Rund ums Genre Historischer Roman » AW: Histo-Krimi-Couch (Seite 75)
| anath | AW: Histo-Krimi-Couch | 14.06.2010, 14:41 Uhr |
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Tassie, da hast du sicher recht, und ich will auch gar nichts gegen die Zeitgenossen sagen, im Gegentum. Mir geht's eher darum, daß ein historischer Roman ( also ein heute geschriebener) ebenso seine Berechtigung hat und nicht so abgewertet werden sollte wie in dem Artikel. Volker Kutscher bedankt sich übrigens bei seiner Oma , weil die ihm so viel über das leben in den 30ger Jahren erzählt hat. Das heißt, sie muß eine talentierte Übermittlerin des damaligen Zeitgeistes sein. Aber so eine sprudelnde Quelle hat man natürlich nicht zur Verfügung, wenn man über das alte Ägypten oder die Renaissance schreiben will. Dein Beispiel mit den drei verschiedenen Leuten, die über ein und dasselbe Ereignis schreiben/reden kann ich gut nachvollziehen. Ich denke, darum haben die (uns) sympathischen Protagonisten in historischen Romanen auch immer etwas an sich, was sie vom damals üblichen mainstream unterscheidet. Bisher habe ich z.B. noch keinen /keine gefunden mit ernsthafter Judenverachtung, da waren alle sooo tolerant und aufgeschlossen , waren also im heutigen Sinne politisch korrekt. Bei einem zeitgenössischen Roman sähe das sicher anders aus. Oder die Hexen... Uns sympathische Protagonisten haben immer Zweifel ob es denn Hexen überhaupt gibt und so weiter. Ganz sicher ist das so, weil eben der/die Dritte - eben der heutige Autor - seine Sicht auf die Dinge mit einfließen läßt (wobei sich die Frage stellt, ob man überhaupt ein Buch verkaufen könnte, in dem der positive Hauptheld in mittelalterlicher Manier gegen die "Jesuskreuziger" geifert oder die ebenso positiv angelegte Hauptheldin ständig ihre Nachbarn als Hexen und Zauberer denunziert). Und insofern hat die zeitlich entfernte Sicht auf die Dinge doch auch etwas sehr positives : Das Wissen um Hintergründe, das Wissen, wohin ein Geschehen letztendlich führt. P.s. : Genau das liebe ich übrigens gerade an den SPQR-Büchern : Metellus hat jede Menge Vorurteile im Kopf, wer Hosen trägt ist ein unkultivierter Barbar, er glaubt durchaus auch an Zauberinnen, ist ein Großmaul weil er als Römer sowieso was Besseres ist... aber er ist in der Lage ,umzudenken, seine Mitmenschen aus anderer Perspektive zu betrachten - und er benutzt sein Hirn. Da stört mich auch die moderne Sprache nicht, das Lesen macht mir einfach Spaß. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| tassieteufel | AW: Histo-Krimi-Couch | 14.06.2010, 15:42 Uhr |
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@anath, da hast Du ganz recht, ich muß jetzt aber erstmal gestehen, daß ich den Artikel von dpr erst jetzt gelesen habe ICh wollte lediglich mal darlegen, was für mich der Unterschied zwischen histo und zeitgenössisch ist, ich weiß nicht mal ob es dafür eine 100%ige Definition gibt, ist ja am Ende auch Wurscht.... Auch die Aussi-Krimis von Upfield sind da wieder ein schönes Bsp. selbst die sympathischste und integerste Hauptfigur ist eben der Meinung die Aborigines sind Menschen 2. Klasse und nichts wert, als heutiger Leser muß man sich da erst dran gewöhnen....ein heutiger Autor hätte mit Sicherheit einen oder mehrere Protagonisten erfunden, die das hinterfragt hätten oder gleich von vornherein eine andere Einstellung gehabt hätten. Was die "zeitlich nicht ganz passenden" Hauptfiguren in historischen Romanen angeht, stimme ich mit Dir überein, in vieler Hinsicht würden wir einen Helden/in sicher gar nicht mögen, wenn er/sie zeitlich "korrket" wiedergegeben würde, eben weil man seine Handlungen und Gedanken kaum nachvollziehen könnte oder ihn seine Einstellung bestimmten Dingen gegenüber für uns schlicht unerträglich wäre. Das ist übrigens auch wieder ein interessantes Thema, oft wird ja bei historischen Romanen von den Lesern bemängelt, das die Personen zu modern sind, die Sprache nicht authentisch, die Frauen an sich zu emanzipiert oder die Einstellung der Männer Frauen gegenüber viel zu modern. liebe Grüße tassie Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley- |
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| anath | AW: Histo-Krimi-Couch | 14.06.2010, 16:30 Uhr |
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Naja, der Geschmack ist das eine, aber ich glaube, die Kunst besteht eher in einem Drahtseilakt. Auf der einen Seite die Zeit, wie sie eben war mit ihren durchaus nicht vorurteilsfreien Menschen und auf der anderen Seite wir Heutigen mit unseren Ansichten. Ich denke, die besten Romanfiguren (nicht die sympathischsten, sondern die interessantesten, die, die auch eine Handlung voran treiben können) sind die, die in ihrer Zeit fest verankert sind und einen leichten Anhauch von Moderne abgekriegt haben Ein Richter Di z.B. - und damit meine ich die Romanfigur, die ja nicht in der Zeit agiert, in der Richter Di wirklich lebte - ruht in seiner Zeit. Seine Verpflichtung als Richter ist sein Lebenselixier, er ist klug und fleißig, dazu ein guter Schwertkämpfer.Sein Gehorsam gegen den Kaiser ist für uns kaum nachzuvollziehen, er deckt eine Verschwörung auf und statt gelobt zu werden muß er sich abkanzeln lassen wie ein dummer Junge - und er empfindet das als völlig in Ordnung !!! Er akzeptiert den Glauben an Geister etc. ...Dazu kommen für den heutigen Leser noch ein paar andere Zutaten : Bei allem Glauben an Geister geht er doch davon aus, daß es im Regelfall eine realistische Erklärung für ein bestimmtes Phänomen gibt (auch wenn van Gulik gelegentlich mit den Stilelementen der klassischen chinesischen Geistererzählung arbeitet, was die Bücher m.E. nach nur noch realistischer macht). Er akzeptiert homosexuelle Beziehungen, er ist eigentlich Verfechter der Monogamie (seine drei Frauen hat er eher deshalb, weil sich's eben so ergeben hat Die Mischung macht ihn für uns heutige Leser so interessant und irgendwie auch zeitlos, denn die Entstehungszeit der Bücher liegt ja doch schon ein paar Jahrzehnte zurück. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß diese Bücher auch noch für meine Enkel interesant sein könnten - wo ich mir bei so manchem Histo gar nicht sicher bin. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| anath | AW: Histo-Krimi-Couch | 18.06.2010, 11:33 Uhr |
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Ich habe nun den ersten Fontane-Krimi von Frank Goyke zuende gelesen und bin eigentlich ganz angetan davon. Band 2 habe ich gerade in der Mache und Band 3 erscheint wohl demnächst, der steht schon auf meinem Merkzettel. Die Gründerzeit und der Gründerkrach sind einfach eine sehr spannende Zeit und wenn man die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" gelesen hat dann muß man sich schon immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, daß Fontane durchaus nicht in so einer Idylle gelebt hat, wie er sie dort teilweise schildert. Das Buch gewann auch zunehmend an Tempo und Spannung. Ich kann es erstmal nur empfehlen. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| anath | AW: Histo-Krimi-Couch | 26.07.2010, 14:24 Uhr |
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Ich habe heute "Der Feuerkimono" von Laura Joh Rowland zu Ende gelesen. In einem Ritt durch, konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Schade allerdings, daß das Buch voller Druckfehler ist und ein völlig anderes Aussehen hat, als der Rest der Reihe. tassie, du hast es doch auch im Regal, schreib doch mal, wie du es fandest ! Würde mich interessieren ! Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| bini | AW: Histo-Krimi-Couch | 14.08.2010, 22:58 Uhr |
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Wenn ich mich richtig erinnere habe ich diesem Thread das Buch "Nikola Hahn - Die Detektivin" zu verdanken. Ich habs heute fertig gelesen, es hat mir sehr gut gefallen |
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| bini | AW: Histo-Krimi-Couch | 14.08.2010, 23:05 Uhr |
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wie schön dass es TT gibt Habe eben die Fortsetzung angefordert: Die Farbe von Kristall Dieses Buch wird bestimmt nicht lange auf meinem SUB liegen bleiben ... |
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| lesemoni | AW: Histo-Krimi-Couch | 09.09.2010, 16:11 Uhr |
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ich hab gerade mal versucht die HP von Oliver Pötzsch zu finden da diese nicht in seinem Profil angezeigt wird und hatte Glück für interresierte www.oliver-poetzsch.de da kann man sogar einen Teil des Kuisl -Stammbaumes sehen Ein Leben ohne Liebe ist wie ein Buch ohne Inhalt |
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| Catabejas | AW: Histo-Krimi-Couch | 09.09.2010, 17:25 Uhr |
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Ich lausche gerade dem Podcast. Bisher tolle Seite, danke für den Tip!
Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. Antoine de Saint-Exupéry 'Der kleine Prinz' |
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| tassieteufel | AW: Histo-Krimi-Couch | 20.09.2010, 09:37 Uhr |
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Nachdem mich "Oskar Wilde im Wilden Westen" von Walter Satterthwait so restlos begeistert hatte, habe ich mir mal "Eskapaden" von ihm vorgenommen und ich wurde nicht enttäuscht Ein englischer Landsitz in den goldenen Zwanzigern, ohnmächtige Ladys, Gespenster die herumgeistern, jede Menge Geheimgänge und eine Schar illustrer und skuriler Gäste u.a. Harry Houdini und Sir Arthur Conan Doyle, dazu ein gemeuchelter Lord, jede Menge trockener Humor und Satterthwaits amüsanter Schreibstil haben mir auch hier wieder jede Menge Lesefreude beschert...... Ein Buch das ich nur empfeheln kann! Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley- |
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