Small Talk in der Plauderecke » Gratulation für einen König
| anath | Gratulation für einen König | 24.01.2012, 20:33 Uhr |
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Mein lieber Friedrich, heute wärst du 300 Jahre alt geworden und immerhin hast du es geschafft, in diesen Jahren nicht im Staub der Vergessenheit zu versinken. Ich weiß auch nicht so recht, ob ich dich gut oder schlecht finden soll. Einerseits imponierst du mir schon mit deiner Klugheit, der wunderschönen Musik die du komponiert hast, den Schlössern die du hast bauen lassen. Mir gefällt , daß eine deiner ersten Amtshandlungen war, die Folter abzuschaffen und auch das Säcken, wo junge Frauen selbst den Sack nähen mußten in dem sie dann ertränkt wurden - das war die Strafe für Kindesmord. Es gibt so viele gute Dinge, die du der Welt hinterlassen hast. Aber wiegen diese Dinge den Schrecken auf, den du verbreitet hast mit deinen Kriegen ? Die Skrupellosigkeit, mit der du junge Männer in deine Armee gepreßt hast ? Man sagte, Preußen sei kein Land mit einer Armee sondern eine Armee mit einem Land. Und sei ehrlich : deine Justizreform ist im märkischen Sande verlaufen, an den Junkern gescheitert. Du hast die Leibeigenschaft nicht abgeschafft weil du Angst hattest, daß der Adel meutert. Wiegt das Oderbruch, daß erst durch deine Initiative ein fruchtbares Land geworden ist, das auf ? Ich weiß es nicht. Trotz allem : Ich gratuliere dir zu deinem 300. Geburtstag , denn du hast es geschafft, tiefe Spuren zu hinterlassen - schöne und schreckliche. Happy birthday, Friedrich Nummer II. ! Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| Larna | AW: Gratulation für einen König | 24.01.2012, 21:58 Uhr |
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Sehr toller Text, anath. Bestärkt mich mal wieder darin, mich doch etwas näher mit dem alten Fritz zu beschäftigen! Lieben Gruß Larna "Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller) |
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| anath | AW: Gratulation für einen König | 24.01.2012, 22:12 Uhr |
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Oh, da hast du ja dieses jahr reichlich Gelegenheit . Es kommen ja ein paar Bücher raus in denen er mitspielen darf. Und bei uns, also in Berlin und Potsdam , ist so einiges los in Sachen Friedrich. Wie wär's mit einer Stippvisite im noch nicht ganz hohen Norden ? Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| toma | AW: Gratulation für einen König | 24.01.2012, 22:29 Uhr |
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Ich kann an ihm nicht "großes" finden ... Er hat jahrelang unter seinem tyrannischen Vater gelitten und sich selbst seiner Familie, vor allem aber seiner Frau gegenüber nicht anders verhalten. Zwar hat er nicht geprügelt, aber seelische Grausamkeit tut auch weh. „.. wenn ich mich verheirate, werde ich gewiss ein schlechter Ehemann sein … der bloße Gedanke an meine Frau ist mir so eine verhasste Sache, dass ich nicht ohne Abneigung daran denken kann. … Trotzdem würde ich aus Gehorsam alles tun, aber niemals in guter Ehe leben.“ DAS hat Friedrich vor seiner Ehe an den Minister Grumkow geschrieben und seine unglückliche Frau hatte über 50 Jahre darunter zu leiden, umso mehr, als sie ihn geliebt hat. Er hat nicht einmal den Schein aufrecht erhalten, sondern sie gleich nach seiner Thronbesteigung auf´s Land verbannt, wo sie "zurückblieb, wie eine Gefangene" (O-Ton Elisabeth Christine von Braunschweig) Sie wurde als regierende Königin selbst zu Hof- und Familienfesten nicht eingeladen, noch hat sie Schloss Sancoussi je betreten und hat ihren "Ehemann" jahrelang nicht gesehen. Ihre einzige „Schuld“ war, dass Friedrichs Vater ihn zur Heirat mit ihr gezwungen hat und dieser zu feige, bzw. zu "gehorsam" war, sich gegen ihn durchzusetzen. Seine Wut - oder war es vielleicht Scham ? - darüber hat er dann jahrzehntelang an seiner Frau ausgelassen. Seinen Beinamen "verdankt" er Tausenden toter Soldaten und DAS ist für mich kein "Verdienst" Meine Leseempfehlung: "Ich bleibe zurück wie eine Gefangene" - Karin Feuerstein-Praßer |
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| maimonides | AW: Gratulation für einen König | 24.01.2012, 23:18 Uhr |
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@toma Tut mir leid, aber arrangierte Ehen gab es überall. Friedrich jetzt anzulasten, daß seine Frau sich in ihn verliebt hatte und diese Liebe sie todunglücklich gemacht hat ist mehr als unfair. Was kann der alte Fritz dafür? Warum sollte er sich auch gegen die aufgedrängte Frau wehren - er hätte sich eh der Staaträson beugen müssen. Was hatte er auch für eine Wahl - sein Vater hatte ihm doch keinen Ausweg gelassen, wenn wir mal ehrlich sind. Ich glaube, daß ihm nach dem verschuldeten Tod von Klatte auch nicht mehr viel "Rebellentum" geblieben ist. Seine unglückliche Ehe würde ich ihm nicht ankreiden. Mal abgesehen davon, daß eine in "Anbetung" versunkene Ehefrau auf die Dauer nervig ist und keine Bereicherung für ihn dargestellt haben wird. Das mag jetzt etwas überspitzt ausgedrückt sein, aber ich mag keine Frauen, die sich im Selbstmitleid suhlen, weil ihre Männer sie nicht lieben. Das war damals in gewissen Kreisen einfach so. Sicher hat der Alte Fritz auch Kriege angezettelt und viele Menschen in den Tod getrieben damit, aber auch damit steht er nicht alleine da - viele Herrscher damals haben eher nach Expansion gestrebt. Ich will das auf gar keinen Fall schönreden, zumal ich eher zu der Fraktion "Schwerter zu Pflugscharen" gehöre, aber er hat sich kaum anders verhalten in der Hinsicht als viele andere Regenten. Außerdem sollte man bei der ganzen Geschichte auch nicht außer Acht lassen, daß er mit Sicherheit in einige Kriege verwickelt worden wäre, wenn er nicht selbst angegriffen hätte. Seine Nachbarn waren auch nicht gerade zahm. Wie gesagt, ich will ihn nicht in Schutz nehmen, aber in gewisser Weise kann ich Deine Antipathie nicht so ganz nachvollziehen. Sollte er mit seiner Frau so leben wie seine Eltern? Das war auch nicht der Hit und nervenaufreibend allemal. Die Kinder wurden doch zwischen den Eltern nur aufgerieben. Wenn Du ihn nicht magst, iO. - kann ich akzeptieren, die Gründe kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ansonsten war er in vielem ein Kind seiner Zeit, dem auch ein richtiger/ehrlicher Freund gefehlt hat. Eigentlich eher ein bedauernswerter König. |
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| Margitta | AW: Gratulation für einen König | 25.01.2012, 07:28 Uhr |
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Anath - Deine Gratulation an Friedrich gefällt mir sehr gut ! Es gibt nicht mehr zu sagen ! |
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| CharlieLyne | AW: Gratulation für einen König | 25.01.2012, 08:13 Uhr |
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Ich hatte auch meine Freude daran - ein praechtiger Geburtstagsbrief, Anath! Grundsaetzlich finde ich es hochproblematisch, die Menschen anderer Epochen aus ihrem Kontext zu loesen und mit den Massstaeben unserer eigenen Epoche zu messen - besonders, was deren Privatleben betrifft. Daraus entstehen dann so Klischee-Urteile wie: "Der boese Henry, der seine ganzen Frauen abgemurkst hat" oder "Iwan, der Schreckliche". Grundsaetzlich - das gebe ich zu - interessiert mich das Privatleben von Herrscherpersoenlichkeiten nur peripher, d.h. da, wo es fuer die politische Persoenlichkeit relevant wird. Das liegt zu einem grossen Teil daran, dass sich meiner Meinung (und beschraenkten Erfahrung) nach dieses Privatleben in noch viel staerkerem Masse unserer Beurteilung entzieht als das politische Tun. Herzliche Gruesse von Charlie Codename "Max" 28. Januar 2012 |
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| anath | AW: Gratulation für einen König | 25.01.2012, 10:37 Uhr |
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Das sehe ich genauso. Warum Friedrich verwehren was auch einem Heinrich oder sogar einem Caligula zugestanden wird ? Ich denke, es gibt generell keine unumstrittene Herrscherpersönlichkeit. Und als Preußin sehe ich , daß dieser König sowohl sehr Negatives als auch Positives hinterlassen hat. Und er selbst hat einmal gesagt, daß er mit der Melioration des Oderbruchs auf friedlichem Wege mehr Land gewonnen hat als in seinen Kriegen (oder so ähnlich, ganz genau krieg ich das nicht mehr zusammen). Und was seine Kriege angeht : Nein, ganz gewiß finde ich das nicht toll, was da gelaufen ist. Leider ist es eben so, daß das Große Militärwaisenhaus in Potsdam zu seinen Zeiten tatsächlich mit Waisen und Halbwaisen bevölkert war. Zu Zeiten seines Vaters dagegen, der ja den Spitznamen "Soldatenkönig" trug und der dieses Waisenhaus gegründet hat, kamen die Kinder aus anderen Gründen dort hin. Da gab es nämlich die sogenannte "Soldatenehe". Die armen Kerle waren lebenslang in der Armee, an Heirat und ordentliches Familienleben nicht zu denken. Die Soldaten durften sich aber mit einer Frau zusammen tun, kriegten dann eine Stube zugewiesen und lebten mit ihr. Hatte der Soldat die Nase voll, dann schickte er die Frau weg. Gab es gemeinsame Kinder dann konnten die ins Militärwaisenhaus gebracht werden und niemand durfte der Frau einen Vorwurf wegen Unzucht machen. Kriege hat der Soldatenkönig aber nicht geführt und darum gab es zu seiner Zeit auch kaum echte Waisen in dieser Zuchtanstalt für preußischen Gehorsam. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| arno | AW: Gratulation für einen König | 25.01.2012, 11:25 Uhr |
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Lieber Fridericus Rex, an Dir spalteten sich die Geister schon zu Deinen Leb- zeiten, warum soll es Heute anders sein, man kann eben nicht von allen geliebt werden. Meine Glückwünsche für Deinen 300sten Geburtstag. Von der Einführung der allgemeinen Schulpflicht hat noch keiner was gesagt. Gäbe küssen Flecken, wären alle Mädchen Schecken ;-) |
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| anne0815 | AW: Gratulation für einen König | 25.01.2012, 15:30 Uhr |
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Mein lieber Friedrich, heute wärst du 300 Jahre alt geworden und immerhin hast du es geschafft, in diesen Jahren nicht im Staub der Vergessenheit zu versinken. Ich weiß auch nicht so recht, ob ich dich gut oder schlecht finden soll. Einerseits imponierst du mir schon mit deiner Klugheit, der wunderschönen Musik die du komponiert hast, den Schlössern die du hast bauen lassen. Mir gefällt , daß eine deiner ersten Amtshandlungen war, die Folter abzuschaffen und auch das Säcken, wo junge Frauen selbst den Sack nähen mußten in dem sie dann ertränkt wurden - das war die Strafe für Kindesmord. Es gibt so viele gute Dinge, die du der Welt hinterlassen hast. Coole Idee von Dir! |
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