Rund ums Genre Historischer Roman » AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? (Seite 4)

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Restitutus AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? 30.03.2009, 08:24 Uhr
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@muprl:
Freilich. Selbst aus der Sicht des moralischen Relativisten kann die "andere Moral in anderen Zeiten" jedoch vermutlich nichts von dem entschuldigen, was wir heute als Un- und Straftaten ansehen. Und damit erheben wir dann doch wieder unsere Moral zur allgemein gültigen.

Wenn aber die Erbauungsliteratur als trivial GILT (ohne es vielleicht wirklich zu sein - "Quo Vadis"?), muss das dann nicht auch für das Gegenbeispiel gelten mit seinen kaputten Skandinaviern (die neuerdings sogar aus Offenbach stammen) und sonstigen Antihelden? Wirken die nicht vielleicht sogar schädlicher auf das Lesergemüt?

Ad Astra,

Restitutus



"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

muprl AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? 30.03.2009, 15:00 Uhr
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Selbst aus der Sicht des moralischen Relativisten kann die "andere Moral in anderen Zeiten" jedoch vermutlich nichts von dem entschuldigen, was wir heute als Un- und Straftaten ansehen.


DOCH! Man muss sich nur ein bisschen geistige Freiheit gönnen.

Zu Deinem anderen Punkt, Resitutus: Warum sollen kaputte skandinavische Antihelden trivial sein, weil sie möglicherweise "schädlicher" auf das Gemüt wirken? Ist das die Gleichung: Trivial=schädlich für's Gemüt?
(Und meinst Du mit "schädlich für's Gemüt", dass man bei der Lektüre traurig wird, oder ein verzweifelter Mensch, oder was?)

Was genau eigentlich "trivial" bedeutet, ist vielleicht eine der Fragen, um die es hier geht.
Eine andere könnte sein: Ist Trivialität etwas "Schlimmes"?

Beides sind Fragen, über die man lange und ausführlich diskutieren könnte, wenn man wollte. Aber ich glaube, dass das für das Forum auf der Histo-Couch zu weit führt. (Auch wenn's gelegentlich Spaß macht. *grinst breit*)
Restitutus AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? 30.03.2009, 23:51 Uhr
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DOCH! Man muss sich nur ein bisschen geistige Freiheit gönnen.


Das geht nicht. Auch die größte geistige Freiheit wird nicht zulassen, Romanhelden zu akzeptieren, die ihrer eigenen Epoche entsprechend Gladiatorenspiele und Tempelprostitution für eine tolle Sache halten, ungestraft Völkermorde an Barbaren oder Heiden begehen, Kindesmissbrauch für die ideale Form der Liebe ansehen (eine Position, die von vielen antiken Griechen ernsthaft vertreten wurde) oder ganz einfach ihrem Zeitgeist entsprechend antisemitisch geprägt sind. Da stehen dann unsere Moralvorstellungen einfach über dem Drang zum Realismus und gaukeln uns somit universelle Gültigkeit vor, die sie nicht haben. Man sieht es ja in harmloserer Form schon an den ganzen Histo-Emanzenromanen, die ich so ziemlich für die ultimate Form von feministischem Geschichtsrevisionismus halte, allenfalls noch übertroffen von der "Bibel in gerechter Sprache" mit ihren Aposteln und Apostelinchen.


Warum sollen kaputte skandinavische Antihelden trivial sein, weil sie möglicherweise "schädlicher" auf das Gemüt wirken? Ist das die Gleichung: Trivial=schädlich für's Gemüt?


Nein, es ist die Gleichung kaputt = schädlich fürs Gemüt.


(Und meinst Du mit "schädlich für's Gemüt", dass man bei der Lektüre traurig wird, oder ein verzweifelter Mensch, oder was?)


Vielleicht auch das. Jedenfalls befürchten einige schwedische Autoritäten einen nicht unerheblich Imageverlust für ihr Land! *grinst* Aber was ich eigentlich gemeint habe, ist, dass ohnehin schon depressive Menschen sich durch solche Bücher bestätigt fühlen könnten und ihr Problem dadurch noch verstärkt wird, so wie weltschmerzgeprägte Jugendliche früher bevorzugt "Werther" und ähnliche Tristigkeiten gelesen haben. Mit bekannten Folgen.

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

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