Small Talk in der Plauderecke » AW: Wie lese ich, welche Beschreibungen "brauche" (Seite 9)
| Geli | AW: Wie lese ich, welche Beschreibungen "brauche" | 07.03.2008, 14:00 Uhr |
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Du magst es nicht glauben - aber ich finde als Lektor staendig solche Beispiele in Texten (das mit dem Haekeln ist ein Original). Das hätte ich jetzt nicht gedacht! Streitfaelle sind "seufzte er" und "lachte er" - die gefallen mir nicht - aber ich muss sie im Text durchgehen lassen. Würde mich nicht wirklich stören. Genauso wie "spann x vor sich hin" oder so was. Und die Stelle in einer deutschen Grammatik, die *das* als Fehler nennt, musst du mir doch mal zeigen. "Langsame" Anfänge finde ich oft richtig schön. Ich fall nicht gern mit der Tür ins Haus. Ich möchte die Szenerie erstmal kennen lernen. Das fand ich zB in Kristus von Robert Schneider ganz toll!!! Mal ne neugierige Frage: Wenn du so was in einem Text änderst, muss der Autor das übernehmen? Ich mein, wenn das zB geschmacksfrage wäre, fände ich es sehr unfein, wenn der Geschmack des Lektors über dem des Autors steht. Wer bestimmt denn dann über den Stil des Buches? Schriftsteller verzeihen ihren Kollegen alles, nur nicht den Erfolg. (Marcel Reich Ranicki) |
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| CharlieLyne | AW: Wie lese ich, welche Beschreibungen "brauche" | 07.03.2008, 15:01 Uhr |
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Nein, nein, das muss der Autor nicht uebernehmen, schon gar nicht von mir (es gibt Lektoren, die sich da streiten). Der Geschmack des Lektors sollte (!) ohnehin keine Rolle spielen. Allerdings ist mein Auftraggeber ja der Verlag, nicht der Autor, das heisst ich bin in erster Linie dem Verlag und dessen Richtlinien verpflichtet. Und ein freiberuflicher Lektor, der so etwas stehen laesst, kann sich seinen Ruf auch rasch ruinieren, falls das gehaeuft in Rezensionen etc. erwaehnt wird. Aber zu so etwas kommt es meist gar nicht. In der Regel laeuft sowas ja unproblematisch ab, die meisten Autoren/Lektoren-Teams funktionieren klasse, und man einigt sich leicht, weil beide im Interesse des Buches arbeiten (und vier Augen mehr als zwei sehen, Als Lektor ist ja meine Aufgabe nur, kleine Schwaechen zu finden, die der Autor uebersehen hat - nicht ihm meine Ideen von seinem Buch aufzudruecken). Mir hat gerade eine Lektorin einen Satz als Stilbluete angekreidet, dessen Stilbluetencharakter ich durchaus sehen konnte, den ich aber trotzdem huebsch und amuesant fand. Der Satz blieb letztendlich im Text. Sie hat gesagt: "Ja, ich finde, das klingt komisch, aber wenn Ihnen so viel dran liegt ..." Grammatikalisch, da hast Du natuerlich recht, ist auch der Haekel-Satz korrekt. Was hakt, ist die Semantik, und wenn ein Autor das als seinen Stilwillen deklariert und der Verlag nicht ausdruecklich auf anderem beharrt, dann ist es eben sein Stilwille. So ist es ja auch mit Neologismen. Die streicht man erst mal an. Aber wenn dann ein Autor erklaert, warum er an der Stelle ein neues Wort erfinden MUSSTE - dann moechte ich ihm das Wort auch lassen, solange es verstaendlich bleibt. Den Anfang von Kristus - wie das ganze Buch - finde ich auch ganz, ganz toll. Das Buch stinkt richtig, so sinnlich ist alles beschrieben. Ich bin traurig, dass ich's ausgelesen hab. Viele Gruesse von Charlie Codename "Max" 28. Januar 2012 |
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