Small Talk in der Plauderecke » Tag der Muttersprache
| Lexa | Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 11:56 Uhr |
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Heute ist Tag der Muttersprache und für mich der Grund, mal etwas loszuwerden. Mehr und mehr stinkt es mich an, daß im Deutschen Sprachgebrauch zunehmend mehr Englische Wörter einfließen und enorm "schick" sind. Manchmal kommt es so, daß man regelrecht nach einem entsprechenden Deutschen Wort suchen muß, so hat sich das Englische eingebürgert. Gut, letztendlich kann man nichts dagegen tun, daß sich Sprache verändert. Aber selber kann man sich bemühen, Deutsche Wörter zu gebrauchen, weil für wirklich jeden Zweck gibt es eins! Wenn ich hier z.B. immer lese "sorry", dreht es mir die Fingernägel auf. Wenn ich Mail´s erhalte mit "sale" - ungelesen in den Papierkorb, ebenfalls gehe ich in kein Geschäft mit selbigem Plakat. Gar nicht davon zu sprechen von den neumodischen Wörtern im Arbeitsleben, da hört sich dann die Putzfrau und der Hausmeister sogar noch toll an, auch langweilige Sitzungen werden aufgewertet. Nur gut, daß inzwischen renomierte Firmen dazu übergehen, diese "Fachausdrücke" aus ihrem Abeitsjargon zu verbannen. Unsere Deutsche Sprache mit all ihren Dialekten ist eine schöne, vielschichtige Sprache und ich finde, wir alle sollten bemüht sein, sie zu pflegen und zu erhalten. Einer der Gründe, warum ich Historische Roman liebe ist der, daß ein wirklich guter Historischer Roman ohne diese Englischausdrücke auskommen muß. Lieben Gruß Lexa Lieber barfuß als ohne Buch |
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| maimonides | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 12:28 Uhr |
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Lexa, Du hast meine volle Zustimmung. Für mich ist dieses "ok" furchtbar und kann man nicht einfach Entschuldigung sagen, das hört sich viel besser an als "sorry". Noch schlimmer finde ich "total toll" - nicht englisch, aber sagt auch nichts aus. Ich kenne jemanden, der benutzt das in jedem zweiten Satz. Ich stelle mir immer vor, meine Oma würde noch leben und durch die Stadt gehen. Vor lauter "sale" und "Coffee to go" würde die glatt erschlagen. Noch schlimmer dieses gesimse ohne richtige Wörter. So reden die Jugendlichen dann auch auf der Straße und wenn ich dann die Bewerbungsschreiben lese - da dreht sich einem nur noch der Magen um. Ich habe gerade "Die zwölfte Nacht" beendet. Da ist das Gras nicht grün, sondern junigrün - solche Sachen finde ich klasse. Das Buch war/ist spachlich wirklich ein Hochgenuß. |
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| anath | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 13:59 Uhr |
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Tja...versteht mich nicht falsch, ich finde die zunehmende Anglisierung unserer Sprache auch schrecklich und könnte mich kringeln, wenn ich mit schöner Regelmäßigkeit auf Leute treffe, die versuchen, mit möglichst affektierter Aussprache und viel Pseudo-Englisch ihre kleine Persönlichkeit aufzupeppen (ich glaub, das war auch aus dem Englischen geklaut). Aber genau da bin ich beim Problem. Ich ärgere mich einerseits, wenn ich ins Parkhaus fahre und am Automaten steht "Bitte Button drücken und Park-Coin entnehmen !". Erstens kann man's auch deutsch schreiben und zweitens sind die geklauten Substantive groß geschrieben als ob es deutsche Substantive wären - sind sie aber nicht. Ich lach mich tot , wenn ich am Laden gegenüber lese : Back-Factory (ääääh ...Rückenfabrik ? Ist aber nur ein schnöder Bäckerladen.) . Ich krieg das Gruseln, wenn mir auf dem Markt "Body-Bags" angeboten werden (gemeint sind diese komischen Gürteltaschen, auf englisch ist ein bodybag aber ein Leichensack !!!!). Andererseits nutze ich täglich jede Menge Fremd- und Lehnwörter, einige seit ein paar hundert Jahren, andere wohl schon seit mehr als tausend Jahren im deutschen Sprachgebrauch. Wie mag das wohl vor ca. (sic!) 1500 Jahren gewesen sein, als sich immer mehr Latein in der deutschen Sprache breit machte und altgermanische Großmütter wohl auch so manches mal verständnislos den Kopf schüttelten ? Oder in Berlin vor rund 400 Jahren, als die Hugenotten hier in Preußen anrückten, freundlich aufgenommen wurden und aus Frankreich nicht nur so leckere Sachen wie Spargel (naja, das war nun nicht gerade das wohlschmeckendste Beispiel Wie haben sich die "Wessis" über unsere Broiler mokiert - ohne zu wissen, daß das ein englisches Wort ist - während es doch im Westteil dieses Landes allenthalben Poulardenschenkel und Chicken-Grill gab (und mittlerweile auch bei uns gibt). Ist es nicht eigentlich so, daß unsere Sprache ständig aufnimmt , sich verändert, Ballast abschmeißt und nur das bleibt, was lebenstauglich ist ? Vielleicht müssen wir nur noch ein wenig durchhalten bis dann diese bescheuerte Mode wieder abebbt ? Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| Rixa | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 14:38 Uhr |
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Abebbt? Oder abgeebbt wird, durch russische oder chinesische Eindeutschungen. Das kommt als nächstes. Es lohnt sich nicht, sich drüber aufzuregen. Fremdsprachenverwertung in dieser Form gab es zu jeder Zeit und wird es geben, solange nicht alle Menschen dieselbe Sprache sprechen. Das kommt vom Reisen, das kommt von Internetforen, und das kommt vom Cool-Sein. Man wird es niemals abstellen können. (In Dänemark sind "Sale"-Plakate wieder dem ur-dänischen "Udsalg" gewichen, man bemüht sich ernsthaft um den Erhalt, aber das ist eine schwierige Angelegenheit, wenn im Königshaus kaum noch jemand dänisch spricht und wenn die britischen und amerikanischen und französischen Filme nicht synchronisiert, sondern unterbetitelt werden. Alles eine Frage der Reize ... und der Globalisierung.) "Cela resamble bien un romang et en le racontemps, bien de jans ne vous croirong pas." |
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| anath | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 15:20 Uhr |
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Russisch ? Man höre und staune...Ich war jedenfalls sehr verdutzt, als ich zum ersten Mal "Clockwork orange" las und die Jungs dort nicht anglisierten sondern "russophierten" oder wie man das nennt. Auf die Idee, daß die dort russisch sprechen könnten bin ich irgendwie gar nicht gekommen weil doch sonst immer alles englisch ist. Doch blago boga (Gott sei Dank) platzt irgendwann auch der dickste Knoten ! Allerdings könntest du recht haben, liebe Rixa, mein Sohn beherrscht aus Schulzeiten noch immer sehr gut diverse russische Schimpfwörter, und er hat russisch nicht auf dem Lehrplan gehabt... Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| anath | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 15:23 Uhr |
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Und was ich noch schreiben wollte, ich hab's schon mal als Signatur gehabt und finde es nach wie vor sehr hübsch : Die voluminöse Expansion subterraler Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur Kapazität des Intellekts ihrer Produzenten. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| Margitta | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 16:03 Uhr |
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Also im unagrischen haben sie vor langem alle englischen Wörter wieder in ungarisch schreibt ! Hospital -Korhaz Universität- Egyetem usw. Anth -aber Dein Satz ist ja wirklich gut.Darf man da sagen -Ich verstehe nur Bahnhof ? |
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| anath | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 16:11 Uhr |
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Hm...nur daß weder Hospital noch Universität englische Wörter sind sondern aus dem Lateinischen stammen. Ich hab übrigens gerade mit einer sehr nervigen Dame telephoniert die am Ende eines Satzes immer "käääiii" sagte, was wohl die jetzt gerade angesagte Form von O.K. ist und meiner Erfahrung nach vor allem von Menschen benutzt wird, die es besonders dringend nötig haben ihr Bildungsdefizit zu kaschieren. Margitta, soooo schwer ist der Satz gar nicht zu übersetzen, er klingt nur so pompös. Ist im Prinzip das Gleiche wie "kääääiiii" ! Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| Eremita | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 16:32 Uhr |
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Viele Ausdrücke und Bezeichnungen finde ich übertrieben (z. B. voten, Hotline, Ranking, Meeting-Point, Facility-Manager, Check-up) andere sind mir über Jahre in Fleisch und Blut übergegangen wie z. B. "okay". Könnte man Jeans oder Computer einfach durch deutsche Wörter ersetzen? Am schlimmsten finde ich noch die Werbesprüche (Slogan!). Wenn ich schon nicht alles auf Anhieb verstehe oder genervt bin, wie geht dann erst der älteren Generation? Meine Schwiegereltern (70/73) haben nie englisch gelernt, fragen aber immer nach und lernen tapfer dazu, weil sie sich nicht blamieren wollen. Ich würde es begrüßen, wenn die vielen Anglizismen in der deutschen Sprache weniger würden. "Wenn Gott den Menschen misst, legt er das Maßband nicht um die Taille, sonderm um das Herz." Sr. Gaudentia Bröcker, Ordensschwester/Clemensschwester |
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| Eremita | AW: Tag der Muttersprache | 21.02.2011, 16:37 Uhr |
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PS: ich hatte einmal einen Diabetes-Patienten, der anrief, weil es ein neues Messgerät brauchte. Er bestand darauf, das es wieder "ohne Tuch" sein musste. Meine damalige Chefin konnte sich darauf keinen Reim machen und auch der Verkäufer aus dem benachbarten Sanitätshaus nicht. Als der alte Herr schließlich mit seinen alten Gerät in die Praxis kam, stellte sich heraus, das er "One Touch" meinte... "Wenn Gott den Menschen misst, legt er das Maßband nicht um die Taille, sonderm um das Herz." Sr. Gaudentia Bröcker, Ordensschwester/Clemensschwester |
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