Leserunden » AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 (Seite 3)

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MyLady AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 07.05.2009, 09:42 Uhr
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@ Keera: Genau aus den Gründen die du oben angeführt hast finde ich Eleonora´s patzige Reaktion unverständlich. Sie hat beide Eltern verloren, ja, sie wurde abgeschoben, keiner will sie haben und dann versucht sich ein Mensch der hinlänglich als verschloßen und zurückgezogen bekannt ist sich ihr zu nähern und dann schaltet sie auf stur?!
Zu diesen Zeitpunkt war Eleonora ja nicht erst seit gestern im Kloster und wusste das Sanchia nicht die aufgeschloßenste Person ist!
Und das Sanchia sie nicht in ihrem Zimmer haben wollte davon war nur zu Anfangs die Rede aber ist dann mit keinem Wort mehr erwähnt worden. Das die beiden nicht beste Freundinnen waren zu dem Augenblick schon aber das Sanchia immer noch arge Probleme damit hatte Eleonora im Zimmer zu haben konnte ich nicht mehr rauslesen!

Ich find es schon tragisch das man damals als 3. Geborene keine Chance mehr auf ein geregeltes bzw Eheleben hatte!
Für mich ähnelt das Kloster in unserem Leserundenbuch eher einem Beginenkonvent! Sehr weltlich und freigestellt!
Keera AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 07.05.2009, 10:17 Uhr
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My Lady,
ich denke, Eleonora hat Sanchias Schweigen sehr auf sich bezogen. Irgendwo sagt sie doch so etwas in der Richtung, wenn ich mich richtig erinnere. Dass sie ziemlich Ich-bezogen und verwöhnt ist, sehe ich auch so. Aber mit 11 ist sie ja noch entwicklungsfähig. Mal sehen, was aus ihr wird.
Das Abschieben von 3. Kindern ist schon schlimm, aber damals allgemein üblich. Bei den adligen Söhnen in England galt, dass der erste Sohn Titel und Land bekam, der zweite Sohn bekam ein Offizierspatent beim Militär und der dritte Sohn war für die Kirche.

Die Idee mit dem Beginenkonvent ist mir auch sofort gekommen.

keera

Larna AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 07.05.2009, 22:32 Uhr
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Das Buch gefällt mir eigentlich ganz gut, es gibt nur ein paar Dinge, die mich stören und die das Buch bisher zu nichts "Großem" werden lassen:

Die Guten sind so deutlich gut und die Bösen so deutlich böse! Irgendwie fehlen mir die Zwischentöne. Der Dominikaner z.B. ist hässlich, schleimig, riecht unangenehm und hat nicht eine positive Seite. Albiera hingegen ist weltoffen, verständnisvoll und tolerant und wenn sie auch keine Schönheit ist, so ist sie doch als nicht hässlich dargestellt. Mir ist das etwas zuviel Schwarz-Weiß-Malerei.
Generell war mir Albiera ein bischen zu tolerant. Die "laxe" Führungsweise kann man ja durchaus noch nachvollziehen, aber dass sie das weibliche Geschlechtsteil so selbstverständlich als "normal" und auch lustgewinnend ansieht und das auch noch ganz offen, war mir in der Zusammenschau dann doch ein bischen viel.

Dass Albiera sterben musste, fand ich schade. Ich hatte damit gerechnet, dass sie krank wird, aber das schon wieder eine Bezugsperson Sanchias sterben musste... Ich hoffe wirklich, dass sich das nicht zur Gewohnheit auswächst! *rollt mit den Augen*

Überrascht war ich von den korrekten anatomischen Begriffen, vor allem, dass die Gebärmutter schon bekannt war. Da ich in Geschichte der Medizin gepennt habe (*schäm*), habe ich mal recherchiert und festgestellt, dass in der Renaissance Autopsien durchaus erlaubt waren, es also sein kann, dass die Gebärmutter bereits bekannt war. Der Einfachheit halber werden vermutlich die deutschen und nicht die lateinischen Namen verwendet worden sein.

Eleonora ist für mich der bisher interessantes Charakter, sie ist als einzige nicht schwarz/weiß gezeichnet. Die Situation ist für sie bestimmt nicht einfach gewesen: Die ganze Familie tot, ihr Großvater schiebt sie ab, weil er keine Mitgift zahlen will, obwohl er es sich leisten könnte... Sanchia hat es ihr bestimmt auch nicht einfacher gemacht, denn Eleonora sucht Nähe und Trost und Sanchia zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück. Zudem liest Sanchia heimlich ihre Briefe, die sie von Lorenzo bekommt. Für mich wäre sie auch nicht die liebste Person gewesen, wenn es mir schlecht ginge.
Jedenfalls bin ich gespannt, wie es mit den beiden weitergeht.

Blass geblieben ist bisher Lorenzo. Er fährt zwar mit seinem Onkel zur See und verliebt sich in eine Sklavin, aber ansonsten erfährt man nicht viel über ihn.
Die Szene mit Leonardo da Vinci hat mich zum Schmunzeln gebracht, ich mag es, wenn so große Namen auftauchen, wenn sie noch klein sind und keiner weiß, was aus ihnen werden soll.

Was ich nicht ganz verstehe, ist Sanchias Interesse an Lorenzo. Sie hat ihn einmal für eine halbe Stunde gesehen und trotzdem liest sie heimlich alle Briefe, die er Eleonora schreibt. Liegt das nur an den interessanten Gedankengängen Lorenzos? Ich kann es irgendwie nicht ganz nachvollziehen.

Das Ende des zweiten Abschnitts hat mich überrascht. Wo kam Pasquale denn auf einmal her? Jacobo hat ihn vermutlich geholt, aber der Weg nach Murano ist doch ziemlich weit, da wären sie nie rechtzeitig da gewesen? Zufällig getroffen? Doch wieso hatte dann Pasquale soviel Schwarzpulver dabei? Diese Szene fügt sich irgendwie nicht logisch ein, in meinen Augen.

@mylady

Es gibt einen Brief Eleonores an Lorenzo, in dem sie ihren Unmut über Sanchia Luft macht bzw. über die Tatsache, dass Sanchia heimlich ihre Briefe liest, von daher ist ihre patzige Reaktion durchaus zu verstehen.

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

MyLady AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 07.05.2009, 23:09 Uhr
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@Larna: Da hab ich wohl was überlesen. Und trotzdem find ich es schade, ich hatte Mitleid mit Sanchia *schaut traurig*

Das Sanchia Interesse an Lorenzo zeigt liegt vielleicht daran das sie so eine Situation nicht kennt das man eine Heirat in Aussicht gestellt hat. Sie kam mit, wenn ich mich recht erinnere, sieben oder so ins Kloster und für sie stand dieser Weg nie zur Debatte.
Ich denke auch das ihr Interesse darauf zurückzuführen ist weil er in der besagten halben Stunde die selben Vorlieben zeigte wie sie, das Interesse an dem Warum der Dinge!
Schön wäre noch gewesen zu erfahren wie Sanchia auf den ersten Brief gestoßen ist der dann ja vermutlich Ausschlaggebend war dafür das sie auch die weiteren gelesen hat!
Liebe Grüße
MyLady
Larna AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 08.05.2009, 00:08 Uhr
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@mylady

Vielleicht hast du recht, vielleicht hat sie ihn nicht vergessen, weil er ihr soviel erklärt hat.
Naja, Eleonora hat ja kein Geheimnis aus den Briefen gemacht und als Zimmernachbarin weiß sie vermutlich, wo die Briefe aufbewahrt werden, also dürfte es ein leichtes sein, diese zu lesen, wenn sie alleine ist.

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

-Christine- AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 09.05.2009, 17:24 Uhr
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Generell war mir Albiera ein bischen zu tolerant. Die "laxe" Führungsweise kann man ja durchaus noch nachvollziehen, aber dass sie das weibliche Geschlechtsteil so selbstverständlich als "normal" und auch lustgewinnend ansieht und das auch noch ganz offen, war mir in der Zusammenschau dann doch ein bischen viel.


Das hat mich allerdings auch etwas überrascht. Und auch, daß sowohl im ersten als auch im zweiten Abschnitt die Homosexualität erwähnt wurde. Ich bin ja nun kein Experte im lesen historischer Romane, aber beide Themen sind mir noch nie begegnet. Weder diese offene Beschreibung der weiblichen Anatomie, noch die Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben - Cicero

Larna AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 10.05.2009, 15:34 Uhr
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Welche Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern meinst du?
Mir sind bisher nur die Verbrecher in Erinnerung, die als Sodomiten hingerichtet wurden. Sodomiten waren zwar nicht per definitionem Homosexuelle, sondern man bezeichnetet damit alle möglichen "Abartigkeiten", aber am häufigsten wurde es doch mit dem Analverkehr unter Männern in Verbindung gebracht.

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

-Christine- AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 10.05.2009, 18:42 Uhr
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Im ersten Abschnitt, als Piero Sanchia mit nach Venedig nimmt und sie unfreiwillig eine Hinrichtung beobachten, erklärt Francesco als Grund dafür:" Der gute Bernardino hat es übertrieben mit den kleinen Jungs." ( Seite 71 )

Im zweiten Teil wird Lorenzo auf offener Straße von einem Mann für käuflichen Sex angesprochen. ( Seite 181 ) Das war allerdings in Beyrut, wo Homosexualität scheinbar nicht strafbar war.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben - Cicero

Larna AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 10.05.2009, 22:13 Uhr
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@Christine

Ja, an diese Hinrichtung dachte ich auch. Homosexualität ist vermutlich schon so alt wie die Menschheit selbst, man denke nur an die alten Griechen.
Tolerant war man nur z.T. wie der arme Mann, der hingerichtet wurde, am eigenen Leib erfahren musste. Daher hat mich das nicht so überrascht.

Lieben Gruß
Larna

"Lieber Orangenhaut als gar kein Profil" (Ina Müller)

muprl AW: Leserunde "Die Madonna von Murano" - Teil 2 11.05.2009, 01:00 Uhr
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Ich brauche eigentlich kaum noch etwas zu diesem Teil zu schreiben, denn das meiste hat Larna bereits treffend formuliert.
Besonders die schwarz-weiß-Malerei und die extreme Modernität der Äbtissin stieß mir etwas übel auf.
Ich bin froh, dass Vittorio keine Rolle mehr in diesem Abschnitt spielte. Die Leonardo da Vinci-Episode fand ich nicht gut. Sie scheint nichts mit dem Handlungsverlauf zu tun zu haben, und dann empfinde ich dieses Einsetzen von berühmten Namen als bloße historische "Schmucksteine" für die Geschichte ärgerlich. Besonders wenn sie so SEHR GEWOLLT eingebaut werden. Dass Lombardo erwähnt wurde, war hingegen glaubhaft und plausibel.

Sanchia scheint eher eine geistige Faszination Lorenzo gegenüber zu hegen. Als sie ihn kennenlernte war sie schließlich erst sieben und jetzt geht es ja nur um Briefe. Ich hatte den Eindruck, dass sie es wirklich einfach spannend findet, was er aus den fernen Ländern und von Leonardos *zwinkert* (widerspreche ich mir jetzt selbst?) Erfindungen berichtet. Sie ist ja doch mit einer grenzenlosen Neugierde ausgestattet, unsere gute Sanchia. Ich denke sie kam auch so leicht an die Briefe, da sie sich auch um die Tauben kümmerte.

Die Pestepisode fand ich auch sehr gelungen, allerdings irgendwie zu kurz. Das hohe Tempo des Romans hat halt auch seine Nachteile.

Im grunde bin ich aber noch sehr zufrieden und fühle mich von der "Madonna von Murano" blendend unterhalten. *Daumen hoch*
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