 Uhr |
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Ich hab das ja auch nicht ganz toternst gemeint, Dieter. Sondern nur meiner Meinung Ausdruck verleihen wollen: Wenn in eine Geschichte eine Sexszene gehoert, dann schreib ich da eine Sexszene rein, und wenn da eine Vergewaltigung reingehoert, schreib ich eine Vergewaltigung (und JA, es kann durchaus auch mal noetig sein, diese hautnah zu schildern, weil das, was dem Leser dabei zugemutet wird, fuer die Entwicklung der Figur/das Verstaendnis der Geschichte etc. unentbehrlich ist) und wenn zur Geschichte gehoert, dass einer hustet, dann schreib ich eben, wie der hustet. Mich nervt's etwas, dass jetzt noch die Autoren einziehen und stolz verkuenden: Also ich schreib ja nur dezenten Sex, aber die boese Iny Lorentz, die schreibt ganz ganz boesen etc. Ich kann mir ueber die Romane von Iny und Elmar kein Urteil erlauben, aber ueber Iny und Elmar als Kollegen - und ich weiss zufaellig, dass gerade diese beiden Autoren sind, die genau die Geschichten erzaehlen, die ihnen wichtig sind, auch wenn sie dabei bei ihren Verlagen anecken und Protest ernten. Nicht umsonst kam der Erfolg fuer die beiden so spaet und musste unendlich hart erkaempft werden. Das Ergebnis kann man moegen oder man kann es nicht moegen, ohne Frage, und darueber ist auch eine Diskussion interessant, ebenfalls ohne Frage. Mir gefiel aber Rixas Vergleich mit der Lieblingssalami. Ich mag kein Fleisch, schon gar kein durchgedrehtes, geraeuchertes, verwurstetes. Aber darueber, warum die Hersteller ueberhaupt Salami machen und wieso der Supermarkt das auch noch ins Sortiment aufnimmt usw. hab ich mich noch nie gewundert. Und auch noch nie darueber aufgeregt, dass in der Salami so viel Fettstuecke drin sind. Die gehoeren eben zur Salami - und wenn ich sowieso keine Salami kaufe, weshalb sollte ich fuer die Salamihersteller von irgendeiner Relevanz sein? Kaese, Sex und Henry Miller liebend gruesst Charlie Codename "Max" 28. Januar 2012 |
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| tassieteufel | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 09:15 Uhr |
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Stimmt schon, daß das Empfinden natürlich eine ganz subjektive Sache, was für einen ok ist, empfindet der andere schon als heftig und für den nächsten geht es gar nicht. Trotzdem hab ich manchmal das Gefühl, das es mit den Sexszenen in Büchern wie mit der Bildzeitung ist, keiner liests angeblich, aber die Zeitung verkauft sich ohne Ende.... ICh persönlich fand ja die Sexszenen in den Ayla Büchern von Jean M. Auel mehr als ausufernd, das ging ja meist über mehrere Seiten und ich hab dann einfach drüber weg gelesen, weil ich die Bücher ansonsten sehr schön fand. liebe Grüße tassie Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley- |
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| IrisKammerer | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 09:36 Uhr |
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Ihr könnt meinen "Pfaffenkönig" noch dazuzählen! Der Roman ist quasi in Rückblenden, die die Hauptfigur kurz vor seinem Tod durchlebt, erzählt, und für mich (!) gehören in diese Auseinandersetzung mit sich selbst gerade die elementarsten und intensivsten Erlebnisse da hinein - also auch jene furchtbare, geradezu als höllisch empfundene Nacht, die er im Gegensatz zu anderen Verlusterlebnissen eben nicht verdrängen kann. Wenn man einen auktorialen, allwissenden Erzähler nutzt, kann man es bei solche Erlebnisse im Grunde bei einer faktischen Erwähnung belassen. Wenn man der betreffenden Person allerdings über die Schulter schaut oder gar in sie hineinschauen kann, dann reicht es nicht, in solchen Fällen dezent auszublenden, um die Leser zu schonen. Was man den Figuren zumutet, muss man auch im Leser nachvollziehbar und nachfühlbar werden lassen. Ansonsten ist es Pantoffelkino - das ist zwar völlig okay (auch ich unterhalte mich öfters gerne "weit unter meinem Niveau" "Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen, Woran der Höllengeist die Menschen fasst." (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orléans) |
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| paperbackwriter | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 09:38 Uhr |
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Ich hab das ja auch nicht ganz toternst gemeint, Dieter. Das wollte ich auch schon die ganze Zeit sagen. Gut, dass du es jetzt tust, Charlie! Übrigens bin ich jetzt schon halb durch mit den Rebellinnen von Mallorca und es gab noch keine Vergewaltigungsszene. Und die einzige Sexszene, die die beiden bisher schildern, ist ganz dezent und nicht mal zwischen einem Mann und einer Frau. |
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| UlfSchiewe | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 10:05 Uhr |
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Charlie, Iris, nur um es klarzustellen, ich beziehe mich überhaupt nicht auf das Autorenpaar Iny Lorentz, die ich persönlich sehr sympathisch finde, und wie ich gesagt habe, alles Recht haben, zu schreiben, was sie möchten und wie sie es möchten, zumal sie eine Riesen-Fan-Gemeinde haben. Was ich sehr respektiere. Da muss man erstmal hinkommen. Als die Diskussion auf Sex kam, habe ich nur gesagt, wie ich persönlich damit umgehe. Nicht viel anders als mit Gewalt. Ich schreibe darüber, durchaus auch nüchtern, aber immer noch so, dass man es ertragen kann. Zumindest ist das mein Anspruch. Ich schwelge nicht in Blut und Eiter. Ähnlich auch, was Sex betrifft. Mein Agent meinte letztens, im Moment gäbe es viele Leser, die auf Quälereien abfahren, wo Frauen ohne Ende erniedrigt und sadistisch gequält werden. Seltsamerweise, nach ihm, lesen dies Frauen gerne. Nun, jedem das Seine. Ich persönlich kenne solche Bücher nicht, wenn es sie denn gibt, möchte solche auch nicht schreiben, weil es mir einfach gegen den Strich geht. Aber das bin ich und soll keine Moralpredigt sein. LG Ulf "Der Bastard von Tolosa", Droemer 2009 "Die Comtessa", Droemer 2011 (April) www.ulfschiewe.de http://ulfschiewe.wordpress.com |
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| CharlieLyne | AW: Iny Lorentz | 09.09.2010, 10:09 Uhr |
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Iris, ich wollt' jetzt nicht ohne Erlaubnis Deinen Roman als Beispiel zitieren, aber das ist fuer mich genau so ein Fall, wo die Geschichte die Szene unbedingt fordert. Und wo ich persoenlich es hoechst eigenartig - to say the least - faende, wenn ein Autor da schneiden wuerde, um keine zarten Gemueter zu verletzen. Das ist in meinen Augen ganz und gar und ueberhaupt nicht Aufgabe von Literatur. Fuer Folterszenen gilt m.E. genau dasselbe. Und fuer Husten und Essen und Ruelpsen und Furzen und Buddeln und Schnaufen und Mitdenaugenrollen auch. Der Leser ist Koenig, ja. Und vor Koenigen hat man manchmal Angst. Ich hab am Anfang ganz furchtbare Angst vor dem Leserkoenig gehabt und haette in vorauseilendem Gehorsam am liebsten Frageboegen verschickt und mich danach gerichtet. Inzwischen habe ich gelernt, dass man auch stolz darauf sein kann, nicht gemocht zu werden - fuer eine richtige Entscheidung, die man getroffen hat (wenn Leser an meinen Romanen ihre Schwaechen kritisieren, nehme ich das weiterhin sehr ernst! Ich bitte, das nicht zu verwechseln). Ich habe gelernt: Der Leser mag Koenig sein, das mache ich ihm nicht streitig. Aber die Geschichte ist der Papst. Herzlich, Charlie Codename "Max" 28. Januar 2012 |
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