Rund ums Genre Historischer Roman » Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein?
| Restitutus | Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 23.03.2009, 18:26 Uhr |
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Denk ihr, dass Protagonisten von Geschichten heutzutage noch als Vorbilder dienen können? Der Kalif in "1001 Nacht" hat sich gebessert, weil er so sein wollte wie die Helden in Scheherazades Erzählungen. Aber wenn man heute über strahlende, moralisch einwandfreie Helden schreibt, dann gilt man als Trivialautor, ein Literat ist man dagegen offenbar nur, wenn die Protagonisten möglichst kaputte Typen sind. Vielleicht sagt das auch etwas über die jüngsten Exzesse unserer Gesellschaft aus. Wie seht ihr das: Ist es heute noch möglich, über die Kunst/die Medien moralische Vorbilder zu vermitteln, die nicht gleich mit der Beretta in der Hand durchs Leben taumeln? "Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792 |
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| trota79 | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 23.03.2009, 19:07 Uhr |
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ich hoffe doch,das dies heutzutage noch machbar ist. vielleicht braucht man in dieser modernen zeit dringender denn je vorbilder. ich glaube festzustellen,das werte und moral seltener vermittelt werden,was sicher mit der jetzigen schnelllebigkeit zu tun hat. allerdings glaub ich nicht,das die jüngsten ereignisse der welt,etwas neues sind.vielmehr bin ich der meinung,das es solche tragödien schon immer gegeben hat,diese aber nicht so sehr ins mediale interesse gerückt wurden.in der geschichte der menschheit wurden seit anbeginn gemordet,betrogen und glaubenskriege geführt. um auf deine frage zurück zu kommen,hoffe ich,das literarische vorbilder nicht aussterben und das möglichst viele autoren mit ihren werken dem entgegen wirken. |
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| Vito | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 23.03.2009, 20:12 Uhr |
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Ich denke schon das man aus Geschichten , ob nun wahr oder erfunden , seine moralischen Schlüsse ziehen kann . Allein schon durch den Versuch , die Reaktionen der Personen oder den Plot nach zu vollziehen , ergibt sich ein subjektives moralisches Schema . Die wiederum kann hilfreich sein Vorurteile und ähnliches ab zu bauen . |
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| trota79 | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 23.03.2009, 20:22 Uhr |
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stimmt und das kann man schon in kindertagen,durch märchen,erreichen. |
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| Restitutus | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 23.03.2009, 22:58 Uhr |
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Durch Märchen gewiss! Aber ich fragte ja nach dem, was heute geschrieben wird. Und wenn ich mal die Motzkühe und ähnlich erbauliche Werke der Kinder- und Jugendliteratur ausnehme, dann fällt es mir heutzutage schwer, in dem, was Literatur genannt wird, noch positive Helden oder aufbauende moralische Werte zu finden. Auf der einen Seite muss der Protagonist mindestens ein seelisch verkrachter Schwede, ein testosteronübersteuertes Ramboweibchen oder ein seinen spätpubertären Weltschmerz hinausgrantelnder Heiler sein, um bei der Leserschaft Anerkennung zu finden, auf der anderen Seite scheint man sich als Autor inzwischen verdächtig zu machen, wenn man mehr als den Anspruch erhebt, "einfach nur unterhalten" zu wollen. Moralische Botschaften sind offenbar nicht mehr gefragt oder dürfen nur als abschreckende Beispiele präsentiert werden statt als nachahmenswerte Vorbilder. Aber ich hoffe, dass ich mich da täusche! Oder wie seht ihr das? "Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792 |
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| Ulli-und-keine-5-Tage | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 24.03.2009, 10:06 Uhr |
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Die Vorbilder haben sich einfach geändert. Es sind keine strahlenden Ritter mehr, die gegen Drachen kämpfen, sondern fehlbare Helden. Ich bin nicht auf der Suche nach Vorbildern, aber wenn ich lese, denke ich automatisch darüber nach, wie ich mich hier verhalten hätte, ob ich ebenso gehandelt hätte. Ich muß also selbst aktiv sein, selbst ein moralisches Urteil fällen, wo mir früher oft vieles vorgekaut serviert wurde. Mir sind die Helden am liebsten, die ihren eigenen, teils etwas kuriosen Moralkodex haben, aber letztlich, wenn auch auf krummen Wegen, "moralisch" handeln. Insofern denke ich, daß auch in heutigen Büchern moralische Werte vermittelt werden, nur muß man sie heutzutage verstärkt selbst herausfiltern, während es früher einfacher war. Das ist in den Büchern nicht anders als im wahren Leben. Yes, england, boy! A big, damn foggy island nor-nor-east of ushant. Think, you can find it? |
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| Vito | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 24.03.2009, 16:03 Uhr |
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Obwohl ich auch finde das "strahlende" Helden ausgedient haben , muss ich sagen das ich das "Lächeln der Fortuna" regelrecht verschlungen habe... Es gab ja einige Kritik an der Person der Robin of Warringham , weil er so moralisch korrekt und dargestellt wurde .... |
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| tassieteufel | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 24.03.2009, 16:25 Uhr |
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@vito, irgendwann hat man auch mal die "lädierten, angeschlagenen oder leicht verkorksten" Hauptfiguren über, da muß dann halt mal wieder der "strahlende" Held ran, das eine wie das andere wird auf Dauer langweilig, finde ich. Grad im Krimibreich findet man kaum noch einen Ermittler, der nicht physisch und/oder psychisch gebeutelt, von Familien oder Beziehungsproblemen belastet, vom Beruf desillusioniert und auch sonst irgendwie geschädigt ist, da sehnt man sich geradezu mal wieder nach einem ganz gewöhnlichen, normalen und auch "guten" Ermittler.... lg tassie Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley- |
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| Ulli-und-keine-5-Tage | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 24.03.2009, 16:44 Uhr |
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Auch wieder wahr! Aber wenn man mal von den Ermittlern absieht, die nach dem Baukastenprinzip Psychosen/Komplexe etc. auf Teufel komm raus angedichtet bekommen, sind die "schiefen" Charaktere, besonders wenn ihnen eine ordentliche Portion Humor eigen ist (ich denke jetzt besonders an Ian Rankins John Rebus), immer noch ein Stückchen anregender als die perfekten Helden. Yes, england, boy! A big, damn foggy island nor-nor-east of ushant. Think, you can find it? |
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| tassieteufel | AW: Können Romanhelden noch moralische Vorbilder sein? | 24.03.2009, 16:55 Uhr |
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@Ulli da geb ich Dir auch wieder recht! Z.B. mag ich sehr gern Bruder Cadfael, der ist jetzt zwar kein Überheld im eigentlichen Sinne (und auch vom Äußeren her nicht der "tolle Hecht *grins* ), aber doch moralisch gesehen ziemlich integer, obwohl sich die Auflösung seiner Fälle auch nicht immer mit dem Gesetz verträgt, da hat der gute Cadfael eben seine eigenen Vorstellungen. Außerdem mag ich es, wenn mir ein Buch eine andere Sichtweise auf eine Sache vermittelt. Ist mir schon ein paar mal passiert, daß ich glaubte eine feste Sichtweise auf etwas zu haben und dann durch ein Buch dazu angeregt wurde, nochmal drüber nachzudenken, mich in die betreffende Person hineinzudenken versucht habe und schließlich zu dem Schluß gekommen bin, das meine Sicht der Dinge doch nicht so ganz das Wahre ist. Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley- |
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