Die Histo-Couch » AW: Nanu, da stimmt was nicht... (Seite 18)

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rad-der-fortuna AW: Nanu, da stimmt was nicht... 24.01.2012, 17:29 Uhr
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Ich habe mich einmal etwas umgeschaut:
Einen ersten Blick warf ich in meinen Lexer (Mittelhochdeutsches Wörterbuch) – danach gab es bereits im Mittelhochdeutschen (im Hochmittelalter in Süd- und Mitteldeutschland gesprochen) das Wort „mulle“ bzw. „mul“ für „Staub“, „Müll“, "feine Erde"; - vgl. das neudeutsche Wort "Torfmull"!
Interessant ist auch, dass das mittelhochdeutsche Verb „“müllen“ bzw. „müln“ neuhochdeutsch „zerstossen“, „zermahlen“ bedeutet, ethymologisch gehen somit (zer-)mahlen und Müll auf die selbe Wurzel zurück;

Weitere Infos dazu im Ethymologischen Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer (läßt sich über weitere Ableitungen, sowie über die althochdeutsche Form aus)

Offenbar gelangte im 18. Jahrhundert das vor allem nun im Norddeutschland verbreitete „Müll“ in die hochdeutsche Schriftsprache.

Zu den Mülltonnen kann ich nur raten. Ich weiß, dass man im Mittelalter von Seiten der Räte bereits versuchte, in den Städten eine gewisse Hygiene und Abfallentsorgung zu organisieren. Dabei vermengte man das Problem des Aborts und des Abfalls vielerorts miteinander, indem man Gruben anlegte, oft in unmittelbarer Nähe der städtischen Brunnen. Das Grundwasser wurde somit sehr oft unwissentlich und trotz bester Absichten verseucht, was (der Begriff legt es nahe) zu Epidemien und Seuchen führte.
Nun muß man aber auch bedenken, dass die meisten Einwohner deutscher Städte noch bis in die Neuzeit Ackerbürger waren, das heißt sie betrieben in gewissem Umfang Ackerbau und hielten Vieh. Küchenabfälle wurden somit fast ausschließlich verfüttert oder untergegraben. Verpackungsmüll, wie wir ihn kennen, gab es natürlich auch nur in sehr bescheidenen Rahmen. Kaum etwas wurde leichtfertig weggeschmissen – Kleidung wurde vererbt!
Das einzige, was eventuell schon früh in Eimern gesammelt und dann entsorgt wurde, war die Asche („Keine heiße Asche einfüllen“ wer kennt die Aufschrift nicht?)

Das fand ich auf folgender Seite: www.aha-region.de/ 163.html
„Ab 1838 fuhren Kotwagen zweimal wöchentlich durch die Stadt und nahmen den Inhalt der am Straßenrand aufgestellten Tonnen mit, um sie auf die Rieselfelder vor der Stadt zu bringen. Gleichzeitig sorgten 70 Straßenfegerinnen, die sogenannte Besengarde, für eine gewisse Sauberkeit auf den Straßen Hannovers.“

Es mag womöglich Ende des 18. Jahrhunderts Tonnen oder Eimer für Asche, Müll o.ä. gegeben haben, das Bild eines Müllplatzes vor dem Haus mit den entsprechenden Tonnen ist für das Jahr 1786 jedoch anachronistisch.

tassieteufel AW: Nanu, da stimmt was nicht... 24.01.2012, 17:59 Uhr
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Im Mittelalter und auch später noch gab es Lumpensammler, die von Haus zu Haus zogen und alte Kleidung und kaputte oder ausrangierte Sachen mitnahmen um sie weiter zu verwerten. Ob dafür aber speziell das Wort "Müll" bzw. "Mülltonne" verwendet wurde weiß ich nicht, erscheint mir auch irgendwie zu modern, aber irgendeine Bezeichnung muß der "Müll" ja gehabt haben.......

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eignem Denken zu verleiten. -Christopfer Morley-

toma AW: Nanu, da stimmt was nicht... 24.01.2012, 18:05 Uhr
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Kehricht z.B.
tassieteufel AW: Nanu, da stimmt was nicht... 24.01.2012, 18:34 Uhr
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@toma,

genau, hätt ich auch selbst drauf kommen können, das Wort hat meine Oma noch benutzt....

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anne0815 AW: Nanu, da stimmt was nicht... 25.01.2012, 11:17 Uhr
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Hallo Toma und Tassieteufel,
ja, Unrat, Kehrricht oder gar Dreck hätte ich da schon eher akzeptiert *lacht laut*
Susannah AW: Nanu, da stimmt was nicht... 11.02.2012, 16:49 Uhr
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Ich habe zwar nichts gefunden, was nicht stimmt - aber etwas gefunden, was entgegen meiner Erwartung doch stimmt.

Ich bin in Hilary Mantels "Wölfe" auf den Begriff "Holocaust" gestoßen. Ich war irritiert, weil ich den Begriff nur aus dem Zusammenhang des NS-Regimes oder des Völkermords an den Armeniern kannte.

Also hab ich mal recherchiert - auch wenn's nur wikipedia war.

Tatsächlich taucht der Begriff bereits im alten Griechenland auf, damals noch in der näher am Wortlaut liegenden Bezeichnung "Brandopfer". Was mich wirklich erstaunte, war die Tatsache, dass der Begriff bereits im 15. und 16. Jahrhundert auch für die TÖtung / das Sterben vieler Menschen verwendet wurde.

Wieder was gelernt - auch wenn es hier der ein oder andere vielleicht schon wusste, wollte ich doch meine Überraschung teilen, dass dieser Begriff eigentlich sehr alt ist.

"Ich bin doch kein Butterdieb!" (Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne)

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