Rund ums Genre Historischer Roman » AW: Historisch korrekte Romane? (Seite 3)

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KlausP AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 10:36 Uhr
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Man darf auch bei der ganzen Exaktheit der historischen Romane auch nicht ausser Acht lassen, dass der Forschungsstand sich ändert weil der Stand der Technik sich geändert hat und man andere Möglichkeiten hat als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Siehe das Beispiel mit der Pest.
Manchmal muss man sich als Autor für ein Szenario, eine Person oder eine Deutung entscheiden.
Als ich für meinen "Centurio" einen Legaten für die XIX Legion im Jahre 15 v Chr brauchte, dachte ich anhand der Laufbahn, dass könnte auch Varus gewesen sein und baute ihn in die Geschichte ein.
2009 erschienen zum Thema 2000 Jahre Varusschlacht einige Veröffentlichungen in denen genau das als Forschungsstand (genauer Annahme der Forschung) veröffentlich wurde.
Da habe ich natürlich auch ein Stück weit Glück gehabt. Hätte man den Beleg gefunden, dass er in der Zeit in Spanien gewesen wäre, hätte man siehe Beispiel mit der Pest - schlecht recherchiert gesagt.
Ulli-und-keine-5-Tage AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 11:13 Uhr
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Bei dem Begriff "historisch korrekt" wackeln bei mir immer ein bißchen die Zähne, weil mich historische Korrektheit nicht glücklich macht, wenn die Geschichte schaurig geschrieben ist und - wie hier auch schon gesagt - der Forschungsstand sich stetig ändert. Dankbar bin ich einem Autoren immer, wenn er im Nachwort ausdrücklich schreibt, was nachgewiesen ist und wo der Autor zu Gunsten der Flüssigkeit der Geschichte geschummelt hat. Und wenn wie vor kurzem im Forum zu lesen war, ein historischer Roman für Leser eindeutig belegen soll, daß Richard Löwenherz nicht schwul war - über seine Sexualität dürfte vermutlich nur Richard sicher informiert gewesen sein - dann frage ich mich auch noch, was von der Gutgläubigkeit der Leser solcher "historisch korrekter" Bücher zu halten ist.

Historisch wohl sehr fundiert und zudem ausgezeichnet zu lesen sind die Bücher von Johannes Tralow, insbesondere seine Tetralogie über das osman. Reich und Patrick O´Brian, der in seinen Seefahrerromanen ebenfalls sehr viel über Politik, Gesellschaft und Moral der Zeit schreibt.

Yes, england, boy! A big, damn foggy island nor-nor-east of ushant. Think, you can find it?

IrisKammerer AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 11:47 Uhr
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Hallo, Salim!

Letztlich bleibt es doch auch dem Autor frei, sich ein Thema zu suchen, mit dem er sich entweder auskennt, oder welches ihn genug interessiert, alsdass er bereit ist sich ein wenig Fachwissen anzulesen. Schließlich scheint das Ihnen sowie einigen anderen allen Aussagen nach ja auch gelungen zu sein.


Bei mir war es so, dass ich mich (um beim Beispiel zu bleiben) speziell mit den römisch-germanischen Auseinandersetzungen im 1. Jh. n.Chr. und der dazugehörigen Rezeptions- und Forschungsgeschichte schon im Studium auseinandergesetzt hatte und erst etliche Jahre später zum Schreiben von Romanen kam. Es war also nicht zuerst eine Story da, sondern das Interesse und die Kenntnisse, die ich in der Recherche nochmals intensivierte. Auch die Romanhandlungen ergaben sich aus der Frage, wie es wohl Menschen ergangen sein muss, die damals in dieser Situation lebten, nicht umgekehrt.
Dass diese Handlungen auch dramaturgischen Regeln folgen müssen, um als Roman zu funktionieren, ist die zweite Seite. Aber der besondere Reiz lag darin, die Romanhandlung schlüssig innerhalb der historischen Möglichkeiten (wie sie sich derzeit in der Geschichtswissenschaft, der Archäologie etc. darstellen!!!) ablaufen zu lassen und nicht Historisches zugunsten des Plots zu verbiegen.

Ich persönlich hasse rosa-rot Welten, aber die angesprochene Verunglimpfung der "alten Zeiten" läuft einem leider genau so oft über den Weg. Und das nicht selten in Kombination mit auf einer Seite romantisch verklärtem Heldenblick. Es rührt wohl auch daher, dass die Gesellschaft gerne alles Schlechte in einen Topf schmeißt um diesen dann dem erstbesten Koch unter zu jubeln. Schließlich ist die eigene Gegenwart anscheinend umso besser, je schlechter wir die Vergangenheit darstellen.


So isses! *grinst*

Es gab und gibt immer und überall Phasen, in denen es besonders schrecklich zuging, und andere, in denen es sich gut leben ließ. Außerdem stehen Lebensqualität und Glück nachweislich nicht in einem proportionalen Verhältnis zum materiellen Wohlstand oder dem Zugang zu Informationen oder politischem Mitspracherecht. Wir reden uns das nur gerne ein, weil das unserer Lebensform entspricht - aber eine absolute, allgemeine Gültigkeit können solche Thesen nicht beanspruchen.
(Was nicht bedeutet, dass ich hier zu gegenteiligen Thesen aufrufen möchte - denn wenn eine These nicht allgemeingültig ist, heißt das noch lange nicht, dass ihr Gegenteil zutrifft.)

"Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen, Woran der Höllengeist die Menschen fasst." (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orléans)

IrisKammerer AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 11:54 Uhr
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Hallo, maimonides!

Alles in allem hat Deine Frage aber einen guten Zweck erfüllt, ich werde meinem "römisch angehauchten Mann" endlich Varus und die Folgebücher von Iris Kammerer bestellen.


Ein kleiner Hinweis: Band 2 der Trilogie ist derzeit leider nur antiquarisch greifbar - aber falls du ihn nicht zu einem akzeptablen Preis auftreibst, ist es auch keine Katastrophe, wenn ihr den dritten ohne den zweiten liest. Ich habe sie absichtlich so verfasst, dass sie verschieden sind, und Bezüge untereinander wurden (m.A.n.) nicht übertrieben. *grinst*

"Varus" steht ohnehin für sich allein.

"Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen, Woran der Höllengeist die Menschen fasst." (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orléans)

IrisKammerer AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 12:05 Uhr
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Hallo, Charlie!

Keine Sorge aber wegen Iris Kammerer. Mein Bruder hat mich nach seinem ersten Roman ("Wolf und Adler") von ihr gefragt: "Wieso gibt denn der sich als Frau aus? Muss man das heutzutage?"

*grinst breit* *grinst breit* *grinst breit* *grinst breit* *grinst breit* *Daumen hoch*

Das haste mir ja noch gar nicht erzählt!

Dann würde dein Bruder sich vermutlich auch nicht wundern, wenn er erfährt, dass mein Mann mir zu meinem letzten Geburtstag einen professionellen Akku-Buhrschrauber geschenkt hat, oder? *tanzt*

Allen Tipps hier im Thread kann ich mich eigentlich nur anschließen und möchte trotzdem noch Kirsten Schützhofer (schon genannt?) und Ulf Schiewe (mit kleinen mentalitätsgeschichtlichen Abzügen - dafür sehr spannend und humorvoll) anfügen.

"Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen, Woran der Höllengeist die Menschen fasst." (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orléans)

Eremita AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 17:46 Uhr
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Ich möchte mich Ulli anschließen. Zwar möchte ich in einem Roman nicht komplett auf den Arm genommen werden, was Charaktere von berühmten Persönlichkeiten und die Lebensumstände bzw. historischen Fakten angeht, wenn die Story stimmt, sehe ich über bestimmte Dinge hinweg.

"Wenn Gott den Menschen misst, legt er das Maßband nicht um die Taille, sonderm um das Herz." Sr. Gaudentia Bröcker, Ordensschwester/Clemensschwester

Yolanthe AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 18:07 Uhr
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Ein kleiner Hinweis: Band 2 der Trilogie ist derzeit leider nur antiquarisch greifbar - aber falls du ihn nicht zu einem akzeptablen Preis auftreibst, ist es auch keine Katastrophe, wenn ihr den dritten ohne den zweiten liest. Ich habe sie absichtlich so verfasst, dass sie verschieden sind, und Bezüge untereinander wurden (m.A.n.) nicht übertrieben.

"Varus" steht ohnehin für sich allein.


Wird es den 2. Band denn wieder geben?
maimonides AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 19:16 Uhr
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Iris,

vielen Dank für den Hinweis.

Jetzt möcht ich mal eine etwas persönliche Frage an die Autoren loswerden - paßt so schön.

Freut Ihr Euch, wenn Eure Bücher vergriffen sind oder ärgert Ihr Euch eher, daß die Leser sie nicht kaufen können?
maimonides AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 19:22 Uhr
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3001

Jetzt möchte ich doch nochmal was zur vielzitierten Kartoffel loswerden.

Ich habe mal ein Buch angefangen und da schwammen der Barsch und die Dorade im Atlantik. Früher hätte mich dieser Blödsinn dermaßen geärgert, daß ich das Buch nicht gelesen hätte. Zum Glück habe ich da eine Faust in der Tasche gemacht und das Buch dann doch gelesen. So kann es also auch gehen.

Den meisten Lesern ist das wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Ich finde es nach wie vor schlimm - zumal andere Fische der Handlung keinen Abbruch getan hätten, aber das Buch hat mich trotzdem sehr beeindruckt.
toma AW: Historisch korrekte Romane? 04.07.2011, 19:50 Uhr
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Bei den Fischen wäre es mir noch egal gewesen ... FALLS es mir aufgefallen wäre ... aber das Buch, in dem Heinrich der Löwe (geboren um 1129 ! ) den ERSTEN KREUZZUG 1099 anführte, das habe ich SOFORT abgebrochen *nono*
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