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CharlieLyneAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 14:42 Uhr
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Das ist wirklich ganz toll!

Umso mehr, als die Bild-Liste ja die ist, die alle berücksichtigt - Selfpublishers, Verlagsbücher, Amazon-Buecher, wirklich alle Bücher, die es gibt. Der grösste mögliche Konkurrenzpool. Herzlichen Glückwunsch!

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."Ararat - "Und sie werden nicht vergessen sein" - Knaur, 1. März 2016www.charlotte-lyne.com

-LENA-AW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 16:29 Uhr
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Man darf aber auch nicht vergessen, dass Deutschland Besatzungsmacht war. Mit der Bevölkerung wurde nicht gerade human umgegangen. Horrorgeschichten hat mein Vater auf dem Rußlandfeldzug erlebt. Es fanden sich genug normale Soldaten, die sich freiwillig gemeldet haben, wenn es z,B, um Tötungen von Säuglingen etc. ging.

Ich bin auf jedenfall dankbar, dass ich unter demokratischen Verhältnissen, und nie Krieg erlebt habe oder flüchten musste, aufgewachsen bin. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich nie erleben werde, dass nationalistisches Gedankengut wieder hoffähig wird.

Vielen Dank Melanie für die Hintergrundinformationen und die Begleitung der Leserunde. Platz 20 hört sich doch gut an. Nun warte ich auf die Fortsetzung in den Wirtschaftswunderjahren.

MelanieMetzenthinAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:17 Uhr
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Vielen Dank für die Glückwünsche.

Ich möchte noch mal was zum Thema "Befreiung" klarstellen. Ich persönlich betrachte das aus der Sicht von jemandem, der 24 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs geboren wurde, auch als Befreiung. Mir ging es bei der differenzierten Betrachtungsweise nicht um meine persönliche Weise, sondern um die Sichtweisen, die damals vorherrschten - und da war der Begriff "Befreiung" differenziert zu betrachten.

Mein Vater, der als Kind sowohl Amerikaner als auch Briten erlebt hat, hat da auch ganz massive Unterschiede berichtet. Viele Amerikaner konnten Deutsch und haben auch Deutsch gesprochen und waren sehr freundlich. Die Briten konnten (oder wollten) kein Deutsch sprechen, waren z.T. recht reserviert (was mein Vater für sich selbst als Kind damit begründete, dass die eben im Gegensatz zu den Amerikanern auch bombardiert worden waren). Während die Amerikaner den Deutschen durchaus nach einiger Zeit freundschaftlich auf Augenhöhe begegnet sind, war das bei den Briten wesentlich seltener und es gab viel mehr Animositäten. Aber auch auf deutscher Seite - man verübelte es den "Tommys", dass sie ihrer Bombenangriffe immer nachts unternahmen, während die Amerikaner tagsüber kamen. Deshalb waren die Amerikaner als mutiger und anständiger in der Wahrnehmung der Bevölkerung.

Ich gebe hier nur ungefiltert wieder, wie mein Vater mir seine Kindheitserlebnisse mitteilte - das ist alles subjektiv. Aber wenn man Romane schreibt, geht es ja auch um subjektive Wahrnehmungen, um glaubwürdige Charaktere zu schaffen. Und ein Unrecht wiegt das andere nicht auf, weil Gräueltaten gegen bestimmte Bevölkerungen als Racheakte immer die falschen treffen. Und da waren Menschen aller Nationen Opfer und das darf man grundsätzlich nicht gegeneinander aufrechnen - aber jedes Opfer hat das Recht, gleichermaßen als Opfer wahrgenommen zu werden, unabhängig von seiner Nationalität, Religion und Ethnie. Durch alle Maschen fielen bis zuletzt die Kranken und Behinderten - aber die sind ja leider heute auch immer noch in vielen Gesellschaften die Schwächsten ohne Lobby.

Die Sündenheilerin, Juli 2011 (Piper) ***Schicksalsstürme, August 2012 (Piper) ***Die Reise der Sündenheilerin, August 2013 (Piper) ***Die Tochter der Sündenheilerin, März 2014 (Piper) ***Das Zeichen der Isis, September 2014 (Fahrenheit Books)

strandflohAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:26 Uhr
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Buch beendet und es ging positiv aus, obwohl ich wahrscheinlich noch tagelang darüber grübeln werde. Ich hatte gehofft, dann jemand aus Fritz Familie überlebt hat und zum Glück ist das auch passiert. Als Richard sich mit den Kindern nach Hamburg aufmachte bekam ich zeitweise Angst, dass es wieder eine Konfrontation mit Krüger geben könnte, was nicht passiert ist glücklicherweise. Gewundert habe ich mich nur, dass Richard keine Ahnung hatte wegen dem Deportationszug am Bahnhof. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er gar nichts wusste .... oder wollte er einfach seine Kinder nicht beunruhigen?

Mich verwundert es wirklich Melanie, dass die grossen Verlage dieses Buch nicht wollten, mit welcher Begründung eigentlich? Es gibt soviel Literatur über diese Zeit und oftmals auch leider ziemlich schlechte, worunter dein Buch keinesfalls fällt. Ich habe durch dieses Buch sehr viel erfahren und gelernt was mir vorher nicht geläufig war.

Un libro cerrado es un amigo que espera!

CharlieLyneAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:43 Uhr
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Ja, das ist ohne Frage so - jedes Opfer hat das Recht, als Opfer wahrgenommen zu werden.
Wobei ich zugebe, dass mir das nicht immer so leicht fällt. Ich sage das hier in diesem Forum, wo es wie eine nette Runde in einer Kneipe ist, mal ganz offen: Ich sehe Bilder von Opfern des "Blitz" in unserem East End und kann tagelang nicht essen und schlafen. Ich sehe Bilder von Dresden und es lässt mich relativ kalt.
Ich kann kein Wir-haben-ja-nichts-gewusst glauben, und ich kann an kein deutsches Bombenopfer denken, ohne dass das hochkommt. Ich möchte das jetzt auch gar nicht diskutieren (das kann ich dann doch nicht so gut in lediglich virtuellen Kneipen, da müsst ihr mal zu mir in meinen Lieblingspub kommen) und auch nicht noch mehr privathistorische Dinge aussabbeln, die damit zu tun haben, sondern es nur informativ hier herstellen.
Umso beeindruckender war fuer mich, dass du diesen Opfern mit dem sympathischen Fritz und seiner Familie ein Gesicht gegeben hast, das mir so nahe ging, dass ich mich darauf einlassen konnte. Das begann mit der Geburt von Gottlieb. Und das ist unglaublich gut gemacht.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."Ararat - "Und sie werden nicht vergessen sein" - Knaur, 1. März 2016www.charlotte-lyne.com

CharlieLyneAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:44 Uhr
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Nee.
Noch frueher.
Als Richard zu Paula gesagt hat (oder war's umgekehrt?): "Sie sind inzwischen bei Doro und Schatzi angekommen" - da hatte es bei mir "gefritzt".
Und dieser Satz ist mir im Kopf rumgejagt wie ein Irrläufer, als Fritz die unerträgliche Nachricht bekam.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."Ararat - "Und sie werden nicht vergessen sein" - Knaur, 1. März 2016www.charlotte-lyne.com

tomaAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:49 Uhr
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Ich hatte den Eindruck, dass Richard zumindest ahnte, dass in den Waggons Deportierte waren, aber wie sollte er das den Kindern erklären ? Zumal sie ja auch nicht allein im Abteil waren, sodass er dann lieber so tat, als wisse er es nicht.

Ich kann auch nicht verstehen, wie manche Ablehnungen von Verlagen zu Stande kommen. Auch die Begründungen sind oft mMn sehr fadenscheinig. "Als die Welt in Flammen stand" von Corinna Vexborg wurde z.B. abgelehnt, weil bei ihrem Liebespaar die Frau 28 und der Mann 21 war, als sie sich kennen lernten.
Oh-Ton des Verlages "So etwas wollen unsere Leser nicht lesen" .... *rollt mit den Augen*
Ich kann verstehen, dass Autoren dann selbst verlegen oder es bei Amazon versuchen und bin sehr froh, dass Melanie ... und auch Corinna ... das gemacht haben. Mir wären sonst zwei tolle Bücher entgangen.
Dagegen gibt es eine ganze Menge, auf die ich persönlich sehr gut verzichten kann.


MelanieMetzenthinAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:54 Uhr
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Vielen Dank für dein Feedback!

Zu dem Zug auf dem Abstellgleis - du musst folgendes bedenken: Richard war seit 1941 an der Westfront in Afrika - er weiß, was mit den Kranken passiert und mit politisch Andersdenkenden. Aber woher sollte er das mit den Vernichtungslagern in Polen wissen? Das wurde ja sogar vor den Deportierten geheim gehalten. Man hat die Opfer ja noch bis zum Schluss belogen, indem man die Gaskammern als Duschen tarnte. Richard wusste nicht, was das für Leute waren, er wusste nur, dass das nicht richtig war, was da ablief, deshalb stellte er ja auch Fragen - bekam aber keine brauchbare Antwort. Er grübelt ja selbst nach - aber ganz ehrlich, das ist so ungeheuerlich - wer glaubt denn so etwas? Vielleicht hätte Paula die richtigen Schlüsse gezogen, weil sie ja miterlebt hat, was aus Dr. Stamm wurde, aber wir müssen immer im Hinterkopf behalten - dieser ganze Völkermord ist so ungeheuerlich, und die Nazis haben ja nachher auch noch versucht alles zu vertuschen - manche Dinge sind so unfassbar, das begreift man erst Jahre später.

Diese Szene habe ich übrigens aus den Erinnerungen meines Vaters "geräubert". 1943, als sie aus Hamburg nach Bayern evakuiert wurden, sah mein Vater als Elfjähriger auch so einen Waggon. Er hatte sich vorher geärgert, dass man nicht mit einem Reisezug nach Bayern fuhr, sondern mit dem unbequemen Regionalzug, wo von jedem Abteil Türen nach draußen abgingen. Und dann sah er den Viehwaggon und dachte: "Oh, Züge sind so knapp, dass manche sogar mit Viehwaggons transportiert werden. Da bin ich aber froh, dass wir wenigstens noch einen Regionalzug mit Sitzplätzen haben." Er hat sich das mit der kindlichen Logik des gesunden Menschenverstands erklärt - erst als Erwachsener hat er begriffen, was er da wirklich gesehen hat.

Und zur Begründung, die mein Agent bekam: Der Stil sei toll, aber das Thema zu gewagt und viel zu heikel, als dass es eine größere Zielgruppe interessieren könne ...
Deshalb freue ich mich ja so über den Bestsellerrang.

Die Sündenheilerin, Juli 2011 (Piper) ***Schicksalsstürme, August 2012 (Piper) ***Die Reise der Sündenheilerin, August 2013 (Piper) ***Die Tochter der Sündenheilerin, März 2014 (Piper) ***Das Zeichen der Isis, September 2014 (Fahrenheit Books)

MelanieMetzenthinAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 17:57 Uhr
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Dass es Deportierte waren, wusste Richard - aber eben nicht, dass es Juden waren, die in die Vernichtungslager gebracht wurden.

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CharlieLyneAW: Teil 5 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 18:07 Uhr
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Ich wäre mir bei den Begründungen, die Verleger abliefern, nie so sicher, ich würde da nicht allzu viel darauf geben. (Das mit den 28 und 21 Jahren ist auf alle Fälle eine Ausrede, darauf nehme ich sehr gern Gift.) Da kann man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sein: Ein Lektor, der Melanies Buch geprüft hat, kann gerade vorher mit einem Buch zur NS-Zeit böse geflopt sein - schon traut er sich nicht mehr ran, obwohl er's eigentlich haben möchte. Da steckt man nicht drinnen. Und wenn man Logik darin sucht, wird man verrückt.
Bei "Im Lautlosen" könnte ich mir als echten Ablehnungsgrund noch vorstellen: Da ist keine dramatische, schmachtende, wildromantische Lovestory drin, sondern ein nettes Ehepaar mit Kindern und Opas und Neffen (hat eigentlich schon jemand erwähnt, wie traurig das ist,, als Juergen stirbt?) und Tanten. Das traut man den Lesern - oder leider den Leserinnen - oft von Verlagsseite nicht zu, dass die da durchaus mitgehen und berührt sind, auch wenn kein rauschender Sex sie fuer "diese ganzen schlimmen Sachen da" entschädigt.

Leser sind immer cleverer.
Und das ist ja auch gut so.
Dass es solche Überraschungserfolge gibt, die dann das Thema eben auch wieder eine Zeitlang tragen, das ist einfach nur ein Grund zur Freude.

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