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adhara Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 09:26 Uhr
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Nachdem uns Pangloss (zu Recht) aus dem Macher-Thread gescheucht hat, ich aber die Diskussion rund um Umgang mit Bewertungen spannend finde, mache ich mal einen separaten Thread auf...

@Arthez
Natürlich stimmt es, dass viele Stimmen die Gradzahl auf einem Durchschnittsniveau einpegeln - und die Wertung wird wohl einem gewissen Mainstream folgen. Dadurch kann sie aber doch gerade Leuten, die sich am Mainstream orientieren, Hilfe sein. Leute mit etwas speziellerem Geschmack sind wohl nicht das Zielpublikum der Gradwertung. Sie aber deshalb wegzulassen, wäre wohl kaum der richtige Weg
olympia AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 09:44 Uhr
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Nun, die Bewertung mit Sternen oder Grad ist wohl immer schwierig.
Der eine gibt stets die volle Punktezahl wenn ihm ein Buch gefällt, ohne näher zu differenzieren was Sprache, Erzählstil etc. betrifft. Es gefällt ihm und Punkt um: 100 Grad. Der andere gibt demselben Buch, das er auch gut findet wie der andere Bewerter, um einen Stern oder 20 Punkte weniger, weil er der Meinung ist, die volle Punktezahl stehe nur Bücher zu, die in ALLEM (Stil, Sprache, Authentizität, Figuren...etc.) überzeugen und ein gewisses literarisches Niveau haben (möchte aber jetzt keine Diskussion vom Zaun brechen, was nun "literarisch" ist und was nicht *zwinkert* ).
Beide Leser finden das Buch also gut und dennoch zeigt sich ein Unterschied bei der Bewertung. Auch ich gestehe, dass hier auf der HC nur ganz extrem selten Bücher 100 Grad von mir bekommen. Ich differenziere einfach dahingehend, dass ich mir sage: Wenn ich nun einem Buch (bitte jetzt nur als Beispiel!!!) von Lion Feuchtwanger, der zweifelsohne zu den besten deutschsprachigen Literaten zählt, 100 Grad bekommt, wie kann ich dann einem Buch, dass zwar auch sehr gut ist, aber nie das Niveau eines Feuchtwangers (oder Zweig, Fontane, Mann.....etc.) erreicht, auch 100 Grad geben??? Das passt doch nicht zusammen, oder? Bewertet man beide gleich, stellt man sie ja auf dieselbe Stufe, obwohl da doch noch ein haushoher Unterschied ist.

Auch bin ich der Meinung (man möge mich dafür steinigen *zwinkert* ), dass ein Rezensent nicht nur seinen Geschmack in eine Bewertung einfließen lassen sollte, sondern zumindest versuchen sollte, das Buch mit einer gewissen Distanz zu sehen. Nur weil es einem persönlich nicht gefällt oder einfach nicht den eigenen Geschmack trifft, heißt dies ja noch lange nicht, dass das Buch schlecht ist... Zumindest sehe ich das so und nach diesen Kriterien versuche ich auch meine Rezensionen zu verfassen. Ob dies nun die richtige Variante ist, sei mal dahingestellt......


Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder meint, dass er genug davon hat. R. Descartes

adhara AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 10:01 Uhr
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@Olympia
Genau das zeichnet meiner Meinung nach aber einen professionell arbeitenden Rezensenten aus: Dass nicht nur der eigene Geschmack bewertet wird (der spielt bei allem halt trotzdem eine Rolle) sondern wirklich nach sprachlicher Kompetenz, Plotaufbau etc. Ausschau gehalten wird. In der Regel bekommen bei mir Bücher, die mir persönlich nicht sooo gefallen, die ich aber rezensiere, etwas bessere Wertungen, als ich sie privat gegeben hätten. Andererseits ziehe in der Wertung auch mal ab, wenn es Elemente gibt, die nicht ganz so überzeugend sind, die ich aber als private Leserin durchaus hätte gelten lassen. *pfeift* Also keine Steine für Deine Meinung *zwinkert*

Und was Du über die 100 Grad schreibst, ist mir natürlich auch schon aufgefallen. Ich ertappe mich dabei aber, dass ich in die persönlichen Bücherregale gehe und mir ansehe, wie die Leute ihre Bücher bewertet haben. Das lässt es dann zu, dass ich die Wertung, die mich gerade interessiert, sozusagen auf mein Wertungsschema umrechnen kann.
Pazuzu AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 10:24 Uhr
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Ich differenziere einfach dahingehend, dass ich mir sage: Wenn ich nun einem Buch (bitte jetzt nur als Beispiel!!!) von Lion Feuchtwanger, der zweifelsohne zu den besten deutschsprachigen Literaten zählt, 100 Grad bekommt, wie kann ich dann einem Buch, dass zwar auch sehr gut ist, aber nie das Niveau eines Feuchtwangers (oder Zweig, Fontane, Mann.....etc.) erreicht, auch 100 Grad geben??? Das passt doch nicht zusammen, oder? Bewertet man beide gleich, stellt man sie ja auf dieselbe Stufe, obwohl da doch noch ein haushoher Unterschied ist.


Feuchtwanger ist ein gutes Beispiel... *applaudiert*

Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung, halte den Vergleich der Autoren und Bücher aber mit zunehmender Anzahl Autoren bzw. Bücher für problematisch. Über ein paar Bücher mag das ja noch funktionieren. Aber was ist, wenn Du zwanzig Rezensionen von mehreren Autoren hast? Da ist doch der Zeitaufwand unverhältnismäßig, einen Abgleich über alle Autoren und Bücher zu erzeugen, um sie nach Deinen Vorstellungen sinnvoll zu hierarchisieren. Vielleicht kann man sich damit behelfen, dass man sie nicht zwingend, wie Du schreibst, auf dieselbe Stufe stellt, sondern lediglich in einen Pool setzt, in dem sie einem hervorragend oder durchschnittlich gefallen. Wir haben nun einmal keine exakten Kriterien, die zudem noch für alle Rezensenten verbindlich und für alle Leserinnen und Leser jederzeit gegenwärtig wären. Ganz abgesehen davon, dass es sehr schwierig sein dürfte, das "Niveau eines Feuchtwangers" oder anderer Autoren auf ebenso einsichtige Weise zu bestimmen.


Auch bin ich der Meinung (man möge mich dafür steinigen ), dass ein Rezensent nicht nur seinen Geschmack in eine Bewertung einfließen lassen sollte, sondern zumindest versuchen sollte, das Buch mit einer gewissen Distanz zu sehen. Nur weil es einem persönlich nicht gefällt oder einfach nicht den eigenen Geschmack trifft, heißt dies ja noch lange nicht, dass das Buch schlecht ist... Zumindest sehe ich das so und nach diesen Kriterien versuche ich auch meine Rezensionen zu verfassen. Ob dies nun die richtige Variante ist, sei mal dahingestellt......


Hier stimme ich Dir auch zu, würde es sogar noch etwas schärfer fassen: Die distanzierte Bewertung sollte das Hauptanliegen sein, und sie sollte für die Leserinnen und Leser transparent sein. Die geschmackliche Bewertung kann natürlich auch in die Rezi, sollte dann aber als solche ausgewiesen sein. Schlimm finde ich eigentlich nur intransparente Rezensionen, zumal, wenn sie (versteckte) Geschmacksbewertungen sind, sich aber sachlich neutral gebärden.

Pazuzu AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 10:40 Uhr
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Gradzahlen, amazon-Sternchen u.ä. interessieren mich eher nicht, weil ich nicht weiß, wie sie zustande kommen, auch wenn die Zahl der Bewertenden größer ist.

Was mich aber interessiert, das sind transparente Rezensionen. Die bekomme ich im Zeitschriftenfeuilleton zwar immer weniger geboten, aber im Web gibt es doch einige Seiten, die hier etwas zu bieten haben.
adhara AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 10:40 Uhr
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@Pazuzu
Wobei es immer der Fall sein wird, dass eine Rezension, die den persönlichen Geschmack eines Lesers nicht spiegelt, von diesem als unsachlich und unprofessionell betrachtet wird. Es liegt in der menschlichen Natur, die eigene Meinung zum Mass aller Dinge zu nehmen. So kann es schon mal vorkommen, dass ein Rezensent übel beschimpft wird, nur weil er nicht gleich über das Buch urteilt, wie der Fan (oder der frustrierte Leser). Und hier kommen wir zum Punkt: Wessen Einschätzung ist nun die "sachlichere"... Natürlich gibt es klare Kriterien und die gehören meiner Meinung nach auch in die Rezension. Doch könnte es durchaus sein, dass mir eine kritische Auseinandersetzung als die von Dir angeprangerte versteckte Meinung ausgelegt wird.
Pazuzu AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 11:10 Uhr
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@PazuzuWobei es immer der Fall sein wird, dass eine Rezension, die den persönlichen Geschmack eines Lesers nicht spiegelt, von diesem als unsachlich und unprofessionell betrachtet wird. Es liegt in der menschlichen Natur, die eigene Meinung zum Mass aller Dinge zu nehmen. So kann es schon mal vorkommen, dass ein Rezensent übel beschimpft wird, nur weil er nicht gleich über das Buch urteilt, wie der Fan (oder der frustrierte Leser). Und hier kommen wir zum Punkt: Wessen Einschätzung ist nun die "sachlichere"... Natürlich gibt es klare Kriterien und die gehören meiner Meinung nach auch in die Rezension. Doch könnte es durchaus sein, dass mir eine kritische Auseinandersetzung als die von Dir angeprangerte versteckte Meinung ausgelegt wird.


Zwar bin ich sehr geneigt, Dir zuzustimmen, würde es aber etwas weniger allgemeingültig sehen. Es gibt Leser, die ein vom eigenen Geschmacksurteil abweichendes sachliches Urteil des Rezensenten derart bewerten, wie Du schreibst. Weil es eben in der menschlichen Natur liegt...Aber wieviele Leser sind es tatsächlich? Ich nehme an, es sind viele, kann dazu aber nicht viel sagen. Ich weiß nicht einmal, ob es heute häufiger der Fall ist als vor zehn, zwanzig oder hundert Jahren.

Dass eine kritische Auseinandersetzung als versteckte Meinung ausgelegt wird, kommt sicher häufiger vor, wenn ich meine Erfahrungen betrachte. Aber das nehme ich wohlwollend in Kauf, schon allein, weil es meist nichts bringt, sich mit denen, die sich zum Maß aller Dinge ausrufen, auseinanderzusetzen. Es gibt immer Menschen, die sind, wie von Dir beschrieben. Umso wichtiger erscheint es mir, sachlich-kritisch sich auseinanderzusetzen, mit der Literatur allemal, vielleicht auch, wenn sie Lust haben, mit denen, die mit den von Dir angesprochenen Unterstellungen kommen.

adhara AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 11:16 Uhr
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@Pazuzu
Im Prinzip ist doch jede Diskussion über ein Buch fruchtbar - wenn sie nicht in einen Glaubenskrieg ausartet und gewisse Grenzen überschritten wird. Selbst wenn die Meinungen sich nicht annähern, so findet doch - hoffentlich - eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt statt. Und das kann dem Buch eigentlich nur gut tun. Denn wie oft schon habe ich aufgrund einer solchen Diskussion eine Lektüre überhaupt erst zur Kenntnis genommen, bzw. hat sie mich zu interessieren begonnen
Pazuzu AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 11:40 Uhr
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@adhara

natürlich hast du recht, das sehe ich auch so. nur die vor dir angesprochenen leute, die sich zum maß aller dinge erklären, habe ich gleichgesetzt mit den jetzt von dir benannten glaubenskriegern. mag sein, dass ich falsch liege, aber die gruppen scheinen mir als "fundamentalisten" doch übereinzustimmen. wer sich zum maß aller dinge erhebt, akzeptiert anderes maß ebensowenig, wie dies der glaubenskrieger macht.

mit allen anderen sind diskussionen über bücher fruchtbar, keine frage.

stimmt mein eindruck, dass wir im grunde übereinstimmen?

liebe grüße, pazuzu
adhara AW: Rezension, Gradzahl und Sternchen 04.02.2010, 14:17 Uhr
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@Pazuzu
Ja, ich denke, wir sprechen beide vom Gleichen.... *zwinkert*
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