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Rixa Eine Frage zur Form... 08.11.2008, 11:39 Uhr
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Guten Morgen!

Im Schreiberforum haben wir gerade eine Diskussion, die ich gerne mal hierher bringen moechte, da sich hier die Histo-Vielleser tummeln. Und vielleicht lesen Charlie, Birgit, Martina u.a. auch mal rein...

Es geht um die "Hoeflichkeitsformel" und deren schriftliche Niederbringung. Da behauptet einer, dass es nicht noetig ist und auch nie noetig war, "Er", "Sie", "Ihr", "Euch", also hoefliche Anrede, in belletristischen Texten / Dialogen gross zu schreiben. Dass man das nur in Korrespondenzen macht, es in der Belltristik aber unnoetig ist, weil es ja eigentlich als "gesprochen" gilt, und man kann ja nicht in Grossbuchstaben sprechen. So in der Art.

Irgendwie will sich mir dieses Argument nicht erschliessen. Ich kenne KEIN Buch, in dem hoefliche Anrede in Dialogen klein geschrieben wird. Mich wuerde das darueber hinaus auch total verwirren beim Lesen. Ich wuesste jetzt aber auf Anhieb nicht, wo ich das nachlesen kann. Der Stein des Anstosses nannte Bastian Sick's "Dativ ist dem Genitiv sein Tod - Band 2" als Quelle, hab das Buch aber leider gerade verliehen. Ansonsten soll das wohl auch Gisbert Haefs so machen (also klein schreiben).

Hat jemand von Euch (*grins*) Viellesern das vielleicht in Buechern schon gesehen? Ich weiss echt keins! Ich meine, fuer mein eigenes GEschreibs wuerde ich es wahrscheinlich nie umsetzen und sowas klein schreiben, das saehe schlicht FALSCH aus. Aber verunsichert ob der Richtigkeit bin ich jetzt schon...

Vielleicht hat ja hier jemand Beispiele...

"Cela resamble bien un romang et en le racontemps, bien de jans ne vous croirong pas."

Birgit_Fiolka AW: Eine Frage zur Form... 08.11.2008, 12:08 Uhr
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Hallo Rixa,

ich schreibe zwar in einem anderen Zeitkolorit, in dem ich meist beim "du" bleibe, aber ich würde bei den Höflichkeitsfloskeln ansonsten auch bei der Großschreibung bleiben. Alles andere fände ich verwirrend beim lesen.
Ich könnte jetzt auch kein Beispiel aus dem Gedächtnis nennen, wo die Höflichkeitsfloskeln klein geschrieben wurden. Habe gerade mal so stichprobenartig im "Zeichen des Ketzers" nachgeschlagen, da sind sie z. B. auch groß geschrieben.

Liebe Grüße
Birgit

Vier ungleiche Gefährten auf der Flucht durch die Ägäis und der letzte Kampf der Amazonen. "Das Vermächtnis der Amazonen" ab dem 16.06.2009 erhältlich

olympia AW: Eine Frage zur Form... 08.11.2008, 12:14 Uhr
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Hallo Rixa,

habe das Buch (alle Bände *zwinkert* ) von Bastian Sick und es stimmt, dass er schreibt, dass man beim "Sprechen" diese Wörter nicht groß schreibt.
Allerdings würde ich es - wie Birgit schon schrieb und auch du - es als sehr verwirrend beim Lesen empfinden, wenn dem nicht so wäre. Mir fällt auch kein Buch ein, wo dies nicht so gewesen wäre.
Ich (also nur für MICH gesprochen), würde es so beibehalten. Man bedenke auch, dass "wir" oder "er" auch groß geschrieben werden, wenn der König von sich in der dritten Person spricht und heute kommt das wohl überhaupt nicht mehr vor und dazu wird es wohl auch keine Regeln mehr geben *grinst* Es geht einfach auch um das bessere Verständnis für den Leser. - meine ich *zwinkert*







Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder meint, dass er genug davon hat. R. Descartes

Restitutus AW: Eine Frage zur Form... 15.01.2009, 21:04 Uhr
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Es hat sich vielleicht inzwischen erledigt, aber für Neulinge, die diesen Thread vielleicht noch lesen, verweise ich der Klarheit halber auf §65 der amtlichen Regelung der neuen Rechtschreibung:

"Das Anredepronomen _Sie_ und das entsprechende Possessivpronomen _Ihr_ sowie die zugehörigen flektierten Formen schreibt man groß. ... Großschreibung gilt auch für ältere Anredeformen wie: _Habt Ihr es Euch überlegt, Fürst von Gallenstein? Johann, führe Er die Gäste herein._"

Es wird ausdrücklich keine Unterscheidung zwischen Brief und Dialog getroffen.

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

adhara AW: Eine Frage zur Form... 15.01.2009, 21:13 Uhr
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@Rixa
Ich schreibe Höflichkeitsformeln ohne Ausnahme gross!
toma AW: Eine Frage zur Form... 15.01.2009, 22:41 Uhr
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Ich auch, habe es SO gelernt und bin zu alt, um mich darin umzustellen... ich wende übrigens auch die neue Rechtschreibung nur an, wie sie mir sinnvoll erscheint *rollt mit den Augen* *zwinkert*
MariaAmalia AW: Eine Frage zur Form... 15.01.2009, 22:47 Uhr
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@adhara

"groß" schreibt man aber auch nach der neuen Rechtschreibung nach wie vor mit "ß".

*zwinkert*

www.yvonnesliteraturblog.blogspot.com

Larna AW: Eine Frage zur Form... 15.01.2009, 23:12 Uhr
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@Maria Amalia

Die Schweizer Tastatur kennt aber kein "ß", dass heißt, man muss alle "ß" mit "ss" schreiben. *zwinkert*
War am Anfang eine große Umstellung, als ich die vier Monate in der Schweiz war.

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

IrisKammerer AW: Eine Frage zur Form... 16.01.2009, 08:08 Uhr
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Hallo, Rixa!

Anreden sind eine heikle Sache, es geht nämlich nicht um Höflichkeit im heutigen Sinne, sondern um die Klarstellung sozialer Unterschiede in der Anrede.

In vielen Kulturen (nicht nur in Europa!) gibt es den sogenannten "pluralis maiestatis", d.h. eine Person, die zur Führungsschicht gehört, spricht in der Mehrzahl von sich ("Wir") und wird auch in der Mehrzahl ("Ihr") angesprochen.
Um kenntlich zu machen, dass es sich um eine solche Form handelt, werden im Deutschen beide (Selbstreferenz und Anrede!) groß geschrieben, ebenso in vielen anderen Sprachen.

Die Königin von England hat heute noch ein Geburtsrecht auf diese "Majestätsmehrzahl", was sie aber nur bei offiziellen Verlautbarungen nutzt, in der Anrede ist es ja das gleiche Wort.

Beim engl. Philosophen Thomas Hobbes gibt es eine Begründung, die (in meinen Worten) lautet, der Souverän einer Nation sei als gesetzlicher Repräsentant und Verkörperung aller natürlichen Angehörigen dieser Nation quasi als Person eine Mehrzahl. *zwinkert*

Aus dem Umgang mit untertanen entwickelte sich seit dem Absolutismus die Anrede in der dritten Person ("Er", "Sie") -- allerdings nicht als Höflichkeitsanrede, sondern als Verdeutlichung der Tatsache, dass der Herrscher seinen Untertan nicht direkt anspricht, sondern mit Mittlern über ihn spricht!

Aus diesem "Er"/"Sie" (Sg.!) entwickelte sich wohl durch Übernahme des pluralis maiestatis die Anrede "Sie" (Pl.) der Angehörigen des gehobenen Bürgertums untereinander, die sich als allgemeine Höflichkeitsanrede durchsetzte und bis heute gehalten hat.

Das hat nichts mit Höflichkeit im heutigen Sinne zu tun, sondern drückt ursprünglich eine ständische Etikette aus! Um jedoch kenntlich zu machen, dass es sich um eine Anrede handelt, werden im Deutschen beide - also Einzahl und Mehrzahl groß geschrieben, ebenso in vielen anderen Sprachen.

Bei einem Roman, der im 18. Jh. spielt, sollte man diese Anreden immer groß schreiben, bei einem Roman mit antikem oder mittelalterlichem Hintergrund machen sie als verselbständigte Anreden noch keinen Sinn; da würde ich sie in jedem Fall klein schreiben. Denn wenn sie gelegentlich benutzt wurden, dann nicht im übertregenen Sinne einer Anrede, sondern ganz konkret im ursprünglichen Sinne. Und da ergibt sich der Sinn (hoffentlich) aus dem Kontext.

"Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen, Woran der Höllengeist die Menschen fasst." (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orléans)

» Iris Kammerer im WWW

Restitutus AW: Eine Frage zur Form... 16.01.2009, 08:21 Uhr
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Vorsicht, adara: "Du" und die verwandten Anredeformen werden auch nach der amtlichen Regelung der neuen Rechtschreibung klein geschrieben!

Iris: Der Ausdruck "Pluralis maiestatis" ist mir geläufig. Aber wenn der König seinen Diener mit "Er" anredet, wie nennt man das dann? Singularis servus?

Und was ist mit dem Pluralis modestiae jener Autoren, die von sich selber gerne als "wir" (mit kleinem Initial) denken?

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

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