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tomaAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 14:03 Uhr
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Sowas gibt es wirklich :
Wir wohnen in einem 8 Parteienhaus, sehen unsere Nachbarn, mit denen wir auf dem gleichen Flur wohnen, aber nur ganz selten ... es sei denn wir haben ihre/sie unsere Post angenommen.
2008 waren wir auf Madeira und haben dort den Botanischen Garten in Funchal besucht. Dort trafen wir dann ZUFÄLLIG unsere Nachbarn *grinst breit*
Wir hatten uns tatsächlich wochenlang nicht gesehen und wussten gar nicht, dass wir zur gleichen Zeit das gleiche Urlaubsziel hatten.

MelanieMetzenthinAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"28.07.2017, 19:28 Uhr
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Ja, ich weiß, solche Dinge sind mir auch schon passiert und wenn man sich umhört, kommt so etwas skurriles gar nicht so selten vor *zwinkert*.

Die Sündenheilerin, Juli 2011 (Piper) ***Schicksalsstürme, August 2012 (Piper) ***Die Reise der Sündenheilerin, August 2013 (Piper) ***Die Tochter der Sündenheilerin, März 2014 (Piper) ***Das Zeichen der Isis, September 2014 (Fahrenheit Books)

Jana68AW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"30.07.2017, 16:57 Uhr
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Oh Gott! Ich bin erschüttert und weiß gar nicht, was ich sagen soll. Eigentlich würde ich lieber gleich weiterlesen.
Wenn es Fritz jetzt nicht gelingt, Richard zu retten, dann wird er das nicht überstehen, glaube ich. Er hat doch schon so viel her geben müssen, Gottlieb, seine Familie, seinen Vater. Was, wenn er jetzt auch noch seinen besten Freund verliert? Wie soll er Paula gegenüber treten? Fritz tut mir so leid.
Richard tut mir so leid, er hat seiner Familie versprochen, dass er wieder nach Hause kommt. Jedesmal, wenn er das Versprechen gegeben oder erneuert hat, habe ich gedacht: Junge, hoffentlich hast Du recht!

Sehr, sehr schlimm und grausam fand ich allein die Tatsache, dass die beiden blutjungen Menschen, Schwester Heidi und dieser amerikanische Soldat in Panik gerieten bzw. durchgedreht sind. Der Tod der beiden ist genauso absolut sinnlos, wie Richards schwere Verletzung. Man kann es sich überhaupt nicht vorstellen, was es heißt, tagtäglich mit Verlust von Menschenleben, Schwerstverletzten im Lazarett und dem eigenen, quasi erzwungenem Handeln an der Front klar zu kommen, schon gar nicht, wenn man den Kinderschuhen gerade entwachsen ist und sein ganzes Leben noch vor sich hat.

Die Begegnung der "Feinde" im ägyptischen Grab fand ich zwar leicht erheiternd und vorallem erholsam in Mitten all des Geschehens. Aber dass es nun ausgerechnet Fritz' früherer britischer Kollege ist, war mir fast ein bisschen zu viel des Zufalls, es stört aber schlussendlich nicht.

Es zahlt sich für Georg mehr als aus, dass er auf das beste ausgebildet wurde und stets am ganz normalen Leben teil genommen hat. Er ist ausgezeichnet vorbereitet und er hat ein guten Freund. Als Horst und Georg diesem verdammten Krüger begegnen - was ohnehin unvermeidlich war - habe ich immerzu gedacht, Horst, halt doch bitte die Klappe! Wie hätte er es auch besser wissen sollen. Aber dann ist er es, der mit Schwester Elfriede Georg aus dieser hochgefährlichen Situation heraus hilft. Das war wirklich großartig, obwohl es Horst wahrscheinlich auch nicht bewusst war, wie gefährlich der Moment für Georg war.

Paula leistet in Göttingen im Kleinen einen großen Beitrag, um Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Sie zieht - auch dank des vertraulichen Gespräches mit Prof. Ewald - die richtigen Lehren aus Richards Fehlern, obwohl das natürlich unglaublich schwer fällt. Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte und ich möchte noch immer nicht so recht darüber nachdenken. Mich hätte das wohl bis zu Unfähigkeit belastet, ich hätte es sicher nicht lange durchgehalten. Was Paula hier zugute kommt, ist ihre Nüchternheit. Damit unterstelle ich ihr absolut nichts und spreche ihr schon gar nicht die Emotionen ab. Aber sie ist von Anfang an fast alles sehr nüchtern angegangen und das hilft ihr jetzt wahrscheinlich. Wie sonst soll man als Ärztin seine Unterschrift unter einen Meldebogen setzen, der für den betroffenen Patienten den sicheren Tod bedeutet.

Ich habe gerade ein sehr flaues Gefühl im Magen, wenn ich mich jetzt ans Weiterlesen mache. Hoffentlich kommt Richard durch...

Jana68----------Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

MelanieMetzenthinAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"30.07.2017, 18:01 Uhr
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Vielen Dank für dein ausführliches Feedback. Ja, Abschnitt vier ist echt der Härteste, vor allem, weil hier alle irgendwo auch ihre Ideale verraten müssen, um Leben zu retten - Paula, die die Entscheidung treffen muss, wer unrettbar verloren ist, was sie natürlich nüchtern tut - sie hätte es gewiss nicht gekonnt, wenn sie nicht Richards Scheitern vor Augen gehabt hätte. Das Bittere ist dabei auch, dass hier die Grenzen verwischen - was ist Mitläufertum und was ist Widerstand? Ich persönlich halte es für Widerstand. Wenn ich von acht Menschen statt zwei Menschen fünf Menschen rette, aber drei Menschen nicht retten kann, sind immerhin drei Menschen trotzdem dem Tod entkommen, die sonst auch verloren gewesen wären. Aber es ist vermutlich die schwerste Entscheidung, die zu treffen man gezwungen sein kann.

Und Richard, der Menschen immer nur helfen wollte, ist nun gezwungen, jemanden in Notwehr zu erschießen - als Psychiater weiß er ganz genau, dass der junge Amerikaner längst jenseits von Gut und Böse ist und in seiner eigenen Wahnwelt gefangen. Unter normalen Umständen hätte er ihm geholfen, aber so muss er ihn töten, um Fritz zu retten. Er denkt nicht darüber nach, aber damit hat der Krieg ihn nun auch gezwungen, ein Ideal zu verraten ...

Tja, Horst konnte den Mund nicht halten, weil sein historisches Vorbild auch als "vorlaut und naseweis" laut seinen Noten in Betragen in der Schule galt. (Ist übrigens erblich, deshalb poste ich vermutlich hier so viel *zwinkert* ) - die Szene "Verrückte zu suchen" ist ja real übernommen, mein Vater hat mir erzählt, dass sie nach der Ausbombung des Kinderkrankenhauses Rothenburgsort und der Verlegung nach Ochsenzoll dort "Verrückte" gesucht hätten, aber keine mehr gefunden haben - das fand ich auch wieder einen von diesen Momenten, in denen sich kindliche Naivität mit der grausamen Realität verbindet, die das ganze authentisch machen. Aber dafür bügelt er es ja auch wieder aus und Krüger ist dann davon echt angekotzt. Das konnte ich mir nicht verkneifen.

Die Sündenheilerin, Juli 2011 (Piper) ***Schicksalsstürme, August 2012 (Piper) ***Die Reise der Sündenheilerin, August 2013 (Piper) ***Die Tochter der Sündenheilerin, März 2014 (Piper) ***Das Zeichen der Isis, September 2014 (Fahrenheit Books)

LarnaAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"30.07.2017, 18:38 Uhr
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Oh mein Gott, der Abschnitt war echt heftig! Vor allem das Ende!

Es ist auch bei mir lange her, dass mich Protagonisten so emotional mitgenommen haben! Was wohl daran liegt, dass sie so normale Leute sind. Sie hatten vor dem Krieg ein ganz normales Leben, ein fast unbeschwertes Leben. Natürlich hat Richard durch den Tod seines Bruders einen schweren Schicksalsschlag erlitten, ebenso wie Paula mit dem frühen Verlust ihrer Mutter. Und sie sind beides Kriegskinder. Doch sie haben eine liebevolle, intakte Familie - trotz allem, entstammen der gehobeneren Schicht bzw. dem gut gehenden Mittelstand und kennen keine materiellen Sorgen - auch die Wirtschaftskrise trifft sie nicht sonderlich hart. Sie können ihre Lebensträume verwirklichen und ihr Glück genießen.
Zudem sind sie sympathisch mit denen wäre ich auch im realen Leben gerne befreundet. Daher ist es umso grausamer, was ihnen widerfährt, weil sie so sind wie ich und weil so deutlich wird, wie es ganz normale Leute von den Füßen gehauen hat, als die Nazis an die Macht kamen.

Fritz und Richard sind nun also in Afrika und ich fand es spannend, davon zu lesen, wie das in einem Hauptlazarett im Gegensatz zu einem Feldlazarett abläuft und mit welchem relativem Komfort und in welcher relativen Sicherheit sie dort gelebt haben.
Was für mich ebenfalls völlig neu war, ist die Tatsache, dass vor der Penicillin-Ära bereits Sulfonamide als Antibiotika eingesetzt wurden. Ich war immer der Meinung, dass Penicillin das erste Antibiotikum war. Aber durch seine bakterizide Wirkung (also, dadurch, dass es Bakterien tötet), war es natürlich ungleich wirksamer als die bakteriostatischen (heißt, die Bakterien werden an der Vermehrung/Wachstum gehindert) und somit wirklich die Revolution, für die es bekannt wurde.

Die Szene in der Höhle war natürlich ein großer Zufall, aber es hat mich nicht gestört, obwohl ich bei sowas schon mal empfindlich sein kann. Ich hab zwar beim Lesen gegrinst, weil es so unwahrscheinlich klang - vor allem, weil der zweite Engländer auch noch Fotograf wie Richard war -, aber die Szene war trotzdem wundervoll. Als Leser braucht man zum einen an der Stelle auch mal wieder was schönes und witziges, zum anderen zeigt es, wie wenig sich die "Feinde" von einander unterschieden. Fritz und Maxwell eint die Leidenschaft zu ihrem Beruf und sie fachsimpeln über diverse Operationsmethoden mit Begeisterung. Arthur und Richard sind beide leidenschaftliche Fotografen, haben also einiges gemeinsam.
Die Szene zeigt in meinen Augen, dass im Krieg Menschen kämpfen, allerdings gegen ein Abstraktum: DEN Feind. Etwas, das abstrakt und völlig unfassbar ist und sich bei näherem Hinsehen als einfach auch nur eine Ansammlung von Menschen entpuppt, die auch gezwungen sind, gegen DEN Feind zu kämpfen.
Diese kleine Auszeit war wirklich köstlich und halt allen Beteiligten (den Protagonisten und dem Leser) gut getan. Ein bisschen musste ich an die Geschichten aus dem ersten Weltkrieg denken, als an Weihnachten in den Schützengräben die Waffen ruhten und die Soldaten aller Nationen sich im Schützengraben trafen, ihre Rationen miteinander teilten und versuchten, Weihnachten zu feiern. Als Menschen, nicht als Soldaten.

Paula hat derweil mit eigenen Problemen zu kämpfen. Nicht nur vermisst sie Richard, sie fühlt sich auch nutzlos und hilflos. Daher kommt ihr Doros Vorschlag ganz gelegen, sich um junge Mütter zu kümmern.
Dann erkranken Georg und Horst an Diphterie und landen durch die Bombadierungen schließlich ausgerechnet bei Dr. Krüger. Wobei es ja klar war, dass wir noch nicht das letzte von Dr. Krüger gelesen hatten.
Wie die beiden Jungs ihm die Tour vermasselt haben, war einfach herrlich! Ich musste wirklich lachen!
Dass Paula außer sich vor Sorge ist, kann ich verstehen. Krüger sinnt auf Rache gegen Richard und ist sich noch nicht einmal zu schmutzig dafür, das über die Kinder auszutragen. Zudem steht er hinter der Philosophie der Nazis, das macht ihn noch gefährlicher, da er Georg dann ja auch noch mit "gutem Gewissen" schaden kann.
Durch eine Intrige und Paulas Beziehungen gelingt es ihr, Georg zu retten und außer Reichweite von Krüger zu bringen.

Dass sie die Ausbombung überlebt haben, war reiner Zufall bzw. Glück und ich denke, das dauert einige Zeit, bis man das überwunden hat. Den Schock und das Entsetzen, dass man eigentlich auch mit gestorben wäre, wenn nicht der Zufall oder andere unvorhergesehene Umstände das verhindert hätten.

Paula führt in Göttingen das Werk ihres Mannes weiter, nachdem sie ihre Stelle in der Psychiatrie, von der sie lange geträumt hat, nun erhält. Es muss schrecklich gewesen sein, zu entscheiden, wen man dem Tod überlässt und wer überleben darf. Ich kann verstehen, dass sie Richard darum beneidet, dass er diese Entscheidung nie treffen musste. Auch wenn man doppelt so viele Menschen retten kann, schickt man doch immer einige in den Tod. Zwar von der Regierung angeordnet, aber wen es aus ihrem Patientenkreis trifft, entscheidet sie. Furchtbar!
Ich muss zwar manchmal auch die Entscheidung treffen, dass wir einem Menschen nicht mehr helfen können, aber das sind Situationen, in denen es keine Chance mehr für den- oder diejenige gibt oder in denen Überleben mit einem Grad an Pflegebedürftigkeit/Behinderung verbunden sind, die für die Patienten nicht in Frage kämen. Mich zwingt keiner dazu, Menschen in den Tod zu schicken, auch wenn sie keine tödliche Krankheit haben.

Die Szene mit Otto Krahl war sehr berührend und erschreckend. Ja, es ist wirklich grausam, dass man den Vater auf einer Ebene verstehen kann. Er war jung, glücklich verheiratet, der erste Sohn auf der Welt - das Leben lag vor ihm. Dann kommt die Meningitis und nimmt ihm alles: Seine Frau, die nur noch für ihren Sohn da ist; seinen Sohn, der sich nie weiterentwickeln wird; die Chance auf ein normales Familienleben; im Prinzip die Chance aufs Glück. Dass er den Tod seiner Frau und sein ganzes miserables Leben seinem Sohn ankreidet, ist irgendwo verständlich. Auch wenn es trotzdem grausam ist.
In meiner ersten Klinik hatten wir eine große Abteilung für Neuropädiatrie, also für Kinder mit schweren neurologischen Defiziten. Sei es von Geburt an oder durch Krankheit/Unfall. Öfter hatten wir auch welche nach Ertrinkungsunfall, die lange Zeit unter Wasser waren, aber mehr oder minder erfolgreich reanimiert werden konnten. Der Körper funktionierte wieder, das Gehirn hat aber irreparablen Schaden genommen. Diesen Kindern wurden bei uns oft Medikamentenpumpen eingesetzt, die ein Medikament gegen die Spastiken abgegeben haben und die auch regelmäßig gewechselt werden mussten.
Einmal habe ich eine Mutter aufgeklärt, deren Tochter mittlerweile 14 Jahre alt war und die mit ihrer Umwelt nicht kommunizieren konnte. Nur durch Grimassieren zeigte sie Unbehagen oder ähnliches an. Die Mutter war die ganze Zeit mit ihrer Tochter beschäftigt und hat überprüft, ob alles gut ist. Mit dabei war noch eine zweite Tochter, ca. sieben oder acht, die sich irgendwann mal an ihre Mutter gewandt hat. Die Mutter ist ihr sofort über den Mund gefahren, sie müsse sich um ihre große Schwester kümmern, hat den Fernseher angemacht und die Kleine davor platziert. Ich habe mir damals schon gedacht, dass das für die Kleine furchtbar sein muss und ich könnte verstehen, wenn sie ihre große Schwester irgendwann einmal hasst.
Kurz darauf habe ich dann eine Mutter aufgeklärt, deren Tochter ungefähr sechs oder sieben war und ebenfalls im Kleinkindalter fast ertrunken wäre. Nicht hat die Ehe der Eltern dieses Ereignis überstanden (was ziemlich selten ist), sie hat mir auch gesagt, sie haben eine Patientenverfügung für ihre Tochter und wünschen keine erneute Wiederbelebung, wenn es zu einem Zwischenfall kommt. So hart es klingen mag, sie wollten einfach nicht, dass ihre Tochter noch weitere Leiden und Einschränkungen durch die Folgen einer erneuten Wiederbelebung erfahren muss.

Von Leonie hören wir auch wieder was und beim Lesen ihres Briefes habe ich gedacht, dass man den auch heute schreiben könnte, was die Versorgung von Flüchtlingen angeht. Angefangen von den Schleppern (in dem Fall Nazibonzen) über die Tatsache, dass manche nur ihre Kinder in Sicherheit bringen konnten, bis hin zu den Traumata, die die Flucht ausgelöst haben. Wir leben das gleiche ja momentan auch.

Am schwersten war der Tod von Doro und den Kindern auszuhalten. Mir sind die Tränen über das Gesicht gelaufen, als ich ihn und dann Fritz Reaktion las. So berührend und erschütternd, so grausam. Es war klar, dass nicht alle überleben können, das wäre viel zu unwahrscheinlich gewesen, trotzdem hat es mir sehr weh getan. Zum Glück hat Fritz einen Psychiater als besten Freund, damit stehen die Chancen gut, dass er lernt, mit diesem Verlust zu leben. Wirklich überwinden wird er ihn wahrscheinlich nie können.

Der Cliffhanger am Ende ist echt mies und ich hoffe jetzt einfach, dass Richard überlebt. Bauchschüsse waren ja zu allen Zeiten mehr als gefürchtet, weil die Überlebenschancen zu gering waren. Das weiß Richard und vor allem Fritz, der Tränen in den Augen hat, als er seinem Freund das Evipan spritzt.

"Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern" (Indira Ghandi)

LarnaAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"30.07.2017, 18:50 Uhr
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Himmel, jetzt ist der Post schon so lang und ich habe doch noch was vergessen:

Georg und Emilia tun mir so leid. Ihnen wird die Kindheit geraubt, sie wachsen in Angst und Unsicherheit auf und die Fassade, dass ihre Eltern bzw. die Erwachsenen immer alles regeln können, bekommt mehr und mehr Risse. Das muss furchtbar für die Kriegskinder gewesen sein und sich weit ins Erwachsenenalter hinein ausgewirkt haben.
Ihr Wunsch, als Flakhelfer zu arbeiten, ist verständlich, immerhin erleben sie eine solche Hilflosigkeit, da ist der Wunsch nach einer Tat mehr als normal. Vor allem, weil es wirklich extrem perfide und grausam ist, Wohngebiete zu bombardieren. Denen hätte ich es auch heimzahlen wollen!

"Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern" (Indira Ghandi)

MelanieMetzenthinAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"30.07.2017, 19:19 Uhr
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Vielen Dank für deine ausführlichen Postings.
Mit der Höhlenszene hast du genau die Funktion beschrieben, die sie hatte - sie hat noch eine weitere Funktion, aber die wird erst im nächsten Abschnitt eine Rolle spielen - aber mir war eben genau das wichtig: Es gibt nicht DEN FEIND - das sind alles normale Menschen, die im Krieg gezwungen werden, andere Menschen zu töten - und viele zerbrechen daran.
Ich hatte ursprünglich überlegt, fremde Engländer zu nehmen, aber ich fand den Running Gag mit Maxwell, den er überall trifft, dann einfach ganz lustig - weil es sonst einfach zu wenig Pausen von dem Grauen gibt und ich wollte einfach auch die Stärke der Protagonisten zeigen, dass sie ihren Humor und Lebensmut auch unter schwierigsten Bedingungen bewahren.
Dazu passt dann natürlich auch, dass sie eigentlich alle ganz normale, nette Leute von nebenan sind, die man sich tatsächlich gut im eigenen Bekanntenkreis vorstellen könnte, wenn man zur gleichen Zeit gelebt hätte. Ich wollte absichtlich keine gebrochenen Figuren, sondern Menschen, mit denen wir uns identifizieren können, denn dadurch wird das Grauen ja noch fassbarer.

Ich freue mich auch, dass die Figur von Otto Krahl funktioniert - eben dass die grausame Entscheidung des Vaters sogar auf gewisse Weise verständlich wird. Denn nur dann, wenn wir uns eingestehen, dass das nicht alles böse Menschen waren, die ihre Angehörigen der Euthanasie überließen, sondern zum Teil wirklich verzweifelte Menschen, kann man sich dafür sensibilisieren, dass die Grenze zwischen aktiver Sterbehilfe und Mord fließend ist und dass dieses Thema nicht umsonst in Deutschland sehr kontrovers und heikel diskutiert wird. Insofern berühren mich auch die Beispiele, die du aus deiner Arbeit bringst, sehr.

Und ja - diese Kriegskindergeneration, also die Menschen, die jetzt Ende siebzig und älter sind, die haben wirklich vieles miterleben müssen, wenn sie in Großstädten diese Bombardements erlebten. Was ich persönlich aus den Erzählungen meines Vaters so bemerkenswert fand, war die Normalität, mit der das irgendwann wahrgenommen wurde. Wenn der Fliegeralarm länger als drei Stunden in der Nacht andauerte, musste man am nächsten Tag erst um 10.00 Uhr statt um 8.00 Uhr in die Schule ... schließlich sollten die Kinder ja noch ihren Schlaf bekommen. Es ist einfach unvorstellbar. Als ich ein Kind war und mein Vater mir diese Dinger erstmals erzählte, war er noch jünger als ich jetzt, das war noch gar nicht so weit weg. Ich habe manchmal das Gefühl, der Mauerfall war erst vor wenigen Jahren, in Wirklichkeit ist der Mauerfall inzwischen länger her, als der zweite Weltkrieg bei meiner Geburt vorbei war. Aber damals war das für mich so weit weg wie die Antike. Ich bin irgendwie mit diesem Buch auch noch mal in meine persönliche Vergangenheit zurückgegangen, obwohl die eigentliche Geschichte natürlich fiktiv ist, auch wenn ich wie gesagt viel aus dem Fundus an Erinnerungen meiner Familie geräubert habe, damit es authentisch wird. Und damit ist mir eigentlich noch mal wirklich klar geworden, was diese doppelte Zeitrechnung, mit der ich groß geworden bin und die hieß "vor der Ausbombung" und "nach der Ausbombung" eigentlich bedeutete.
Mein Vater sagte immer, wenn er alt genug gewesen wäre, hätte er sich gern als Flakhelfer gemeldet, weil man die Flugzeuge ja nicht als mit Menschen besetzt wahrgenommen hat. Das waren einfach nachts die "Tommys", die zu feige waren, am Tag zu fliegen, während die Amerikaner wenigstens tagsüber geflogen sind. Ebenso wenig haben sich ja auch die Bomberpiloten klar gemacht, dass sie zigtausend unschuldige Menschen getötet haben. Die Entmenschlichung hat ja überall großartig funktioniert - und gerade deshalb war mir auch die Begegnung in Ägypten wichtig, wie du es ja auch so schön beschrieben hast.

Tja, Fritz bleibt in diesem Abschnitt wirklich nichts erspart. Da hat er keinen Vorteil davon, dass er eine Lieblingsfigur der Autorin ist. Ich mag ihn wirklich super gern, den Fritz.


Die Sündenheilerin, Juli 2011 (Piper) ***Schicksalsstürme, August 2012 (Piper) ***Die Reise der Sündenheilerin, August 2013 (Piper) ***Die Tochter der Sündenheilerin, März 2014 (Piper) ***Das Zeichen der Isis, September 2014 (Fahrenheit Books)

MelodyAW: Teil 4 der LR "Im Lautlosen"24.08.2017, 17:58 Uhr
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Georg liegt mit Diphterie im Krhs wo Krüger arbeitet. Der hat ja wieder den richtigen Riecher dass er Richards Sohn vor sich hat und will ihn ja mit allen Mitteln dazubringen dass er zugibt taub zu sein. Wie gut dass Paula Georg vorgewarnt hat, er seinen Freund Horst bei sichhat und nicht zu vergessen die Krankenschwester.
Dass Horst sich plötzlich bei Georgs Untersuchung erbrechen muss, tja Dr. Krüger Pech gehabt passiert^^
Schön dass man trotz allem auch etwas zum schmunzeln hat.

Paula hat instinktiv richtig reagiert und sich mit den Kindern im Schrebergarten versteckt. Zum Glück, denn sonst wäre ihre Geschichte hier zuende.
Dass die Familie von Fritz ausgelöscht ist brachte mich zum schlucken und ich hielt mir erstmal die Hand vor den Mund um nicht laut aufzuschreien.
Hat sich der Fluch Fotos in Uniform bringen Unglück wohl diesmal in die andere Richtung gedreht. Fritz tut mir unsagbar leid und dass Richard ihn erstmal mit Evipan wegspritzt wie es so schön heisst war die richtige Entscheidung.

Paula versucht wie Richard die Insassen der Psychaiatrie zu retten. Da sie aber aus Richards Fehlern gelernt hat versucht sie es auf andere Art und Weise.
Die Geschichte mit dem Vater der seinen Sohn lieber in den Tod schickt als wieder aufzunehmen finde ich ziemlich hart. Ich kann ihn auf der einen Seite verstehen, da er bzw. seine Frau soviel geopfert haben aber auf der anderen Seite macht mich das auch unglaublich traurig und wütend wie man sein eigenes Kind noch dazu wenn es behindert ist fallen lassen kann und wissentlich in den Tod schickt. Ich bin da was meine Gefühle angeht hin und hergerissen.

In der Grabeshöhle von der es ja angeblich nur 1 Karte gibt^^ treffen Richard und Felix 2 Engländer. Davon ist einer ja ein alter Bekannter von Felix.
Nach diesem Abenteuer geht es in die Normandie und da hab ich ein ganz ungutes Gefühl. Ich denke da passiert was ganz schreckliches

Nein ich bin nicht die Signatur. Ich sortiere hier nur den Buchstabensalat, den mein Besitzer hier eben fabriziert hat!

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