Leserunden » Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco
| olympia | Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 18.11.2011, 10:54 Uhr |
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Hallo zusammen und das Wichtigste zuerst: Die Leserunde startet am Samstag, 19. 11. 2011 Die LR besteht jetzt nichts aus 7, sondern 6 Unterteilungen, da mir ein Fehler bei der Einteilung passiert ist. Bitte deshalb nicht irritieren lassen, dass die Teile 3 und 4 zusammengelegt wurden!! SPOILERWARNUNG!! Wer das Buch noch nicht gelesen hat, könnte hier enttäuscht werden, da über den Inhalt diskutiert wird. Dies gilt für alle Teile der Leserunde! KAPITEL: 1 – einschl. 4 SEITE: 0 - 100 Viel Spaß beim Lesen, gute Unterhaltung und rege Diskussionen! Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder meint, dass er genug davon hat. R. Descartes |
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| Stefanie80 | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 19.11.2011, 17:19 Uhr |
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Also dann fange ich einmal an. Schon die Aufmachung des Buches ist eine Augenweide. Wie Olympia schon schrieb, ich habe sowas Schönes bisher nur bei Sabine Weigand`s"Seelen im Feuer" gesehen. Zur Geschichte selbst, wir lernen den Ich-Erzähler Simone Simonini kennen, der scheint`s sein Gedächtnis (zumindest die vergangenen Tage) verloren hat. In Tagebuch-Einträgen erinnert er sich an vergangene Zeiten. Er ist halb Italiener, halb Franzose, aufgewachsen bei seinem Großvater in Turin, durch diesen beladen mit Vorurteilen über jede Nation, Religion oder Rasse. Doch wie Eco die einzelnen Nationen, durch Simonini, charakterisiert, ist so köstlich, dass ich vieles zweimal lesen musste.. Simonini hasst alles und jeden: die Deutschen ("Die denkbar niedrigste Stufe der Menschheit."), die Franzosen ("Sie sind böse. Sie töten aus Langeweile."), die Italiener ("Der Italiener ist treulos, verlogen, feige, verräterisch."). Darüber hinaus hasst er die Frauen, die Jesuiten, Freimaurer, Kommunisten und vor allem die Juden. Wie bekannt mir das doch alles, auch noch heute im 21. Jh. vorkommt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Fälscher von Dokumenten, Testamenten usw. In Paris, wo er jetzt lebt, hat er auch seine Quellen, um beispielsweise an Kokain zu kommen. Womit er u. a. Sigmund Freud (ich nehme an Dr. Froide ist Freud), versorgt. So kann er sich auch seinen verhältnismäßig luxuriösen Lebensstil leisten. Seine größte Freude neben all seinem Hass, ist nämlich das Essen. Nun erinnert er sich, wie es war im Hause seines Großvaters. Hier wird deutlich, wo der Samen, für seinen unbändigen Hass gelegt wurde. Die Mutter fort, der Vater selten daheim, so ist er ganz dem Einfluß des Großvaters ausgesetzt. Der ihn in seinem Hass, auch gegen das staatliche Schulsystem zu Hause unterrichten lässt. Das einzige was sein Großvater liebt und somit auch Simone, ist das gute Essen. Davon gibt es im Haus des Großvaters reichlich. Schweren Herzens lässt der Großvater ihn im Alter von 14 Jahren aus dem Haus, um die Jurisprudenz zu studieren. Hier schließt sich der junge Simonini den Carbonari an, eine Einigungsbewegung, ähnlich den Freimaurern. Schließlich fällt der Vater in Frankreich, bei der Verteidigung der römischen Republik. Simonini erinnert sich, dass er sich schon damals gerne verkleidete. Er zieht die Kutte, des bei ihm lebenden Jesuitenpaters an, und verlässt damit das Haus. Es tauchen aber auch Fragen auf. Ist Simonini wirklich Simonini? Ich weiß noch nicht, was ich von dem allen halten soll. Ich weiß nur, Eco schreibt wunderbar (habe noch nichts gelesen von ihm). Wie es ihm gelingt, diesen unbeschreiblichen Hass, vor allem auf die Juden, durch Simonini dem Leser näher zu bringen, ist schon meisterlich. Ich bin schon sehr neugierig, wie es weitergeht, wie uns Eco da wohl in die Irre führt. Doch wird es für mich sicher auch immer schwieriger, da meine Geschichtskenntnisse über diese Zeit, nur oberflächlich sind. Man kann sich sowas ja schließlich nicht einfach so nebenbei auf "Wiki" anlesen. Na, mal sehen, ich freue mich trotzdem auf den zweiten Teil. |
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| Stefanie80 | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 20.11.2011, 11:49 Uhr |
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P.S. Habe noch vergessen zu erwähnen, wie toll ich die Illustrationen im Buch finde. Treffender kann man den Inhalt nicht auf den Punkt bringen. | |
| aida | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 20.11.2011, 19:50 Uhr |
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Der Prolog stimmt schon ein auf eine sehr außergewöhnliche Erzählweise. Hier begegnet man einer Sprache, die man „genießen“ muss und die man nicht mal einfach so nebenbei lesen kann. Zumindest geht es mir damit so. Aber genau das macht die Lektüre für mich auch sehr fesselnd. Die Hauptperson hat ein sehr fatales Problem, fehlende Erinnerungen sind eine sehr unschöne Angelegenheit. Eine möglich Erklärung wären mehrere Persönlichkeiten in einem Menschen vereint: das Thema kenne ich bisher nur aus einem Thriller. Die Kindheit der Hauptperson Simonini hatte kaum positive Aspekte. So verwundert es mich nicht, dass Simonini auch als Erwachsener sehr unsymphatisch ist. Seine Ansichten sind von sehr massiven Vorurteilen geprägt, er scheint einer emotionalen Bindung nicht fähig und hat keinerlei Skrupel. Bei dem deutschen oder österreichischen Juden, der Simonini rät, sich alles von der Seele zu schreiben, kommt mir sofort Sigmund Freud in den Sinn. Später stellt sich heraus, dass ich damit richtig liege. Wobei sich alles in mir bei der Schreibweise des Namens sträubt Beim Losungswort „Tissot“ habe ich mich gewundert, dass Simonini diese Wahl später bereut. Ich habe deshalb im Internet gesucht. Kann hier der Arzt gemeint sein, der in seinen Schriften gegen die Selbstbefriedigung wetterte ? Es würde auf jeden Fall zu Simonini passen. Als Leser ist auch ein bisschen meine Literaturkenntnis gefragt. Die Romane von Dumas kenne ich, bei Sues „Ewiger Jude“ kommt eine ganz ganz dunkle Erinnerung in mir hoch. (Ich als Schulkind vor viel zu langer Zeit bei meiner Oma.) Es ist mir aufgefallen, dass Kochrezepte vom Autor ziemlich ausführlich geschildert werden. Die Leidenschaft für schönes Essen ist bisher der einzig positive Aspekt, den ich in Simoninis Leben entdeckt habe. Ich interpretiere das so, dass der Autor das durch die ausführliche Schilderung unterstreichen wollte. Die drei verschiedenen Schriftarten zur Unterscheidung des Erzählers bzw. Schreibers sind mMn sehr hilfreich. Die Illustrationen gefallen mir ebenfalls. Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. Heinrich Heine |
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| maimonides | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 21.11.2011, 11:38 Uhr |
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Beim Losungswort „Tissot“ habe ich mich gewundert, dass Simonini diese Wahl später bereut. Ich habe deshalb im Internet gesucht. Kann hier der Arzt gemeint sein, der in seinen Schriften gegen die Selbstbefriedigung wetterte ? Es würde auf jeden Fall zu Simonini passen. Es wird relativ früh erwähnt, daß er Hand an sich selbst legt. In sofern wird hier wohl Bezug auf den schweizer Arzt genommen und da es ihm peinlich ist bzw. er sich wundert, wird es wohl immer noch zur Selbstbefriedigung "greifen". |
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| anath | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 22.11.2011, 22:17 Uhr |
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Ich hänge beim Lesen ein wenig hinterher, leider komme ich nicht dazu, so viel zu lesen, wie ich gerne möchte. Allerdings scheint sich Simonini wirklich bei allen Klischees zu bedienen, die im Laufe der verschiedenen Jahrhunderte so über diverse Menschengruppen in Umlauf geraten sind. Ist irgendwie schon köstlich, das alles auf einen Haufen versammelt zu sehen. Ich bin gespannt, ob da ein paar noch fehlende Völker im Laufe des Buches noch abgearbeitet werden. Ansonsten ist es mal wieder ein für Eco ganz typisches Buch, und ich kann mir vorstellen, daß unser arthez mit seiner Vorliebe für lange Schachtelsätze beim Lesen seine helle Freude hatte. Ich bin gespannt, wo das hin geht. Schon die Szene , wo Simonini mit strenger Logik analysiert, wer er denn nun eigentlich ist, ob der Priester nebenan er selbst ist oder doch lieber ein anderer... zum totlachen. So viel krude Philosophie ist mir ja schon lange nicht mehr begegnet ! Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| arthez | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 23.11.2011, 21:56 Uhr |
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Ich ... zum totlachen. Dann wart mal ab bis du bei den Anhängen bist, spätestens dann ist mir das Lachen vergangen. Ich hasse das Sprichwort: 'Kein Rauch ohne Feuer' - Ecos Roman bestärkt mich davon. Ich wünsch euch noch viel Spaß. "Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche? Weil ich den Menschen spüre, den ich suche." – Erich Mühsam |
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| anath | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 24.11.2011, 17:29 Uhr |
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Ach, Fred, ich kenne die Deyfuss-Affaire sehr genau und ich kenne auch diese ominösen "Protokolle der Weisen von Zion" und ich weiß, wie diese Fälschungen eingesetzt wurden. Laß mir doch wenigstens das Lachen ssolange mir keiner im realen Leben das Messer an die Kehle setzt. Vergeben und vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer ! |
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| olympia | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 28.11.2011, 18:16 Uhr |
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Wie ich euch schon schrieb, habe ich momentan sehr wenig Zeit zum Lesen und hinke auch entsprechend hinten nach. Aber es fällt mir auch sehr schwer, mich nicht einfach hinzusetzen und zu lesen, aber man muss eben Prioritäten setzen Ganz zu Beginn fand ich so manche Passagen noch ganz amüsant. Je weiter ich jedoch Simonini begleite, umso zorniger lässt mich seine doch ziemlich enge Weltanschauung werden. Eco legt auch klar, wer für all die engstirnigen und kurzgedachten Ansichten verantwortlich ist, aber dennoch will man es kaum glauben, dass ein erwachsener - und doch auch sehr intelligenter - Mann, sich nicht seine eigenen Gedanken und Schlüsse macht. Dabei lässt Eco Simonini sogar selbst klar werden, dass so mancher Jude vielleicht gar nicht so unsympathisch ist wie er unweigerlich von allen annimmt (wenngleich er keinem traut). Begegnet er Freud zuerst mit reservierter Höflichkeit, so unterhält er sich bald ganz gut mit ihm (es geht ihm aber kein Licht auf). Den Exkurs in seine Kindheit, das Aufwachsen bei seinem Großvater der ihm auch all die antisemitischen Ansichten einimpft, liest man schon regelrecht fassungslos. Eco hat sämtlich Register gezogen, wie aus einem Menschen ein Rassist wird. Aber dennoch gibt er Simonini schon beinah sympathische Wesenszüge, wenn er auf der Suche nach sich selbst ist (und über so manche Gaumenfreude ins Schwärmen kommt). Seine Ängste werden für den Leser mehr spürbar als für ihn selbst, der nur versucht darauf zu achten, dass niemand sein "Problem" mitbekommt. Äußerst interessant finde ich, wie viele historische Persönlichkeiten Erwähnung finden, gerade Ärzte und Wissenschafter (ohne L Persönlich störend finde ich die französischen Passagen, die nicht übersetzt sind. Manche Aussagen oder Wörter erklärt Eco sehr geschickt im Text, aber dennoch bleiben genug über die ich nicht verstehe und das finde ich etwas ärgerlich. Nun muss ich mich gedulden, bis ich wieder weiterlesen kann. Bin ja nur gespannt, was mich da noch alles erwartet... Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder meint, dass er genug davon hat. R. Descartes |
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| colle | AW: Leserunde TEIL 1 "Der Friedhof in Prag" U. Eco | 29.11.2011, 13:53 Uhr |
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Auch ich habe jetzt endlich den ersten Teil beendet. Leider habe ich zur Zeit keine wirkliche Zeit mich mit dem Buch auseinander zu setzen. Das merke ich daran, das ich kaum genau sagen kann was passiert ist und ich den 2 Teil schon 3x angelesen habe, aber irgendwie nicht weiter komme. Ich werde also pausieren und bei mehr Zeit und Ruhe weiterlesen. Bücher können gefährlich sein. Die Besten sollten mit einem Aufkleber: „Achtung, diese Lektüre könnte Dein Leben verändern!“ versehen werden.“ Helen Exley |
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