Rund ums Genre Historischer Roman » AW: Kann ein Buch etwas bewirken? (Seite 2)
| Chris. | AW: Kann ein Buch etwas bewirken? | 04.03.2009, 16:54 Uhr |
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Ich kann mich Fred nur anschließen. Natürlich bewirken Bücher etwas, unter anderem vermittlen sie neue Blickwinkel, zeigen neue Aspekte auf, durch sie wird man mit anderen Seiten vertraut gemacht. Sie beeinflussen mich und ich bilde mir gern ein, dass ich die Kontrolle darüber habe, wie sehr sie das tun ... aber das ist vermutlich tatsächlich nur Einbildung. Wer weiß. Passiert es euch, dass ihr nach dem Lesen eines Romans über etwas anders denkt als vorher? Kommt es vor, dass ein guter Autor euch Einsichten vermittelt in Aspekte, die ihr vorher anders gesehen habt? Ja. Ja, das halte ich für möglich. Frag jetzt bitte nicht nach einem konkreten Beispiel ^^ |
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| Restitutus | AW: Kann ein Buch etwas bewirken? | 04.03.2009, 19:45 Uhr |
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Ich will das Beispiel erläutern, das mich zu der Frage veranlasst hat. Es ging um einen schon beträchtlich alten japanischen Film, aber meine Überlegung lässt sich auch auf Bücher übertragen: Die Handlung betraf einen militärischen Konflikt, bei dem die ursprünglich unschuldig angegriffene Seite zurückschlug und den Angreifer nahezu komplett ausradierte. Auf das finale Gefecht folgte nun eine bemerkenswerte Szene, in der der Protagonist auf die völlig vernichtete Hauptstadt des Gegners hinunterblickte und in einem Monolog diesen "End"-Sieg und im Weiteren die gesellschaftliche Erziehung zur Konkurrenz statt zum Miteinander überhaupt verurteilte, da sie solche Katastrophen ermögliche. Worauf er seinen Gewehrlauf über dem Knie zerbrach und die Trümmer auf die leblosen Ruinen hinunterwarf. (Man kann sich wohl vorstellen, warum so etwas in dem Land produziert wird, in dem Hiroshima liegt?) Interessant fand ich nun die völlig unterschiedliche Rezeption dieser Szene in Europa und den USA. Während in Europa angesiedelte Kommentatoren sie als tiefgründige und zutiefst humanistische Antikriegsaussage lobten, erklärten die Amerikaner sie mehrheitlich für idiotisch, denn wer angegriffen werde, dürfe sich doch wohl mit allen Mitteln verteidigen. (Übrigens war die ganze Szene bei der Ausstrahlung des Films im US-TV herausgeschnitten worden.) Als ich nun diese Aussagen las, fragte ich mich, ob es nicht eine Illusion sei, als Autor oder Filmemacher zu glauben, man könne Menschen mit seinem Werk "erreichen", zum Nachdenken bringen und "etwas verändern", wie es ja von manchen Klassikern der Weltliteratur behauptet wird. Ist es nicht viel eher so, dass man als Schreibender von vornherein nur die Menschen anspricht, die ohnehin bereits die eigene Meinung teilen? Mich interessiert, was ihr darüber denkt und welche Erfahrungen ihr habt. "Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792 |
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| Ulli-und-keine-5-Tage | AW: Kann ein Buch etwas bewirken? | 05.03.2009, 10:33 Uhr |
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Ob ein Buch verändern oder zum Nachdenken bringen kann, hängt von Autor und Leser ab. Möglich ist es. Ich habe vor über 10 Jahren zwei Bücher von Kate Sedley geschenkt bekommen und das erste recht schnell aus der Hand gelegt, weil als Nebenfigur Richard (später Nr. 3) als durchaus positive Gestalt daherkommt. Dabei weiß doch jedes Kind, daß er ein Bösewicht war. Jahre später wurden mir die Krimis von Josephine Tey ans Herz gelegt, ich arbeitete mit Freuden deren Bücher durch und las somit auch "Alibi für einen König". In diesem Buch kam ein entgegengesetzter Blickwinkel, nämlich das Richard durchaus auch ein guter Mann gewesen sein kann, zum Tragen. Die Argumente waren teils überzeugend, teils wackelig. Aber immerhin habe ich akzeptiert, daß es auch eine andere Deutungsmöglichkeit über Richard III von England gibt. Meine Ansicht hat sich also von strikter Abwehr zu einem "vielleicht" geändert. Noch in der Schule las ich von Stefan Zweig "24 Stunden in Leben einer Frau". Dort sagt eine Figur an einer Stelle sinngemäß, daß er kein Ankläger sein wolle, sondern lieber Verteidiger, weil er verstehen wolle, warum jemand so handele. Dieser Blickwinkel war mir völlig neu und hat mich so beeindruckt, daß ich diesen Grundsatz übernommen habe. Was das Leben übrigens einerseits deutlich schwerer macht, aber auch deutlich interessanter. Yes, england, boy! A big, damn foggy island nor-nor-east of ushant. Think, you can find it? |
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